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Nicht mal Zeit für ein Gespräch

Mongolei/Tsagaan Nuur Camp — 14.11.2011 - 15.12.2011

Schon um 6:00 Uhr morgens ist Bilgee in Mörön angekommen. „Ich warte hier auf eine Mitfahrgelegenheit nach Erdenet. So wie es aussieht geht es erst morgen weiter“, gibt er uns kurz Bescheid. Dann rufe ich Saraa an, um nachzufragen ob Tulgaa mittlerweile mit unseren Pferden in Mörön angekommen ist. „Nein noch nicht. Gestern hatte er sich kurz gemeldet und davon berichtet Khatgal erreicht zu haben.“ „Er ist erst in Khatgal? Dann liegen ja noch mindestens 100 Kilometer vor ihm. Ist alles klar? Geht es ihm gut?“, frage ich verwundert, weil er schon seit acht Tagen unterwegs ist und insgesamt nur drei Tage brauchen wollte. „Ihm geht es gut. Aber er hat Schwierigkeiten mit Sharga und Bor. Sie sind sehr langsam“, antwortet Saraa. „Ja das weiß ich. Sie waren schon vom ersten Tag an langsam. Irgendeiner von uns musste sie ständig treiben. Na ja, ist egal wie lange er braucht, Hauptsache er kommt mit unseren Tieren unversehrt an“, schließe ich das Telefonat.

Am späten Nachmittag kommt Saraas Freundin Tsaya, die acht Jahre in Amerika gelebt und studiert hat, mit einem amerikanischen Journalisten bei uns vorbeigefahren. Sie sind auf dem Weg zu den Tsataans. Der Journalist schreibt für National Geographik einen Artikel über Schamanismus. Da beim Volk der Tuwa, die von den Mongolen Tsataans genannt werden, der Schamanismus stark verbreitet ist, möchte der Amerikaner einige von ihnen zu dem Thema interviewen. „Kommt doch rein und trinkt eine Tasse Tee mit uns“, lädt Tanja die kleine Reisegruppe in unsere Jurte ein. „Wir haben keine Zeit. Jeff muss in vier Tagen schon wieder in Ulan Bator sein, um sein Flugzeug in die Staaten zu erwischen“, entschuldigt sich Tsaya in akzentfreiem Amerikanisch. Sie reicht schnell ein Paket, welches Saraa für uns mitgeschickt hat und düst schon wieder fort. „Erinnert mich an Europa. Die Menschen sind alle gestresst. Nicht mal Zeit für ein Gespräch. Wenn der Amerikaner nur eine Nacht und einen Tag bei den Tsataan verbringt wird es nicht einfach sein einen gut recherchierten Artikel zu verfassen. Aber Zeit ist Geld und darunter leidet nicht selten die Qualität“, sage ich. Da uns Saraa erzählt hat das Tsaya seit vier Jahren mit einem Mann der Tuwa zusammenlebt, fragen wir uns ob sie in einem Tipi in der Taiga wohnt oder mit ihrem Lebensgefährten ein modernes Leben in der Stadt teilt? „Vielleicht haben wir mal die Gelegenheit mit ihr zu sprechen? Das wäre bestimmt interessant“, überlegt Tanja. „Wenn wir mit den Tsataan in der Taiga leben werden wir dazu bestimmt genug Möglichkeiten bekommen.“, antworte ich das Päckchen aufmachend.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.