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Von Schamanen verhext

Mongolei/Tsagaan Nuur Camp — 17.11.2011 - 25.11.2011

Gegen Mittag erreichen wir das einstöckige, stattliche Haus der Tsataan im Ort. Eine junge, agile Frau begrüßt uns und bittet uns in das große Holzhaus. „Setzt euch doch bitte“, sagt sie auf zwei Schemel deutend. Es dauert nur wenige Augenblicke bis wir die Sympathie auf beiden Seiten verspüren. Wir erzählen Tsaya unseren seit Jahren gehegten Wunsch einen Winter mit den Rentiernomaden zu verbringen. Worauf sie uns kurz über ihre Leben berichtet.

„Nachdem ich von Amerika zurückgekommen bin bekam ich ein Angebot hier das Besucherzentrum der Tuwa mit aufzubauen. Zwei Jahre hat es gedauert und es bereitete mir große Freude. Dann aber war der Job zu Ende. Es gab dann noch eine Möglichkeit einige Zeit bei einer Tuwafamilie zu leben. Ich nahm sie gerne an und verliebte mich in einen von ihnen. Jetzt lebe ich seit vier Jahren mit ihm in der Taiga und bin der glücklichste Mensch der Welt. Meine Familie kann mich nicht verstehen. Keiner kann verstehen warum ich den Luxus und das Stadtleben mit dem Leben in der Taiga getauscht habe. Es gab sogar Zeitungen die auf der Titelseite über mich schrieben. „Junge Mongolin von Schamanen verhext“, hieß es da. Das ist es was viele glauben. Aber das ich hier aus freien Stücken bin ist für Städter nicht nachvollziehbar“, erzählt sie. „Nun, es ist für einen Stadtmenschen auch schwer denkbar ohne Luxus zu leben. Vor allem auf Dauer. Vermisst du ihn nie? Auch wenn ich gerne das einfache Leben lebe verspüre ich schon ab und an den Wunsch heiß zu duschen oder meine Leibspeise zu essen. Nach acht Jahren Amerika, hast du da niemals das Verlangen danach? interessiert es mich. „Nein. Ich bin in der Taiga glücklich. Ich jage gerne und genieße die Ruhe und die fantastische Luft. In einer Stadt wie Ulan Bator möchte ich nicht mehr wohnen. Viel zu viel Stress und furchtbare Luft. Dort werden die Menschen krank“, antwortet sie.

„Wir können dich sehr gut verstehen. Seit 1991 sind wir nun schon unterwegs. Nur ab und an in Deutschland, um eine weitere Reise oder Expedition zu organisieren. Das ist auch der Grund warum wir jetzt bei euch leben wollen. Nicht als Touristen, sondern wir möchte soweit als möglich das Leben mit euch teilen. Meinst du deine Sippe hat etwas dagegen?“ „Ich denke nicht. Aber es macht Sinn uns vorher einen Besuch abzustatten. Dann könnt ihr euch persönlich vorstellen und erzählen warum ihr bei uns so lange bleiben wollt“, schlägt sie vor. „Ist eine gut Idee aber leider macht uns jetzt eure Bürgermeisterin Schwierigkeiten. Wir dürfen keine Jurte bei euch aufbauen.“ „So ein Schmarren. Wir haben nichts dagegen wenn ihr in einer Jurte lebt. Das hat sie doch überhaupt nicht zu bestimmen“, hören wir erleichtert. „Die Bürgermeisterin hat uns gewarnt, dass ihr viel Geld verlangt. Stimmt das?“ fragt Tanja. „Die Bürgermeisterin ist eine dumme Kuh und nicht beliebt. Außerdem ist sie es die scharf aufs Geld ist. Die Regierung verkauft an die Touristen Tickets. Das wollen die Tuwa gar nicht, denn das Geld bleibt bei der Regierung oder wo auch immer. Wir sehen davon keinen einzigen Tugrik. Abgesehen davon sind wir doch keine Tiere im Zoo für die man sich ein Ticket kauft, um sie dann nach Belieben abfotografieren zu können. Die Gelder aller Touristikunternehmen, die Menschen zu uns bringen, gehen komplett an uns vorbei. Die einzige Einnahme der Tuwa sind die Kunstartikel die wir aus den Rentiergeweihen schnitzen und an die Touristen verkaufen. Die wiederum haben aber kein Geld einstecken oder wollen alles für einen Dollar haben. Es liegt nach wie vor vieles im Argen“, erklärt sie uns.

„Wir sind übrigens keine Tsataan wie uns die Mongolen nennen. Das kommt von dem Wort tsaa was übersetzt Rentier heißt. Tsataan bedeutet nichts anderes als Rentierhirte. Das klingt für uns etwas abfällig. Wir besitzen zwar Rentiere und sind Nomaden aber unser Name ist nicht Rentierhirte. Das wollen wir nicht. Wir sind vom Volk der Tuwa. Tuwa ist eine Region in Russland aus der wir ursprünglich kommen. Nach dieser Region ist unser Volk benannt und deswegen heißen wir Tuwa, erklärt uns Tsaya.

„Wann ist ein guter Zeitpunkt euch zu besuchen?“, frage ich. „Im Augenblick ist es ungünstige. Zurzeit leben im Camp nur alte Frauen und ein paar Männer. Die Meisten sind auf der Jagd. Aber in zehn Tagen kommen die Jäger zurück. Dann wäre es gut“, erklärt sie. „Wir haben gehört, dass viele Familien mit ihren Kindern im Ort leben. Stimmt das?“, frage ich. „Ja das stimmt. Wegen der Schule müssen sie die ersten Jahre nach Tsagaan Nuur. Wenn die Kinder älter sind gehen aber viele Frauen wieder in die Taiga zu ihren Herden zurück. Da fühlen sie sich am wohlsten.

„Sollen wir ein paar Gastgeschenke mitbringen?“, fragt Tanja. „Das wäre schön. Wir brauchen Seile, um unsere Rentiere anzubinden, Tee, Tabak und etwas zum Naschen. Darüber würden wir uns sehr freuen“, antwortet Tsaya lachend. „Wir freuen uns darauf euch zu besuchen. Jetzt müssen wir nur noch das Problem mit den zwei Bürgermeisterinnen aus der Welt schaffen. Keine Ahnung wie wir das anstellen sollen“, meine ich nachdenklich. „Das lass mal unsere Sorge sein“, entgegnet Tsaya freundlich. „Übrigens haben wir von Shagai schon vor Wochen von euch gehört. Er hat euch angekündigt als würden uns Königin und König eine Audienz geben. Schön mit ganz normalen Menschen zu sprechen“, sagt sie.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
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Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.