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Auf zu den Tuwa

Mongolei/Tuwa Camp — 25.12.2011

Da uns der gestrige Tag wieder einmal gezeigt hat das Eile nichts bringt, lassen wir es heute langsamer angehen. Vor allem wissen wir bis jetzt noch nicht ob unser neuer Fahrer unser Geld bereits versoffen hat.

Mit den ersten Sonnenstrahlen, die es bei dem heutigen blauen Himmel reichlich gibt, schlüpfe ich aus der Jurte, um zu sehen ob sich bei unserem Nachbarn etwas rührt. „Ich glaube ich sehe Rauch unter seinem Truck aufsteigen“, rufe ich, damit Tanja mich in der Jurte hören kann. „Das klingt vielversprechend“, antwortet sie freudig. „Ja tatsächlich, jetzt kommt ein Junge mit einem großen Eimer dampfenden Wassers aus dem Blockhaus. Zweifelsohne, sie machen ihren Lastwagen startklar“, sage ich wieder in unser mongolisches Zelt gehend.

Shagai kommt wie bereits gewohnt erst um 10:30 Uhr und abermals mit seinem Freund. Nachdem der russische Lastwagen vom Tanken zurückkommt, offensichtlich ist die Zapfsäule repariert, schaufeln sie vor dem Blockhaus von Ayush Erde auf die Ladefläche des Trucks. „Die brauchen wir um den unebenen Waldboden in der Taiga auszugleichen“, erklärt Shagai. „Das der Holzboden der Jurte eine gerade Auflagefläche hat?“, frage ich. „Ja.“ „Und dort draußen findet ihr keine Erde dafür?“ „Ist alles gefroren“, klärt er mich auf.

Dann kommt der Fahrer mit einem Freund und hilft uns die Jurte abzubauen. Plötzlich geht alles in Windeseile. Noch während Tanja restliche Gegenstände ihrer Küche erneut verpackt lichten sich die Filzmatten des Jurtendaches. „Komm da raus bevor dir das Holzgestänge auf dem Kopf fällt“, warne ich sie. Innerhalb von einer Stunde haben wir die komplette Jurte und ihren umfangreichen Inhalt auf der Ladefläche verstaut. Die Männer arbeiten dabei umsichtig und professionell. Am Schluss wuchten sie Mogis schwere Hundehütte auf die Filzmatten. Dann hebe ich Mogi hoch. Shagai, der jetzt auf der Ausrüstung herumturnt, nimmt ihn mir ab. Mogi, dessen Auge durch die Behandlung sich fast vollständig erholt hat, wedelt mit dem Schwanz und scheint sich ebenfalls auf die Reise zu freuen. „Könnt ihr das noch mitnehmen?“, fragt eine Tuwafrau, uns vier Pakete reichend. „Aber klar“, sagen wir und verstauen diese sicher zwischen unserer Ausrüstung.

Tanja und ich laufen geschwind zu Ayush und Tseden-ish, um uns für die Gastfreundschaft der letzten 7 ½ Wochen. zu bedanken. „Ist in Ordnung“, hören wir ihn mehr brummend als redend. Dann kauern wir uns auf dem einzigen Beifahrersitz des Lastwagens zusammen während Shagai, sein Freund und der Freund des Fahrers auf der Ladefläche einen zugigen und eiskalten Platz finden. Bei traumhaftem Wetter und warmen minus 25 °C lassen wir Tsagaan Nuur hinter uns. Erneut fahren wir die Strecke die wir bei unserem ersten Tuwabesuch genommen hatten. Die großen, groben Reifen des Lastwagens arbeiten sich durch den Schnee, über das Eis des Sees, Gräben, zugefrorene Flüsse, Täler, Wurzeln und rohes Gestein. Die zauberhaft anzusehende Winterlandschaft empfängt uns mit offenen Armen. „Jetzt haben wir es doch noch geschafft“, sage ich zufrieden auf die verzuckerten Berge blickend. „Ich zweifelt nie daran“, antwortet Tanja. „Gezweifelt hatte ich auch nicht. Es war nur eine Frage wann und wie. Ich bin froh mit den Tuwa die Neujahrswende verbringen zu können“, sage ich. „Ja, das ist ein wunderbarer Gedanke“, antwortet Tanja ebenfalls freudig.

Bereits 1 ½ Stunden später erreichen wir mitten in der Taiga das Camp der Rentiermenschen die sich Tuwa nennen. Bei strahlenden Sonnenschein kommen diejenigen die sich im Camp befinden zusammen und begrüßen uns lachend und offenherzig. Ohne Umschweife helfen alle zusammen, um den Lastwagen zu entladen. Kaum ist die Ladefläche leer begeben sich der Fahrer, sein Freund und der Freund von Shagai auf dem Weg, um unser Feuerholz zu holen. Shagai und der Freund von Tsaya und ein paar andere deren Namen ich noch nicht kenne helfen uns indes die Jurte aufzubauen. Mittlerweile ist die Sonne schon wieder am Untergehen womit die Temperaturen rasch auf minus 30 °C sinken.

Es ist bereits stock finster als die Jurte endlich fertig aufgebaut und die vielen Kisten hineingeschlichtet sind. Tanja und ich versuchen uns in dem Chaos zurechtzufinden. Wir sind hundemüde und funktionieren zu dieser Stunde nur noch mechanisch. Shagai kommt herein, schlichtet ein paar mitgebrachte Holzscheide in den Ofen und bevor wir ihn stoppen können hat er schon Benzin aus dem Kanister für die Motorsäge über das Holz gekippt. Es stinkt sofort unangenehm. Er zündet das nasse Holz an und verlässt die neu aufgebaute Behausung um bei Tsaya etwas zu essen. Es dauert nur wenige Minuten bis das Feuer wieder aus ist. Dann hole ich Rinde und etwas Kleinholz, um es erneut zu entfachen. Schnell greifen die erst jungfräulichen Flammen um sich. Es dauert nicht lange bis es warm wird. Während Tanja versucht die richtigen Küchenboxen zu finden und auszupacken schraube ich den Wandan zusammen. Die Tuwa scheinen uns gegenüber noch scheu zu sein. Keiner von ihnen lässt sich mehr blicken. Sie haben sich alle in ihre Tipis zurückgezogen.

Um 21:00 Uhr liegt neben unserer Behausung ein Berg von schlechtem Holz. „Es gibt kein besseres in der Taiga“, erklärt Tsaya. Später erfahren wir, dass jeder der Taigabewohner in den Wald geht und sich nach Bedarf das Holz selbst holt. Das Theater um Holz wäre also nicht nötig gewesen womit wir uns Geld gespart hätten. Aber was soll’s, somit sind wir fürs Erste versorgt und besitzen mehr Zeit um uns hier einzugewöhnen.

Shagai und Mannschaft verabschieden sich dann von uns. „Ich dachte ihr bleibt über Nacht?“, wundere ich mich. „Zu viel Arbeit den Lastwagen morgen früh wieder in Gang zu bringen“, erklärt Shagai. „Verstehe“, sage ich, reiche ihm seinen Lohn und gebe auch seinem Freund ein Tagesgehalt, der trotz Ankündigung kein Geld zu bekommen geholfen hat. „Tschin setgeleesee bajrlalaa”, („Herzlichen Dank“) sagt er und drückt sich die Scheine freudig lachend an die Stirn. Dann dröhnt der Motor des LKW auf. Die großen Räder knirschen im eisigen Schnee. Nur wenige Sekunden später verschwindet das große Fahrzeug hinter den nadellosen Lärchen und das Motorengeräusch wird von der Taiga verschluckt. Stille die wir schon lange nicht mehr vernommen haben legt sich über die kleine Lichtung. Sie ist so ruhig, das sie in den Ohren zu rauschen scheint. Im Schein unserer Stirnlampen und der einzigen Kerze schlichten wir die Nahrungsmittelkartons unters Wandan. Dann stellen wir den Klapptisch in die Küchenecke, eine Aluminiumbox mit laufender Nahrung daneben. Ich zerre meine Energiebox unter den Holztisch auf der gegenüberliegenden Seite. Stück für Stück und langsam nimmt unser Heim Gesicht an. Bis um 24:00 Uhr räumen und schlichten wir noch. Dann lassen wir uns erschöpft auf unser Hochbett nieder. Durch den Rauchabzug in der Dachkrone blinzeln ein paar Sterne. Eiskristalle flirren durch den Nachthimmel. „Ob sie uns hier akzeptieren?“, frage ich leise. „Bestimmt. Wir werden eine unvergessliche Zeit mit diesen Menschen verbringen“, antwortet Tanja kaum hörbar, dass sich ihre Stimme mit dem Knistern des Feuers in unserem Ofen vermischt.

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