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Fehlende Kabel und Software die einem zum Wahnsinn

Mongolei/Ulan Bator — 06.08.2011 - 09.08.2011

Nach einer regenreichen Nacht verzieht sich gegen Mittag die Bewölkung. Heute geschieht nicht viel. Wir schlafen endlich mal wieder aus. Nach einem leckeren Pfannkuchenfrühstück prüfe ich den Ladezustand der Energiebox. Dann versuche ich das Durabook über den Energiewandler von 12 Volt auf 230 Volt zu laden. Leider wird schon nach kurzer Zeit der Wandler extrem heiß. Dann suche ich das 12 Volt Netzteil für das Notebook. Immer nervöser werdend leere ich jede Tasche, doch das Netzteil ist nicht da. „Entweder ich habe das Netzteil in der Hektik des Packens vergessen oder ich habe nie eines besessen“, sage ich frustriert. „Was bedeutet das?“, möchte Tanja wissen. „Im schlimmsten Fall können wir den neuen Laptop während der Expedition nicht einsetzen“. „Das heißt wir können darüber keine Live-Berichterstattung machen?“ „Wenn wir das Teil nicht laden können ist der Laptop nicht zu gebrauchen“, antworte ich und spüre wie mir der Schweiß auf die Stirn tritt. Fieberhaft überlege ich wie wir das Problem lösen. Zum Glück haben wir noch einen Ersatzrechner dabei. Der ist auf jeden Fall einsetzbar und für ihn habe ich auch ein 12 Volt Netzteil. Trotzdem gebe ich nicht auf und rufe Herrn Einetter von Gesat an, um ihn darum zu bitten mir so ein Netzteil zu schicken. „UPS verlangt dafür 160,- €. Haben sie eine andere Idee?“, möchte Herr Einetter, einer der Chefs der Firma, wissen. „Wenn sie das Netzteil mit der Post schicken, müsste es eigentlich auch ankommen“, hoffe ich, worauf wir uns darauf einigen dass Herr Einetter das Teil gleich nach Erdenet zu Saraas Schwester versendet.

Wegen der Packer- und Sucherei bin ich den ganzen Tag beschäftigt. Tanja ist in einem öffentlichen Internet, um ein paar Bilder im facebook zu veröffentlichen. „Sind da auch die richtigen Unterschriften unter den Bildern?“, fragt sie später. „Was für ein Frage“, antworte ich selbstsicher und möchte es ihr zeigen. Doch was wir jetzt sehen lässt uns erneut erschrecken. Der Photoshop hat sich derart aufgehängt, dass er nicht mehr zu aktivieren ist und das Bildarchivprogramm hat alle bisher eingetragenen Bildunterschriften und was ich sonst noch für Daten eingetragen habe verloren. Bis nachts um 1:00 Uhr versuche ich den Fehler zu finden, ohne Erfolg. Am kommenden Tag rufe ich erneut Deutschland an, um mit dem Softwarevertreiber den Fehler zu finden. Ohne Erfolg. Mittlerweile hat Tanja eine heftige Erkältung bekommen. Ich gehe mit Tagi in die Stadt, um einen Energiewandler von 12 Volt auf 230 Volt zu finden. Es dauert einen halben Tag bis wir in einem Motorradgeschäft, welches auch Solarpanels verkauft, einen von China kommenden Wandler aufstöbern. Bei späteren Tests stellt sich heraus, dass das Netzteil vom Durabook extrem brummt wenn ich es an den chinesischen Wandler anschließe. Bei Messungen mit meinem Voltmeter ergibt sich, dass nicht 230 Volt rauskommen, sondern 270 Volt. Ich tausche das Teil um und kaufen eines für knapp 100,- €. Jetzt funktioniert es. Somit ist der Laptop auch in der Steppe einsetzbar. Nach mehreren teueren und langen Telefonaten mit dem Mobiltelefon nach Deutschland muss ich erfahren, dass die Bildarchivierungssoftware keine Mediadaten von Rawbildern speichern kann. Somit ist die gesamte bisherige Arbeit im Eimer. Ohhhhh mein Gott, kann einem die Software in den Wahnsinn treiben!!! Ich sehne mich nach der internetfreien Zeit zurück, die Zeit in der ich noch mit Füller und Tintenfässchen auf altes, indisches Papier geschrieben haben. Da wir heute nicht mehr auf Dia fotografieren sondern alles digital gespeichert wird, ist so ein Archivierungsprogramm enorm wichtig geworden. Nur was bringt es wenn es nicht so funktioniert wie es soll. Ich mache mich erneut an die Arbeit, um noch vor Expeditionsbeginn alles funktionsfertig zu bekommen, zurzeit hauptsächlich die umfangreiche und teils fehlerhafte Software. Parallel dazu gehe ich mit Tagi auf dem Schwarzmarkt, um noch die nötigen und fehlenden 12 Volt Stecker zu kaufen. Schon der Weg zum Schwarzmarkt ist so staubig, dass es dafür keine Worte gibt. Die Autos quälen sich über den Schotter und durch den Lehm. Menschen wimmeln über die Piste, unfertige oder gerade im Bau befindliche Hochhäuser säumen den Weg. Es hupt und spricht durcheinander. Das Tor zum Schwarzmarkt ist ein Loch in einer Betonwand. Bettler und sehr arme Menschen sitzen an einer alten Hausmauer auf dem schmutzigen Boden. Ihre Lippen sind von der Sonne aufgerissen, die Augen getrübt. „Pass auf deine Kamera auf“, flüstert Tagi. Wir arbeiten uns durch das Menschengewühle. Händler bieten links und rechts des Weges ihre Waren an. Alte und gebrauchte Schuhe, Möbel, Werkzeug, Autoteile, Pferdezeugs, billigste chinesische Schrottware, Elektrogeräte aller Art. Es gibt einfach alles, doch meist ohne Qualität.

In einem Restaurant lade ich Tagi zum Essen ein. Es schmeckt schrecklich, ist viel zu fett für meinen Geschmack. Mongolen lieben Fett. Umso fetter desto besser. Sie brauchen es für den harten Winter. Jedoch möchte ich nicht wissen was ihr Cholesterinspiegel dazu sagt. Wir sitzen an einem speckigen Tisch, trinken warmes Cola. Um mich herum Schmatzt es genüsslich und recht laut. Essenskultur ist hier völlig, absolut völlig anders.

Weil mein Bart jetzt schon einen ernsthaften Wildwuchs angenommen hat suchen wir nach einem Langhaarrasierer. Den habe ich nicht von Zuhause mitgenommen weil das Netzteil zu schwer war. Zweifelsohne ein Fehler. Die Dinger hier sind klobig, schwer und groß. Ich kaufe so ein Ding, welches hier Uslimaschin heißt, für 7,- €. „Wie lange der wohl halten wird?“

Am letzten Abend vor unserer Abreise nach Erdenet sind wir noch immer am Packen. Mit all den angekommenen Paketen und unserer Ausrüstung schätzungsweise ca. 350 Kilogramm.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Sattelitentelefon Explorer 300 und das Duragbook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.