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Treffen unseren zukünftigen Begleiter Ulzii

Mongolei/Ulan Bator — 28.07.2011

Wir schlafen wie die Bewusstlosen. Um 10:00 Uhr (4:00 deutsche Zeit) klingelt das Telefon. Es meldet sich ein Mongole der gebrochen Englisch spricht. Es stellt sich heraus, dass er der Bruder von Saraas Mann ist. Er möchte uns auf der Expedition begleiten. Saraa hat den Kontakt eingefädelt. Sie meinte, dass es sehr gefährlich ist ohne Begleiter unterwegs zu sein. „In den letzten Jahren haben die Pferdediebstähle überhand genommen. Ein französisches Pärchen, die meine Freunde sind, waren letztes Jahr auf einer Exkursion mit Pferden unterwegs. Schon nach sieben Tagen hat man ihnen alle Pferde gestohlen. Die Polizei hat nichts unternommen. Ihr müsst sehr aufpassen“, hatte Saraa in einer Email vor wenigen Wochen gewarnt. „We meat at the Dschingis Khan Place“, /Wir treffen uns am Dschingis Khan Platz) sage ich dem Mann der sich mit dem Namen Ulzii gemeldet hat.

Trotz großer Müdigkeit springen wir aus den Betten, ziehen uns an und verlassen ohne Frühstück die Wohnung. Am großen Platz angekommen finden wir keinen Ulzii. Wir telefonieren mehrfach aber er kann uns nicht finden. „Vielleicht heißt der Platz anders?“, wundere ich mich. Ich rufe Ganbold an, um ihn zu fragen. „Sükhbaatar heißt der Platz“, erklärt Ganbold. Es dauert nicht lange und ein junger Mongole kommt auf uns zugelaufen. „Ich bin Ulzii“, stellt er sich vor und schüttelt lächelnd unsere Hände. Wir setzen uns in ein mongolisches Fastfood-Restaurant und versuchen uns mehr schlecht als recht zu unterhalten. Es stellt sich heraus, dass Ulzii Lehrer ist und zurzeit keine Arbeit hat. „Wann bist du das letzte Mal auf einem Pferd gesessen?“, möchte ich wissen. „Oh, als kleiner Junge bin ich jeden Tag geritten“. „Und könnt ihr Reiten?“, ist er interessiert. „Von Können kann keine Rede sein. 1996 sind wir 1.600 Km durch die Mongolei geritten. Seither haben wir eher Erfahrungen mit Elefanten und vor allem Kamelen gemacht“, erklären wir lachend.

Der Visa-Marathon geht weiter

Dann klingelt das Handy erneut. Es ist ein Mitarbeiter von Saraa der seit zwei Tagen mit dem Bus unterwegs ist, um uns die Notwendigen Papiere bringen soll, die wir noch für unser Arbeitsvisum benötigen. Wir gehen mit Ulzii zu dem vereinbarten Treffpunkt unweit des Sükhbaatar Platzes. „Hello, my name is Tagi“, (Hallo, mein Name ist Tagi) stellt er sich in recht gutem Englisch vor. „Hast du die notwendigen Unterlagen?“, fragt Tanja. „Habe ich“, sagt er und deutet auf eine gelben Umschlag den er unter den Arm geklemmt hat. „Wir vereinbaren das Gespräch mit unserem eventuellen zukünftigen Begleiter auf morgen zu verlegen. „Kannst du zu unserer Wohnung kommen?“, frage ich Ulzii. „Werde ich finden“, sagt er und verabschiedet sich.

„Lasst uns mit dem Bus zur Ausländerbehörde fahren. Das ist billiger“, schlägt Tagi vor. Wir laufen ein paar Minuten durch die Stadt und steigen in einen Bus. 20 Minuten später erreichen wir die Ausländerbehörde. Viele Menschen stehen vor der Tür und warten. „Lass uns rein gehen. Wer weiß auf was diese Menschen warten“, sagt Tanja. „War eine gute Entscheidung“, gebe ich ihr Recht weil wir in dem Gebäude ohne Umschweife auf einen der vielen Schalter zugehen können und einen Beamten fragen wo wir jetzt hin müssen. Wir treffen auf einige Ausländer die hier sind um ihr Visum zu verlängern. „Mein Gott! Ich verstehe gar nichts. Was die alles wissen wollen? Ist ja unglaublich“, flucht ein Italiener recht ungeduldig. Tagi wird nun ebenfalls von Schalter zu Schalter geschickt. Wir müssen Formulare ausfüllen auf denen die gleichen Fragen stehen die wir im Zusammenhang mit dem Visumantrag in Deutschland schon öfter beantwortet haben. „Vielleicht ist das ein Versehen. Wir haben doch schon längst alle Papiere ausgefüllt und die Fragen beantwortet. Wir müssten hier eigentlich nur unseren Stempel bekommen und weiter nichts. Ich rufe Saraa an und frage sie. Sicher ist sicher“, meine ich. „Das ist völlig normal Denis. Nein, das ist nicht umsonst. Bitte alles beantworten was sie wissen wollen und die Formulare dort einreichen. Keine Angst, das wird schon“, erklärt sie und beruhigt uns gleichzeitig.

Nach einer Stunde läuft der Italiener und ein australisches Pärchen lächelnd an uns vorbei. „Habt ihr eure Visaverlängerung?“, frage ich. „Ja, endlich. Wir dürfen bis zu maximal vier Wochen länger bleiben. Ist ja ein irrer Behördenwahn um das bisschen Verlängerung zu bekommen“, antworten sie. „Wenn die wüssten dass wir schon seit 1 ½ Jahren an unserem Visum arbeiten“, flüstere ich. Nach einer weiteren Stunde und vielen Telefonaten mit Saraa bekommen wir endlich einen erneuten Stempel in unsere Pässe. „Jetzt könnt ihr 21 Tage bleiben“, meint Tagi. „21 Tage?! Wir brauchen 365 Tage“, antwortet Tanja. „Nun, der Beamte hat mir gesagt, dass wir noch nicht alle Papiere zusammen haben. Wir benötigen noch ein paar Unterlagen von Saraa. Es geht dabei um eine gegenseitige Unterzeichnung von der Provinzregierung in Khövsgöl, dort wo Saraa wohnt, und der Regierung in Ulan Bator. Wenn die Papiere von Khövsgöl unterzeichnet sind schickt sie Saraa nach Ulan Bator. Mit diesen Unterlagen müssen wir dann zu einer anderen Behörde in der Hauptstadt. Dort wird das Papier gegengezeichnet. Dann bekommt ihr, aber nur wenn die Unterlagen aus Khövsgöl da sind, eine Arbeitsgenehmigung. Ist eine Art Ausweis. Mit diesem Ausweis müssen wir wieder hierher und wenn alles gut geht bekommt ihr auch euer Arbeitsvisum“, erklärt der 25 jährige Tagi.

Obwohl wir allen Grund hätten uns über diesen Prozess aufzuregen sind wir gelassen. Wir möchten uns auch nicht über den Bürokratismus in der Mongolei ärgern. Wir haben gehört, dass es für Mongolen genauso schwer geworden ist nach Europa einzureisen. Die Einreisbestimmungen sind in unserer Heimat extrem verschärft worden. Laut Aussage von vielen Menschen, die wir in den östlichen Ländern getroffen haben, ist die verschärfte Visabestimmung eine Gegenreaktion der jeweiligen Regierungen auf die Europäer. Nach dem Motto, wenn ihr uns nicht lasst, wollen wir es euch auch nicht leicht machen.

Überall auf der Welt wird es mit den Einreisebestimmungen schwieriger. Viele Länder versuchen sich vor illegaler Zuwanderung zu schützen. Das macht unseren Planeten, unsere Mutter Erde, für uns Menschen mehr und mehr zu einem großen Gefängnis. Die Freiheit, der eigene Wille dorthin zu reisen wo man möchte wird durch die verschiedensten Konflikte begrenzt. Leider ist es nahezu unmöglich geworden, in den Ländern in die man reisen darf, so lange zu bleiben wie man möchte. 1982, als ich meine erste große Fernreise unternahm, war es entschieden leichter länger in einem Land zu verweilen, vor allem gab es häufig Möglichkeiten sein Visum zu verlängern. Vor hundert Jahren hingegen gab es solche Visabestimmungen und Begrenzungen kaum und die Freiheit von der man heute überall spricht war entschieden größer. Leider merkt man das erst wenn man sich nicht als normaler Tourist bewegt. Touristen dürfen nahezu überall hin und ihr Geld ausgeben. Allerdings nur für sehr begrenzte Zeit. Ab vier Wochen, manchmal auch nach 3 Monaten, ist der Touristenstatus vorbei.

Es ist schade, dass wir solch eine immense Energie aufbringen müssen um unsere Expeditionsidee zu verwirklichen. Wir kommen in dieses wunderbare Land als Freunde, als Menschen die anderen Menschen helfen, als Brückenschläger, Kulturvermittler und vor allem als Botschafter von Mutter Erde. Aber in einer Bürokratie und es ist völlig egal in welchem Land sich solch eine Bürokratie ins System gefressen hat, spielen solche Attribute keine Rolle. Nun, was soll’s. Reisen bedeutet Veränderung, bedeutet Bewegung, am besten Bewegung ohne Reibung denn die Reibung verschaffen wir Menschen nur uns selbst. Sie entsteht oftmals in unserem Kopf. Wir ärgern uns über irgendetwas weil wir es uns anders vorgestellt haben. Und genau das ist der Punkt. Warum sollen Tanja und ich uns über den Visaprozess ärgern? Wir können sowieso nichts aber auch gar nichts daran ändern. Tanja sagt immer, du kannst den Schnee in den Bergen nicht kontrollieren. Und genau so ist es. Jeder Ärger der hochkommt nimmt uns nur Lebensqualität und dafür ist das Leben einfach zu kurz. Wir akzeptieren die Situation so wie sie ist. Bleiben gelassen und sind uns sicher, das alles was geschieht genau so seine Richtigkeit hat. Aber jetzt gerade ich ins Philosophieren. Denke, dass es an dieser Stelle zu früh dafür ist. Wenn wir in unserer Jurte sitzen und der Winter draußen tobt, habe ich noch genug Zeit meinen Gedanken nachzuhängen und diese in Wörter zu verwandeln.

Guten Mutes lassen wir die Behörde hinter uns und fahren in die Stadt zurück. Wir verabreden uns mit Tagi für morgen und suchen Sachers Cafe auf. Hier bekommt man den besten Kuchen in der Stadt. Jessy hat uns vor unserer Abreise einen Gutschein gegeben. „Bevor ihr eure Expedition startet, esst noch mal richtig guten Kuchen, trinkt einen leckeren Cappuccino und denkt an uns“, hat sie gesagt. Genau das machen wir jetzt.

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