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Ein außergewöhnlicher Geburtstag

Mongolei/Tuwa Camp — 25.01.2012 - 01.02.2012

„Ich wünsche Dir einen wunderschönen Geburtstag mein Schatz. Viel Gesundheit, Zuversicht, Glück, weitere tolle Reisen und viele gemeinsame Jahre mit mir“, sagt Tanja mich anlächelnd. „Danke“, antworte ich gähnend und mit meinem Leben zufrieden. „Heute lassen wir es mal ruhig angehen“, meint sie wie bald jeden Morgen. „Genau, vor 11:00 Uhr bringt mich keiner vom Wandan“, antworte ich lachend. „Was hältst du von Pfannkuchen zum Frühstück?“ „Haben wir denn Milch dafür?“ „Milch? Die brauche ich nicht. Wir besitzen noch eine Packung mit gefriergetrockneten Pfannkuchen“, antwortet Tanja. „Oh lecker. Das ist ein echtes Geburtstagsfrühstück“, freue ich mich. Während ich mein morgendliches Yoga betreibe rührt Tanja das Pfandkuchenpulver mit Wasser an und stellt die Pfanne auf den Ofen. Leckerer Duft durchdringt die Jurte als der Teig im Öl brutzelt. „Der Erste ist gleich fertig“, sagt Tanja weswegen ich meine Übungen beende, vom Bett hüpfe und mich anziehe.

„Schau mal was ich da haaabe!“, singt sie eine Milchtüte in der rechten Hand schwingend. „Milch! Unglaublich. Hast du sie bis jetzt aufgehoben und erfolgreich vor mir versteckt?“, frage ich. „Habe ich. Und wenn du möchtest darfst du einen großen Humpen Geburtstagskakao trinken.“ „Und ob ich das möchte. Oh man. Wer hätte das gedacht hier mitten in der Taiga Pfandkuchen und Kakao serviert zu bekommen. Das ist wirklich fantastisch. Du bist großartig“, freue ich mich erwatungsvoll am Tisch sitzend. „Guten Appetit“, sagt Tanja mir mein Lieblingsfrühstück servierend. „Oh man! Oh ist das lecker“, murmle ich schmatzend. Kaum habe ich den ersten Pfandkuchen verdrückt gleitet auch schon der Zweite auf meinen Teller. Tanja hat Pflaumenmarmelade aus einen der vielen Lebensmittelkisten hervorgezaubert, die ich auf die gebratenen Teigscheiben streiche. „Hmmmmm, hmmm“, entfährt es mir. „Da muss man nur ein paar Wochen bei minus 40 °C Außentemperatur in einer Jurte leben und schon wird so ein Gericht zur Götterspeise“, lache ich.

„Klopf, klopf!“, ruft Tsaya und betritt unser Heim. „Happy Birthday Denis“, gratuliert sie und reicht mir einen kleinen Apfel in dem sie mit einem spitzen Gegenstand die Glückwünsche in die Schale graviert hat. „Einen Apfel! Ist ja klasse. Wo hast du denn den hergezaubert?“, frage ich, mich bei ihr bedankend. „Ultsan isst gerne Äpfel. Wir haben einen kleinen Sack voll mitgebracht als wir das letzte Mal in Tsagaan Nuur waren. Dieses Exemplar ist einer der Letzten“, erklärt sie.

Während Tanja mit Kuchenbacken beschäftigt ist nutze ich die Zeit, um ein wenig Feuerholz zu hacken. Auch wenn ich Geburtstag habe müssen die täglichen Aufgaben erledigt werden. Am Nachmittag kommt Purvee, die Frau des Schamanen, vorbei und gratuliert mir. „Das ist für dich“, sagt sie auf Mongolisch und reicht mir einen aus Rentierhorn geschnitzten Anhänger. „Das ist ja ein Hund“, sage ich den Hundekopf erkennend. „Mogi“, lacht sie. „Stimmt, sieht genauso aus wie er“, antworte ich, worauf wir beide herzhaft lachen. „Wer hat denn das geschnitzt? Gamba?“, frage ich. „Tijmee“, („Ja“) er ist ein guter Künstler“, gibt sie uns zu verstehen. „Das ist lieb von euch“, bedanke ich mich und hänge mir Mogis geschnitzten Kopf um den Hals. Als sie sich nach einer Schale Kaffee wieder verabschiedet meint Tanja; „Jetzt hast du eine Schnitzerei vom Schamanen der Tuwa bekommen. Das ist etwas Besonderes.“ „Ja, empfinde ich auch so. Ich werde sie in Ehren halten“, antworte ich ein wenig stolz.

Als wir am Abend an unserem kleinen Holztisch sitzen und ich gerade darüber nachdenke ob ich mich fürs Bett fertig machen soll, sagt Tanja plötzlich; „Wir sollten mal bei Tsaya vorbeischauen.“ „Warum? Ich würde mich lieber hinlegen und ein wenig die Ruhe genießen“, antworte ich. „Seit Ultsan mit den Rentieren weg ist fühlt sie sich ein wenig einsam. Wir schauen einfach mal kurz vorbei, fragen wie es ihr geht, trinken einen Tee mit ihr und gehen wieder. Das dauert nicht lange. Außerdem hast du heute Geburtstag. Wäre doch schade an so einem besonderen Tag so früh ins Bett zu gehen.“ „Na gut. Wenn du meinst“, gebe ich nach und ziehe mir die Jacke über. „Geh schon mal vor. Ich komme gleich“, sagt Tanja. „Okay“, murmle ich und wundere mich warum ich alleine losstapfen soll.

„Klopf! Klopf!“, rufe ich an Tsayas niedrigen Blockhaustür pochend. „Komm rein!“ antwortet es. Als ich die Tür öffne traue ich im ersten Moment meinen Augen nicht. Die Hütte ist voller Menschen. Alle sehen mich freundlich an. „Wow! Sain bajtsgaana uu („Guten Tag“) Da ist ja der ganze Stamm versammelt“, sage ich verblüfft. „Ja, alles was laufen kann. Sie sind wegen deinem Geburtstag hier“, erklärt Tsaya. „Wegen meinem Geburtstag?“ „Tanja hat alle Stammesmitglieder zu einer Party eingeladen“, erläutert sie. „Na das ist ja eine Überraschung“, lache ich, worauf die Anwesenden mein Lachen erwidern und kräftig applaudieren. „Setz dich“, bietet mir Tsaya am Raumende den Ehrenplatz vor einem reichlich gedeckten Tischchen an. „Na das habt ihr aber wunderbar organisiert“, freue ich mich über die kleine Tafel auf der Brotstückchen mit Streichkäse und Marmelade bestrichen, ein ganzer Kuchen, eine Schüssel mit Salzletten, in Scheiben geschnittene Wurst, eine Schüssel mit leckerer Schokolade, kredenzt sind. „Hat alles Tanja gemacht“, sagt Tsaya. „Wann hat sie das denn zubereitet? Habe ich gar nicht mitbekommen?“, frage ich als die Tür aufgeht und Tanja herein kommt. „Immer wenn du draußen warst und Holz gemacht hast“, antwortet sie meine Frage anscheinend gehört zu haben. „Unglaublich. Das ist wirklich eine dicke Überraschung. „Schau mal was ich da haaabe!“, sagt sie nun eine Fünfliterbierflasche hinter dem Rücken hervorzaubernd. „Bier! Bier in der Taiga! Ich glaube es nicht!“, rufe ich entzückt. „Und gleich fünf Liter. Wow, wow, wow. Das wird ja immer besser“, rufe ich lachend, worauf alle Anwesenden in mein Lachen einfallen.

„War gar nicht so einfach. Ich hatte Shagai das Geld mitgegeben als er das letzte Mal hier war. Er hat alles besorgt und vor ein paar Tagen, kurz bevor die Männer mit den Rentieren aufgebrochen sind, mitgebracht. Er hätte es fast vermasselt. War völlig angetrunken als er aus dem Allradbus stolperte. „Denis schau was ich habe!“, hat er gerufen. Dabei hielt der den Karton mit dem Bier und den Leckereien in die Luft. Gott sei Dank warst du gerade beim Holz holen und hast davon nichts mitbekommen. Ich hatte Shagai sofort am Arm genommen und in Tsayas Hütte geführt. Als er über die Türschwelle getreten ist fiel er der Länge nach hin. Der Karton krachte auf den Boden. Zum Glück ist nichts kaputt gegangen. Tsaya hat dann alles versteckt und somit ist uns im Teamwork die Überraschung geglückt.“ „Super! Echt super! Du bist eine klasse Frau!“, freue ich mich, worauf alle wieder applaudieren obwohl ich mir sicher bin das außer Tsaya keiner ein Wort verstanden hat.

„Soll Gamba das Bier ausschenken?“, fragt Tanja. „Klar, er soll es segnen und ausschenken. Er ist doch der Chef hier“, antwort ich ihm die Monsterflasche Bier reichend. Gamba lacht mich an, bedankt sich und öffnet den Verschluss. Dann segnet er das Getränk und reicht mir die erste Schale Bier. „Hubaaa!“, sagt er, womit er meint, das ich das Gebräu auf ex trinken soll. Den Brauch kennend tippe ich meinen rechten Ringfinger in die braune Flüssigkeit und schnippe sie in alle vier Himmelsrichtungen. Nachdem somit die Naturgeister ihren Teil abbekommen haben setze ich die Schale an die Lippen. „Du solltest einen Trinkspruch halten“, erinnert mich Tanja. „Oh hätte ich beinah vergessen. Das Bier ist einfach zu verführerisch“, lache ich. „Nun, gut“, sage ich und führe fort; „Wie ihr alle wisst waren wir vor 16 Jahren schon mal in eurem schönen Land. Zu diesem Zeitpunkt hörten wir von euch, den Rentiernomaden. Seit dieser Zeit hatte ich den Traum einen Winter mit euch zu verbringen. Und jetzt sind wir hier. Leben seit über einem Monat mit euch zusammen und finden es wunderbar. Die Tuwa sind fantastisch.

Aber uns geht es natürlich nicht nur darum Zeit mit euch zu verbringen, sondern auch um festzustellen welche Schwierigkeiten ihr hier draußen habt. Es geht uns darum auszukundschaften was ihr benötigt und welche Hilfe ihr braucht. Wir wissen nun von den Problemen des Bluthochdrucks, dem frühen Einbrechen eurer Seekraft, den Zahnproblemen, Rückenschmerzen und anderen Gesundheitlichen Herausforderungen. Wir werden den Menschen in der Welt darüber berichten. Und hoffen das durch unsere Arbeit mehr und bessere Hilfe in eure Gemeinschaft kommt. Es bereitet und große Freude euch auf diese Weise helfen zu können. Ihr seid ein außergewöhnliches kleines Volk auf unserer Mutter Erde. Wir hoffen ernsthaft, dass euch dieser gewählte Lebensstil noch viele Jahrzehnte erhalten bleibt. Vielen Dank“, ende ich meine Rede die Tsaya Wort für Wort übersetzt hat. Rauschender Applaus und Gejohle ist die Antwort. „Ich hebe noch mal die Schale in die Luft. „Vielen Dank!“, rufe ich erneut und trinke sie mit einem gewaltigen Zug aus. Wieder ertönt Gejohle und lautes Gelächter.

„Das ist für dich“, sagt Saintsetseg mir einen weiteren, aus Rentierhorn geschnitzten Anhänger, in Form eines Rentieres schenkend. „Tschin setgeleesee bajrlalaa“, („Herzlichen Dank“) sage ich, das wertvolle Geschenk mit zwei Händen nehmend. „Nun habe ich von den beiden Schamanen der in der Osttaiga lebenden Tuwa eine Schnitzerei bekommen. Das ist fantastisch“, erfreue ich mich

Ich reiche die Schale an Gamba zurück der sie erneut füllt und an Tanja weitergibt. Auch sie bedankt sich bei den Menschen hier und leert sie mit ein paar Schlucken. Jetzt wandert das Trinkgefäß im Urzeigersinn herum. Jeder setzt seine Lippen an und schlürft sie aus. „Hier hast du einen eigenen Becher“, sagt Tanja und gibt mir mein Trinkgefäß. Ich bin ihr dankbar, da ich der Überzeugung bin, dass durch den herumgereichten Becher alle möglichen Arten von Viren, Bakterien und Krankheiten wie zum Beispiel Gelbsucht unter die Menschen gebracht werden.

Tanja läuft indes herum und serviert unseren 20 Gästen Wurstschnitten, Schokolade, Salzletten usw. Als Gamba mir erneut einschenkt habe ich das Gefühl noch mal die Tuwafrauen zu loben. „Und nicht nur das ihr starke Frauen seid die hier draußen den harten Winter verbringen, nein, das ist lange nicht alles. Ich finde die Tuwafrauen sind sehr schöne Frauen!“ „Hi, hi, hi, hi“, frohlocken sie verlegen. „Hätte ich nicht schon eine wunderbare Frau dann würde ich bestimmt eine Tuwafrau heiraten.“ „Hiiii, hi, hi, hiiii!“ sind die weiteren Salven des Lachens. Als ich sage auch die alte Suren schön zu finden brechen die Anwesenden vor Gejauchze regelrecht zusammen. „Nein, nein, da braucht ihr nicht zu lachen. Ich meine es ernst. Sie ist wirklich eine schöne Frau“, sage ich, worauf sich vor Gelächter und Gejohle nahezu das Dach der Hütte in den kalten Taigahimmel abhebt. Nun, ich kann den Heiterkeitsausbruch der Tuwa verstehen. Obwohl Suren erst 59 Jahren alt ist hat sie das harte Leben derart geprägt, das sie gut und gern für 70 gehalten werden kann. Noch dazu besitzt ihr von Falten zerfurchtes Gesicht kaum Zähne. Jedoch kann man erkennen, dass sie in jungen Jahren mal eine Schönheit war.

Just in dem Augenblick als die Bierschale Suren erreicht, erhebe ich meine Trinkschale erneut, um der Versammlung zuzuprosten. Die Heiterkeit ist bald ohrenbetäubend. Zugegen war dies reiner Zufall. Der Spaß jedoch ist gewaltig. „Komm, schieb Tanja auf die Seite und setzt dich neben ihn“, zieht Tsaya Suren auf. Die arme Frau weiß gar nicht mehr wo sie hinsehen soll und ihr Gesicht läuft vor Scham rot an.

„Du solltest den Wodka bringen“, flüstert Tsaya Tanja ins Ohr. Wenig später offeriert sie eine Flasche guten Wodka. Gamba segnet sie sogleich, reicht mir den ersten Becher und ruft; „Hubaaa!“ „Hubaaa“, erwidere ich und trinke den Becher in einem Schluck aus. „Oh ich glaube das war ein Becher zuviel“, raune ich, denn das schrecklich starke Gesöff steigt mir sofort in den Kopf. Wie auch schon am Neujahrsabend kommt die Stimmung nun so richtig in Schwung. „Für mich ist das heute auch mein Geburtstag“, sagt Gamba, da er genauso alt ist wie ich. „Fantastisch“, rufe ich dem Schamanen zuprostend. „Die Tuwa feiern ihren Geburtstag nicht mehr wenn sie alt werden“, erklärt Tsaya. „Aber 52 ist doch nicht alt?“, erwidere ich. „Bei uns schon“, höre ich. „Schau mal was ich da haaabe!“, ruft Tanja erneut, mittlerweile ebenfalls leicht angeheitert, und hält eine gigantisch große Schachtel mit Schokolade in die Höhe. „Ich fasse es nicht!“, rufe ich freudig aus und alle klatschen in die Hände. Tanja verteilt sogleich die Köstlichkeit unter den Gästen. „Hmmm, schmeckt wundervoll“, sage ich einen Riegel auf der Zunge zergehen lassend. „Hubaaa!“, ruft Gamba mir einen weiteren Becher des Teufelszeugs reichend. „Hubaaa!“, rufe ich einen Schluck davon nehmend. Dann singt Gamba ein Lied. Da ich kaum Lieder kann stimme ich zur großen Freude meiner Gäste oh Tannenbaum an.

Es ist Mitternacht als Tanja und ich mit leichter Schlagseite zu unserer Jurte schaukeln. Als ich mich auf das Wandan lege beginnt es sich zu bewegen und zu drehen. „Haben wir schon wieder ein Erdbeben?“, frage ich. „Das Einzige was da bebt ist der Wodka in deinen Adern“, antwortet Tanja. „Hat dir die Feier gefallen?“, fragt sie. „War eine der Schönsten in meinem Leben. Sie wird mir sicherlich für immer im Gedächtnis bleiben.“ „Ja es wird nicht viele Menschen geben die ihren 52 fünfzigsten mit den Tuwa gefeiert haben“, antwortet sie mir einen Kuss auf die Lippen drückend.

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