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Erster Tag bei den Rentiernomaden

Mongolei/Tuwa Camp — 26.12.2011

Wegen den Anstrengungen der letzten Tage und dem gestrigen großen Umzug stehen wir spät auf. Dann, nach einem Frühstück, ordnen wir unsere Jurte. Wir stellen alles dahin wo es gehört und sind mit unserem gemütlichen Heim richtig zufrieden. Bei wunderbarem plus 10 °C in der Sonne und minus 15 C im Schatten verschnüre ich die drei Solarpanel aufs Jurtendach. Um sie an den Batterien anzuschließen, bohre ich mit dem Besenstiel Löcher am Jurtenboden durch den an der Außenwand aufgehäuften Schnee. Auch die Kabel unserer Thermometer zu den Außenfühlern führe ich durch die Löcher. Nachdem die Kabelverbindungen gelegt sind schließe ich die Bohrungen wieder mit Schnee um Zugluft keine Chance zu geben in unser Reich einzudringen.

Am Nachmittag bekommen wir den ersten Besuch von Purvee, der Frau des Schamanen und der zwanzigjährigen Monkoo. „Wollt ihr Tee oder Kaffee?“, fragt Tanja über unseren ersten Besuch sich freuend. „Kaffee“, sagen sie die beiden wie aus einem Munde. „Tsaya, die ja perfekt Englisch spricht, erklärt später hier in der Taiga jeden Tag Tee zu trinken. „Kaffee ist für uns etwas Besonderes“, erklärt sie. Wir unterhalten uns rudimentär mit unseren Gästen und haben viel Spaß bei den von uns oftmals falsch ausgesprochenen Worten. Die Frauen lassen ihre neugierigen Blicke durch unsere Jurte gleiten. „Jurte dulaan“, („Jurte warm“) sagen sie. Wir erfahren, dass es in einem Tipi, welches sie Urtz nennen, viel kälter ist. „Vorne warm und hinten an der Plane kalt“, erklären sie.

Schon nach etwa 20 Minuten verlassen uns die beiden höflichen Tuwafrauen. „Ich bin gespannt wer uns in den kommenden Tagen alles besucht“, sagt Tanja. „Könnte mir schon vorstellen dass sie neugierig sind und wissen wollen wie es in unserer Jurte aussieht. Vor allem wenn es immer den leckeren Kaffee gibt. Wer weiß, vielleicht werden wir das Kaffeejurte im Tuwacamp“, lache ich.

Nachdem die beiden Frauen gegangen sind macht sich Tanja auf, um in der Taiga Schnee für unseren Wasserverbrauch zu sammeln. War es in Erdenet und Mörön schon aufwendig mit Eimern Wasser von den Wasserausgabestellen zu holen und in Tsagaan Nuur die Steigerung das Wasser aus einem Eisloch zu schöpfen, sammeln wir hier Schnee. Um einen Eimer Wasser zu gewinnen müssen wir drei Eimer Schnee füllen. Bei den jetzigen schlechten Schneeverhältnissen eine zeitaufwendige Arbeit. Vor allem ist es bei der dünnen Schneedecke wichtig aus Versehen keine Rentier- Hunde- oder Menschenexkremente aufzulesen. Als Tanja den ersten Schnee bringt schütten wir ihn in den Wok, den wir in die dafür vorgesehene Öffnung des Ofens stellen, um ihn zu schmelzen.

Am Abend suchen uns Tsaya und ihr Freund Ultsan auf. Sie freuen sich sehr über frisch gepressten Kaffee mit Milch und Zucker und Kekse. „Schön ist es bei euch“, meint Tsaya. „Ja, richtig gemütlich“, meint Ultsan. „Wir fühlen uns auch sehr wohl in unserem Heim. Nur das Feuer haben wir noch nicht im Griff. Mal ist es bis zu 36 °C warm und dann ist es wieder kalt. Die richtige Mischung wäre gut. Das kann auf den Kreislauf gehen. Shagai hat über die Jurte eine Zeltbahn gezogen damit die Rentiere nicht am Filz knabbern. Diese zusätzliche Hülle macht es hier drin noch wärmer als vorher. Aber ich denke in ein paar Tagen wissen wir wie viel Holz im Ofen brennen muss um die Temperatur konstant zu halten“, erzähle ich unseren neuen Nachbarn, da die Blockhütte der beiden direkt neben unserer Jurte steht.

„Ah wir müssen gehen“, meint Tsaya um 20:15. „Warum? Habt ihr einen Termin?“, scherze ich. „Ja, haben wir. Um 20:30 Uhr startet die Fortsetzung des koreanischen Dramas im Fernsehen. Die dürfen wir nicht verpassen“, hören wir verblüfft. „Ihr habt hier draußen einen Fernseher?“, frage ich. „Ja, wir betreiben ihn mit einer Batterie die wir über Solarpanels laden. Meist kommen alle anwesenden Tuwas aus ihren Tipis zu uns, um die Fortsetzungen zu sehen. Das ist für die Menschen hier die einzige und sehr willkommene Abwechslung. Wir sind also das Campkino“, erzählt Tsaya. „Ist ja lustig. Na dann viel Freude bei der Episode.“ „Werden wir haben“, ruft Tsaya als sie uns Ultsan schon auf dem Weg zu ihrem Blockhaus sind.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.