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Schenke ihm fünf Minuten Lächeln

Mongolei/Tsagaan Nuur Camp — 23.12.2011

Wegen dem Hickhack um Feuerholz, vor allem der überhöhten Fahrtkosten, hatten wir eine unruhige Nacht. Trotzdem packen wir stoisch wie ein Ochse unser Heim in Kisten. Ich weiß zwar nicht woher wir die Zuversicht nehmen aber wir gehen ungeachtet der Umstände davon aus bald zu unserem Hauptziel dieser Expedition aufzubrechen. „Tsendmaa wollte doch um 9:30 Uhr vorbeischauen, um uns mitzuteilen wie sich Ayush entschieden hat?“, frage ich Tanja, die einen Teil ihrer Küche gerade in Blechboxen verpackt. „Du weißt doch wie es hier ist.“ „Wie ist es denn hier?“ „Na es gibt keine Zeit“, antwortet sie. „Hm, stimmt. Also bleiben wir mal locker“, versuche ich gelassen auf die verzwickte Situation zu reagieren. Plötzlich fühle ich mich besser. „Was soll’s, dann gehen wir eben später. Wir lassen uns doch nicht unter Druck setzen. Ist wie immer. Da haben wir einen Termin im Kopf der eventuell nichts mit der Realität der Außenwelt zu tun hat und wenn dann irgendetwas dazwischen kommt bekommen wir Menschen schlechte Laune. Dabei ist es nur eine Vorstellung, ein Fiktion, reine Einbildung. Wenn dieses Datum nicht klappt, dann eben ein anderes. Wer weiß wovor uns die erneute Verschiebung des Abreisetermins bewart?“, sage ich und spüre mehr und mehr wie Ayush seinen Preispoker verliert. Ich spüre wie ihm jegliche Macht aus den Händen genommen wird. Denn wenn er auf uns überhaupt Druck ausüben konnte dann nur deswegen weil wir ihn mit unserem eigenen Verhalten dazu ermächtigt haben“, erkläre ich die Situation mir selbst und Tanja. „Sind gute Gedankengänge. Genauso fühle ich es auch. Dann feiern wir Weihnachten und die Jahrswende halt nicht bei den Tuwa. Das werden wir überleben“, gibt sie mir Recht.

Es ist 11:00 Uhr als Tsendmaa in unsere Jurte kommt. „Oh, das sieht ja gar nicht mehr schön bei euch aus. Alles so durcheinander und in Kisten verpackt“, sagt sie freundlich lächelnd und leicht stöhnend auf der Aluminiumbox Platz nehmend. Tsendmaa fragt nach einem Stück Papier und schreibt eine Zahl darauf. „150.000? Heißt das dein alter Herr hat akzeptiert?“, frage ich ungläubig. „Ja. Er muss nur noch mit Jock sprechen. Aber ihr wisst ja wer die Hosen bei uns an hat. Das sollte also kein Problem sein“, verstehen wir ihr Mongolisch. „Na super. Das freut uns sehr. Dann können wir bald aufbrechen“, sage ich.

Kaum hat Tsendmaa unser Heim verlassen taucht Shagai auf. Wir bieten ihm Tee und Gebäck an und berichten davon mit Ayush handelseinig geworden zu sein. „Dann brechen wir heute noch auf?“, möchte er wissen. „Nein, erst muss Jock einverstanden sein. Aber Tsendmaa meint die Sache ist so gut wie entschieden. Ich denke morgen oder übermorgen geht es los. Ich rufe dich an. „Ach Shagai?“ „Ja?“ „Komm bitte alleine. Wir benötigen keine weiteren Männer zur Hilfe. Wir sind genug um alles ab und aufzubauen. Sollten wir noch Hilfe benötigen werden uns die Tuwa in der Taiga unterstützen“, sage ich mit einer Selbstsicherheit und natürlichen Autorität das Shagai ohne zu zögern akzeptiert. Dann stellt er sein Gewehr bei uns unter. „Ich werde es mit in die Taiga nehmen. Ist doch kein Problem es bei euch bis morgen zu lagern?“ „Nein. Ist es geladen?“, frage ich. „Sind keine Kugeln drin“, antwortet er. „Ist ein großes Kaliber. Jagst du damit Bären?“ „Nicht zu dieser Jahreszeit. Da befinden sie sich im Winterschlaf. Aber Eichhörnchen bekomme ich immer wieder vor die Flinte“, erklär er. „Eichhörnchen mit diesem Kaliber? Bleibt da etwas übrig wenn du sie triffst?“, wundere ich mich. „Ich blase ihnen damit den Kopf weg. Dann bleibt das Fell unversehrt“, erklärt er lachend. „Was ist so ein Fell wert?“ „Ach im Regelfall bekomme ich dafür 5.000 Tugrik (2,85 €). „Und was kostet dich eine Patrone?“ „2.500 Tugrik.“ „Na nicht unbedingt ein gutes Geschäft. Warum jagst du nicht mit einem Kleinkaliber? Wäre das nicht viel lukrativer?“ „Schon aber ich habe nur die eine Waffe“, antwortet Shagai, worauf ich mit einem „Ach so“, antworte.

Am Abend ist der Preis des Lastwagens inklusive Gehälter und der extra Holzladung noch immer bei 150.000 Tugrik. „Ich zahle dir 75.000 Tugrik an. Den Rest bekommst du wenn wir wohlbehalten in der Taiga sind“, erkläre ich Ayush. „Ügüj“, („Nein“) ist seine resolute, unumstößliche, sehr präzise formulierte Antwort. „Du zahlst jetzt 150.000 Tugrik. Dafür kaufen wir Öl und Benzin“, verstehe ich. „Was ist wenn dein Lastwagen auf halber Strecke stehen bleibt?“, frage ich vorsichtig. Ayush reagiert mit einem weiteren eindeutigen Schweigen. Obwohl wir nicht immer die besten Erfahrungen mit Vorauszahlungen gemacht haben besitze ich keine andere Chance. Ich zähle Ayush die Scheine in die Hand worauf er mir ein fünfminütiges Lächeln schenkt. Er nimmt das Geld, drückt es sich gegen die Stirn und lässt es in der abschließbaren Schublade neben seinem Holzstuhl verschwinden. Zur Besiegelung dieses Geschäftes drücke ich ihm die Hand. Er sieht mir seit langen Mal wieder freundlich in die Augen. Sein Händedruck ist überraschend fest für sein Alter. Tseden-ish, die nahezu taub ist, sitzt neben ihrem Mann und streckt mir ebenfalls ihre welke Hand entgegen. Ich nehme sie in die meine und bedanke mich auch bei ihr für den glücklichen Geschäftsabschluss. Sie plappert etwas Unverständliches und lächelt ebenfalls. Auch sie, so haben wir in den vergangenen Wochen erfahren, ist dem Geld mehr zugeneigt als es den Anschein macht. „Morgen um 8.00 Uhr geht es los“, sagt Ayus auf Russisch. „Najm tsag“, (8:00 Uhr) antworte ich zur Bestätigung auf Mongolisch. „Tawtaj nojrsooroj“, („Gute Nacht“) verabschiede ich mich. Dann verlasse ich die beiden und laufe über den knirschenden Schnee zu unserer Jurte hinterm Blockhaus.

Um 2:00 Uhr morgens zwingen mich Bauchschmerzen in die bitter kalte Nacht. Im Schein meiner Stirnlampe flimmern Eiskristalle durch die klare Luft. Der Himmel ist wolkenlos und voller und strahlender Sterne. Ein schöner Anblick wenn da nicht meine Bauchschmerzen wären. Ich knirsche über den Schnee zum heruntergekommenen Plumpsklo von Ayush und stelle mich in anstrengender Hockstellung über den Bretterschlitz. Es dauert eine Weile bis sich meine Bauchkrämpfe lösen. Bibbernd eile ich danach wieder in unsere Jurte in der es um diese Zeit auch schon minus 15 °C hat. Schnell schlüpfe ich unter den Schlafsack und atme mich wieder warm. „Klingt nach Durchfall“, sagt eine schläfrige Stimme neben mir. „Ja“, antworte ich knapp. „Schlimm?“ „Geht schon. Aber mein Hoden schmerzt jetzt als hätte ich ihn mir verbrannt. Ich glaube ich war zu lange auf dem windigen Schlitz des Klos gestanden und habe mir etwas erfroren“, antworte ich kleinlaut.

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