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Grenzpatroulie

Mongolei/Tuwa Camp — 02.02.2012 - 03.02.2012

Die Tuwafrauen warten sehnsüchtig auf ihre Männer, die vor über zwei Wochen aufgebrochen sind, um der 100 Kilometer vom Camp entfernten Rentierherde einen Besuch abzustatten. „Sie sind überfällig“, sagt Tsaya betrübt. „Machst du dir Sorgen?“, frage ich. „Und ob. Dort draußen kann viel geschehen. Sie wollten eigentlich nicht so lange bleiben und haben nur für 10 bis 12 Tage Nahrungsvorräte dabei. Heute sind sie bereits seit 15 Tagen in der Taiga. Und das bei minus 43 °C. Ohne Essen müssen sie furchtbar frieren. Ihre Körper benötigen bei den Minustemperaturen dringend Nahrung“, sagt sie kleinlaut an ihrem Kaffee schlürfend. „Sie können sich doch etwas Jagen? Verhungern müssen sie also nicht“, sage ich. „Nein, sie können eben nichts schießen.“ „Warum?“ „Weil sie keine Gewehre mitgenommen haben. Die Lizenz für ein Gewehr ist viel zu teuer für uns. Die können sich unsere Männer nicht leisten. Außerdem patroulieren Grenzsoldaten durch das Gebiet. Die würden unseren Männern die Gewehere einfach abnehmen. Das wäre für die betreffende Familie eine Katastrophe. Ohne Gewehr würden wir den Winter kaum ünberleben.“ „Was? Die Regierung erlaubt euch nicht den Waffenbesitzt?“ „Nur wenn wir uns die Lizenz dafür kaufen.“ „Und was ist wenn die Männer plötzlich unbewaffnet einem Braunbären gegenüber stehen?“ „Nun, zu dieser Jahreszeit halten sie ihren Winterschlaf. Aber im Frühjahr, wenn sie aufwachen, kann das Treffen auf einen Bären tödlich sein“, hören wir. „Also benötigen die Männer schon zum Selbstschutz eine Waffe?“ „Aber ja.“ „Und die Regierung möchte an der Waffenlizens verdienen?“ „So sieht es aus.“ „Wissen die denn nicht das ihr keine gewöhnlichen Freizeitjäger seid sondern in der Taiga mit euren Rentierherden lebt und ohne die Jagd nicht genügend Nahrung zum Überleben besitzt?“ „Ich weiß nicht ob sich darüber jemand Gedanken macht?“ „In anderen Ländern ist es so üblich, dass die noch lebenden Urvölker jagen dürfen.“ „Bei uns nicht. Das ist ja der Grund meiner Besorgnis. Ach ich hoffe mein Ultsan kommt unversehrt zu mir zurück.“ „Ultsan weiß doch was er tut. Er ist ein erfahrener Mann. Außerdem ist er nicht alleine. Wäre etwas Unvorhergesehenes vorgefallen wüsstest du längst Bescheid“, versuche ich sie zu trösten. „Hm, ich hoffe ihr habt Recht. Dann gehe ich mal in mein verwaistes Blockhaus“, vernehmen wir eine Stimme die ihre einstigen Selbstsicherheit verloren hat.

Am kommenden Morgen schlagen die Hunde an. „Das sind sie!“, rufen wir aus unserer Jurte stürmend. Überrascht blicken wir auf die schwer bewaffnete Männer die auf ihren mit Eis überzogenen Pferden ins Camp reiten. „ Soldaten?“, flüstert Tanja. „Ja, das muss die Grenzpatroulie sein von der man uns berichtet hat. Zaghaft heben wir die Hände zum Gruß. Einer der dick eingemummten Männer nickt kurz zu uns herüber. Die Soldaten binden ihre Pferde an die Bäume, steigen ab und laufen ohne uns einen weiteren Blick zu gönnen in Richtung Gambas Blockhütte. Dort nehmen sie ihre Kalaschnikows von den Schultern, stellen sie zu einer Gewehrpyramide zusammen und treten ins Blockhaus. „Harte Männer“, meint Tanja ihnen hinterhersehend. „Zweifelsohne. Bei diesen Temperaturen Patroulie durch die Taiga zu reiten kann nur etwas für Hartgesottene sein“, gebe ich ihr Recht.

„Was sie hier wohl wollen?“, überlegt Tanja. „Wer weiß. Haben wir unsere Genehmigungen griffbereit?“, frage ich etwas nervös. „Die hast du in deinem Pass gelegt“, erinnert mich Tanja. „Gut“, antworte ich, denn ohne diese schriftliche Erlaubnis würden uns die Soldaten sofort aus dem Grenzgebiet werfen. Noch vor einem Jahr durften die Patroulien angebliche Strafgebühren von bis zu 400,- US$ pro Person und Tag von Ausländern verlangen die sich ohne den Wisch in diesem Gebiet aufhielten.

Als die Schatten lang werden verlassen die Grenzer Gambas Hütte. Sie schultern ihre Waffen, binden ihre Pferde von den Bäumen, sitzen auf und reiten grußlos in die Taiga. Bei minus 35 °C flirren Eiskristalle durch die Luft. Noch für einen kurzen Moment vernehmen wir die im gefrorenen Schnee knirschenden Hufe. Dann tritt die in der Taiga tüpische absolute Stillen ein. Fröstelnd gehen wir wieder in unsere Jurte. „Komisch. Die wollten unsere Genehmigung gar nicht sehen“, meint Tanja. „Denke sie wissen mittlerweile wer wir sind“, antworte ich.

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