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Kein Geld kein Lastwagen

Mongolei/Tsagaan Nuur Camp — 22.12.2011

„Kein Geld kein Lastwagen“, sagt Ayush angesäuert. Mittlerweile hat Saraa ihren Cousin angerufen und ihm erklärt dass sie mit ihm vor Wochen einen Preis von 70.000 Tugrik für die Fahrt vereinbarte. „Habe ich nie gesagt“, streitet er die Summe ab. „Tanja und Denis haben deine Aussage als Kalkulationsgrundlage genommen und dementsprechend Geld von Mörön nach Tsagaan Nuur mitgebracht. Du bringst sie jetzt in Schwierigkeiten. „Dann fahren sie nicht in die Taiga. Das ist doch mir egal. Wenn sie nicht bezahlen sollen sie sich um einen anderen Lastwagen kümmern. Meinen bekommen sie nicht“, antwortet er ihr am Telefon.

Nachdem Saraa uns den negativen Ausgang ihres Telefongespräches mitteilte, überlegen wir Ayush 100.000 Tugrik (57,- €) anzubieten. „Vielleicht geht er auf diesen Kompromiss ein“, sage ich. „Das wird er bestimmt tun“, ist sich Tanja sicher, nimmt das Geld und geht zu Ayushs Blockhütte, um mit ihm direkt zu verhandeln. Es dauert nur 15 Minuten als Tanja Kopf schüttelnd und lachend wieder in die Jurte kommt. „Was ist so lustig? Ist er darauf eingegangen?“, frage ich. „Der spinnt. Ich glaube jetzt ist er völlig verrückt geworden“, sagt sie. „Wie? Jetzt spann mich nicht so auf die Folter.“ „Er möchte jetzt 133.000 Tugrik (76,- €) für die normale Fahrt zu den Tuwa und zusätzlich 40.000 Tugrik (23,- €)um das Holz zu holen, plus 30.000 Tugrik (17,- €) für Gehälter. Der Preis ist also nicht gesunken sondern von 70.000 (40,- €) auf 202.000 Tugrik (116,- €) gestiegen“, antwortet sie.

Trotzig macht sich Tanja auf, um im Dorf jeden Lastwagen den sie sieht zu stoppen und zu fragen ob sie uns in die Taiga bringen. Als sie mindestens fünf Lastwagenfahrer gefragt hat kommt sie enttäuscht zurück. „Keiner möchte in die Taiga fahren. Die Meisten besitzen keinen geländetauglichen Lastwagen oder fahren im Auftrag von irgendjemand“, berichtet sie. „Der Nachbar von Ayush hat doch auch einen Allradlastwagen. Frag ihn doch mal“, schlage ich vor. „Mach ich“, antwortet sie und stapft durch den Schnee davon. Leider ist auch er nicht bereit uns in die Taiga zu bringen. Von Saraa erfahren wir den Grund dafür. „Ayush war 45 Jahre lang Bürgermeister von Tsagaan Nuur. Er besitzt noch immer großen Einfluss. Der Nachbar von ihm möchte es sich unter keinen Umständen mit ihm verderben. Auch andere wollen seinen Zorn nicht auf sich ziehen“, erklärt sie. „Aha, das ist also der Grund. Aber es muss doch jemanden geben der uns zu fairen Preisen fährt“, antworte ich. „Ich bin hier in Mörön 300 Kilometer entfernt von euch. Mir sind die Hände gebunden. Ihr müsst euch selber um einen Transport kümmern. Shagai hat mir allerdings auch von einem weiteren Problem berichtet. Es gibt Firmen die bereit sind für eine einzige Fahrt in die Taiga bis zu einer Million zu bezahlen.“ „Was? Eine Million Tugrik? Für was das denn?“, frage ich entsetzt. „Man hat Jade entdeckt. Sie transportieren diesen Schmuckstein mit den Lastwägen aus der Taiga“, erklärt sie, worauf wir unsere Chancen mit unserer Jurte in die Taiga zu ziehen schwinden sehen.

Es ist bereits dunkel als ich zu Ayush ins Blockhaus gehe und ihm auf Grund der neuen Situation ein weiteres Angebot zu machen. Um jegliches Missverständnis auszuschließen habe ich Saraa am Mobiltelefon, die für mich übersetzt. „Bitte sag ihm das unser letztes Angebot 150.000 Tugrik inklusive allen Kosten ist“, erkläre ich ihr und reiche das Telefon an Ayush weiter. „Was? Mein Preis ist nicht zu hoch! Er ist normal! Für 150.000 Tugrik fahre ich nicht!“, brüllt er Saraa durchs Telefon an. Tsendmaa, die gerade am Ofen sitzt, um für Jack Hundefutter aus Mehl, Wasser und Essensresten zu kochen, gibt mir zu verstehen mit ihrem Adoptivvater in einer ruhigen Minute zu sprechen.

Es ist bereits 21:00 Uhr als Tsendmaa mit einem betrübten Gesicht in unsere Jurte kommt. „Wir müssen bis morgen warten, heute ist mein Vater wegen der ganzen Sache zu aufgeregt. Im Herzen ist er ein guter Mann. Er hat im Laufe seines Lebens aus verschiedenen Provinzen sieben Kinder adoptiert“, erklärt sie uns die Provinzen auf einen Zettel malend.

Uns ist klar, dass es kein Indiz dafür ist ein guter Mensch zu sein nur weil man Kinder adoptiert. Ayush war Politiker. Bewusst hat er aus verschiedenen Provinzen Kinder zu sich genommen, um unter anderen seinen Einfluss zu vergrößern. In der Mongolei gibt es einen Spruch der da heißt umso mehr Leute du kennt desto einflussreicher bist du. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Jeder versucht sein Netz der Kontakte soweit als möglich über das Land zu spannen. Saraa hat fast überall einen Verwandten oder Freund bei dem sie übernachten kann oder der irgendetwas kann oder hat das man zu gegebener Zeit gebrauchen kann. Bei Ayush ist das ähnlich. Seine Kinder sind von früh an gehalten im Betrieb und in der Familie mitzuhelfen. Das ist auch in Ordnung so. Jedoch haben wir das Gefühl das die Adoptivkinder von Tseden-ish und Ayush unter ständigem Druck leben. Es gibt keine Umarmung und soweit wir mitbekommen kein Lob. Sie müssen funktionieren und dürfen nicht alleine entscheiden. Sie sind auf Abhängigkeit konditioniert. Die 28 jährige Bauingenieurin Tsendmaa sitzt nun betrübt neben uns und malt verlegen und wortkarg Strichmännchen in ein Heft. Wir sind gespannt was der morgige Tag bringt und fragen uns wie wir diese kniffelige Situation lösen können?

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