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Kein Holz zum Heizen

Mongolei/Tsagaan Nuur Camp — 08.12.2011 - 14.12.2011

Wir sitzen gerade beim Frühstücken als wir lautes Schreien durch Ayush Holzwände in unsere Jurte dringen hören. Der Grund dafür ist ein Streit zwischen Ayush und seiner 28 jährigen Adoptivtochter Tsendmaa. Sie möchte für zehn Tage nach Mörön fahren, um dort eine Ausbildung als Radiomoderatorin zu bekommen. Tsendmaa, die eine studierte Bauingenieurin ist und an der Universität auch noch einen Abschluss in Japanisch hat, hielt es in der von Luftverschmutzung geplagten Hauptstadt Ulan Bator nicht mehr aus und ist vor kurzem wieder nach Tsagaan Nuur zu ihren Adoptiveltern gezogen. „Ich möchte nie mehr in Ulan Bator leben“, erzählt sie. Jetzt wohnt sie hier und kümmert sich um ihre Eltern, die Kühe, den Haushalt, schleppt täglich Trinkwasser vom See zum Blockhaus und verübt Männerarbeiten wie Holzhacken. Da Ayush besitzergreifend ist, möchte er sie nun nicht wieder ziehen lassen und sei es nur für zehn Tage. „Hoffentlich kann sie sich gegen den alten Grieskram durchsetzten“, sagt Tanja. „Ich hoffe es auch für sie. Aber es ist für die alten Leute auch schwer sich alleine zu versorgen“, überlege ich.

Um unsere Lebensmittel für unseren Aufenthalt in der Wildnis weiter aufzustocken und Ayush ein Geschäft zu geben kaufen wir in seinem kleinen Laden fünf Kg Zucker, fünf Kg Mehl und eine großes fettes Hinterbein einer Kuh, die Tsendmaa vor kurzem geschlachtet hat, ab. Immer wenn wir etwas bei ihm erstehen bringt er es tatsächlich fertig zu lächeln. Geld scheint das Einzige zu sein was ihn für wenige Augenblicke glücklich macht.

Weil unser Holzvorrat nun auf wenige Tage geschrumpft ist und Tsendmaa sich durchsetzen konnte für ihre weitere Ausbildung nach Mörön zu fahren, muss ich das leidige Thema mit Ayush direkt besprechen. Wegen seiner negativen Präsents fällt es mir nicht leicht ihn erneut darauf hinzuweisen. Noch dazu kommt seine Scherhörigkeit. Um Missverständnisse zu umgehen rufe ich Saraa auf dem Handy an. „Wir haben noch immer kein Feuerholz. Kannst du bitte deinen Cousin Ayush fragen wann er Holznachschub bekomm? Es ist mittlerweile extrem kalt hier und da der alte Geizkragen sauer wird wenn ich mich an seinem Holz bediene müssen wir das jetzt unbedingt klären. Mittlerweile zieht sich dieses Thema schon seit über einem Monat hin“, erkläre ich. „Mach dir keine Sorgen. Ich werde ihn anrufen und erneut die Situation darstellen“, beruhigt sie mich.

Am nächsten Morgen hat Ayush tatsächlich einen kleinen Schlitten voller Holz vor meinen Hackstock gezogen. Im ersten Augenblick bin ich über den Anblick erfreut, dann aber bemerke ich, dass er das Holz vom auf dem im Hof stehenden russischen Lastwagen genommen hat. Es ist der Rest unseres eigenen Vorrats, der sich noch auf der Ladefläche befand. Der Hammer ist aber, dass er die andere Hälfte des Restes auf seinen eigenen Holzvorrat geschlichtet hat. Kopfschüttelnd gehe ich in die Jurte und berichte Tanja. „Du glaubst es nicht was geschehen ist?“ „Na hoffentlich nichts Schlimmes?“ „Nein, nein, nichts Schlimmes. Ayush, der alte Geizkragen, hat uns unser eigenes Holz geschenkt und den Rest vom Lastwagen einfach auf seinen Haufen geschlichtet.“ „Armer alter Mann. Wenn man so drauf ist wie er kann das Leben keine Freude mehr bereiten“, antwortet Tanja

Am kommenden Tag versuche ich erneut Saraa telefonisch zu erreichen, allerdings ohne Erfolg. „Vielleicht sollte ich nachts, wenn alle schlafen, etwas Holz von Ayush seinem großen Holzhaufen klauen? Das würde uns ein wenig Luft verschaffen. Irgendwie brauchen wir jetzt Brennmaterial“, überlege ich laut. „Meinst du er wird es bemerken?“, fragt Tanja. „Ach was. Sein Holzhaufen ist 2 ½ Meter hoch und mindestens fünf Meter lang. Das merkt er nie. Aber unser eigener Vorrat hält noch zwei Tage, dann sitzen wir hier im Kalten. Heute Abend mache ich noch meinen Hackstock zu Kleinholz. Das verschafft und noch ein paar Stunden Wärme. Aber dann ist Schicht im Ofen“, sage ich.

Tage später erreiche ich Saraa. „Sorry, ich konnte nicht ans Telefon gehen. Ich war tagelang krank. Habe in einem Restaurant gegessen und danach ging es los“, entschuldigt sie sich. „Aber Saraa. Du hast Gelbsucht. Du kannst auf keinem Fall in einem Restaurant essen gehen. Du weist doch das dass mongolisch Essen immer sehr fett ist. Vor allem im Restaurant“, erinnere ich sie. „Ich weiß Denis. Aber es war ein Geschäftsessen. Ich dachte einfach nicht daran. Werde es nicht wiederholen. Habt ihr nun Holz bekommen?“, wechselt sie das Thema. „Nein, noch immer nicht. Morgen ist es bei uns kalt.“ „Sorry, ich habe vergessen Ayush anzurufen. Ich werde es gleich tun.“

Später poltert der Adoptivsohn von Ayush Jock in unsere Jurte. „Übermorgen werde ich euer Holz holen. Erstmal muss ich aber den Lastwagen reparieren“, verstehen wir sein Mongolisch. Wir bieten ihm, wie es der Brauch verlangt, Tee und etwas Gebäck an. Jock beäugt jeden unserer Einrichtungsgegenstände, schnappt sich die Thermoskanne um die Qualität zu prüfen, nimmt mein Messer und lobt die Schärfe, läuft mit seinen schmutzigen Schuhen auf unseren Teppichboden neben dem Wandan usw. Auch wenn andere Besucher ohne anzuklopfen in unser Heim dringen, Tee trinken und Gebäck essen und ihre Augen neugierig über unsere Einrichtung gleiten lassen, ist Jock ein besonderer Fall. Immer wenn er uns jetzt besucht, und das ist mehrfach am Tag, nimmt er die Streichholzschachtel vom Tisch, holt sich ein Zündhölzchen heraus, um damit in den Ohren oder zwischen seinen Zähnen herumzupulen. Dann spuckt er das angefaserte Hölzchen auf den Boden. Wenn er alsdann ohne einen Gruß zu verrichten aus der Jurte stürmt ist der Boden schmutzig. Jock ist kein schlechter Mensch aber ein echter Rüpel. Anscheinend hatte Ayush während der Erziehung keine Zeit um seinen Adoptivsohn Manieren beizubringen.

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Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.