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Rückendeckung

Mongolei/Tsagaan Nuur Camp — 05.12.2011

Tanja ist wie bald jeden Tag unterwegs um die noch fehlenden Lebensmittel für die Überwinterung einzukaufen. Da der Transport von Mörön nach Tsagaan Nuur teuer ist haben wir Mehl, Nudel, Reis und Fleisch nicht mitgebracht. Diese Grundnahrungsmittel muss Tanja jetzt mühsam heranschleppen. Heute ist sie mit Tsendmaa unterwegs. Bevor sie die Jurte erreicht ruft sie mich kurz auf dem Handy an. „Sind in zehn Minuten da. Wenn du möchtest kannst du uns entgegenkommen und ziehen helfen“, sagt sie. „Ich eile“, antworte ich, ziehe zwei Wolljacken und eine Windstopperjacke über, schlüpfe in meine warmen mongolischen Filzschuhe und trete in die Kälte. Von weitem sehe ich wie Tanja und Tsendmaa einen klapprigen, uralten einachsigen Handwagen über das Schneefeld zerren. „Warum habt ihr denn gleich 50 Kg Mehl gekauft? Ein Sack ist doch schwer genug?“, frage ich Tanja beim Ziehen ablösend. „Tsendmaas Familie braucht auch Mehl“, antwortet Tanja. Als wir den Mehlsack über die Schwelle der Jurtentür tragen und unter dem Klapptisch stellen, den wir in dem Möbelhaus von Mörön erstanden haben, überlegen wir wie viel Mehl wir in die Taiga mitnehmen sollten. „Ich denke 50 Kg dürften fürs Erste genügen. Es fährt ja immer wieder mal ein Allradfahrzeug zu den Tuwa. Tsaya hat gesagt das es auf diesem Weg kein großes Problem ist Nachschub zu erhalten“, meint Tanja.

Nachmittags bekommen wir wieder Besuch von Dalai und Shagai. Wie immer bei solchen Besuchen bieten wir Tee und Gebäck an. Wir unterhalten uns lange über alles und nichts bis man endlich auf den eigentlichen Grund des Besuches kommt. Über einige galante Umwege berichtet Shagai von wertvollen Steinen die sie in der Taiga finden. Wir verkaufen die Steine an die Chinesen. Die sind ganz scharf darauf. Für ein Kg bekommen wir zwischen 50.000 (33- €)und 60.000 Tugrik (34,- €)“. „Um welchen Stein handelt es sich denn?“, frage ich. „Grüne Jade“, antwortet Shagai mit glänzenden Augen. Ich beginne zu verstehen denn Jade wird bereits seit der Jungsteinzeit zu Kleinplastiken, Waffen und Schmuck verarbeitet. Häufig dienten diese Gegenstände als Grabbeigaben. Chinesen und Japanern schätzte Jade seit alters her als kostbarster aller Steine. Vasen, Schalen, Tafeln und Statuen wurden daraus geschnitzt wovon heute viele Museumsstücke sind. Auch jetzt ist weiße und grüne Jade ein äußerst beliebter Schmuckstein in China und ihre Bearbeitung gehört zum wichtigsten Zweig des chinesischen Kunsthandwerks.

„Und warum erzählst du uns das?“, frage ich nach einer Gedankenpause. „Wir wollen uns am 15. Dezember auf die Suche machen.“ „Wer sind wir?“ „Acht Tuwamänner“ „Mitten im Winter? Ist das wegen dem Schnee nicht schwierig?“ „Bisher hat es noch nicht viel geschneit. Es ist also kein Problem die Steine zu finden“, antwortet er. Da wir am 15. aufbrechen wollten beraten Tanja und ich eine Weile und kommen zu dem Schluss dass es auf ein paar Tage hin oder her auch nicht ankommt. „Wann seid ihr wieder zurück?“, möchte ich wissen. „Am 22. Dezember.“ „Dann können wir am 23. Dezember aufbrechen?“ „Ja. Auf jeden Fall“, freut sich Shagai über unser Verständnis.

Nachdem Shagai und Dalai gegangen sind rufe ich Saraa an. „Und? Hast du den Bürgermeister erreicht?“, frage ich aufgeregt. „Ja. Und ich bringe gute Neuigkeiten. Ich habe ihn persönlich aufgesucht und sofort eine Audienz bekommen. Er hörte mir sehr interessiert zu und am Ende des Gespräches hat sofort die Bürgermeisterin von Tsagaan Nuur angerufen. Er erklärte ihr alles und bat um Unterstützung für euch. Die Bürgermeisterin sagte ihm die Unterstützung zu. Ihr braucht euch also keine Gedanken mehr zu machen. Ihr habt von hoher Stelle Rückendeckung“, erzählt Saraa freudig erregt. „Das heißt nun sind die Tuwa und die Bürgermeisterin einverstanden. Das ist fantastisch. Jetzt kann uns nichts mehr aufhalten. Vielen Dank für deinen Einsatz“, sage ich bester Stimmung.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.