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Wandan, Kettensäge und Holzvorrat

Mongolei/Tsagaan Nuur Camp — 07.11.2011 - 10.11.2011

Wie auch schon zu Beginn unserer Reise in Erdenet, dann in Mörön für die Etappe bis Tsagaan Nuur und jetzt für die Überwinterung, laufen die Vorbereitungen wieder auf Hochtouren. Wir sind jeden Tag von morgens bis abends beschäftigt. Tanja und Bilgee nähen eine Filzmatte, um die bemalte Holztür der Jurte damit zu benageln. Bei den jetzigen Temperaturen von minus 25 °C bis minus 35 °C frisst sich die Kälte durch die Holztür. Sie wirkt fast so als hätten wir ein Fenster offen gelassen. Bilgee nimmt es auch bei den Näharbeiten sehr genau und bringt Tanja bei wie man solch eine Türabdichtung professionell anfertigt.

Da wir nun unsere erste Lastwagenladung Brennholz für den Winter bekommen haben, benötigen wir Benzin und Öl für die Motorssäge, um die Baumstämme zu zersägen. „Bisch maslo („Kein Öl“). Es ist im ganzen Ort nicht zu bekommen“, sagt Bilgee als er von der kleinen Tankstelle der Siedlung zurückkommt. „Ohne Öl läuft die Motorsäge nicht. Was machen wir jetzt?“, frage ich. „Ich werde mich bei den Bewohnern erkundigen.“ „Bei den Bewohnern? Meinst du da hat jemand Motoröl?“, wundere ich mich. „Ganz gewiss. Ich frage mindestens fünf Menschen. Einer wird mir Öl verkaufen“, ist sich Bilgee sicher. Eine Stunde später tritt er mit einem breiten Grinsen in die Jurte und streckt mir eine Bierflasche entgegen in der ein halber Liter Öl herumschwappt. Wieder beweist Bilgee das in der Mongolei alles möglich ist. Auch das vermeintlich Unmögliche wird irgendwie auf irgendeinem Weg möglich gemacht. Wir beginnen sofort damit die Säge in Gang zu bringen. Aber wie soll es anders sein? Ohne Erfolg. Erst springt sie nicht an und dann bleibt das Kettenblatt sofort stehen wenn wir einen Stamm sägen wollen. „Ist eine chinesische Säge. Die muss erst einen kompletten Tank im Leerlauf rattern. Dann läuft sich der Kolben ein und wir können sie einsetzen“, erklärt Bilgee zuversichtlich.

Nachdem die Kettensäge einen vollen Tank lang vor sich hingeknattert hat können wir am folgenden Tag tatsächlich mit der Arbeit beginnen. Bilgee spuckt sich in die Hände und macht sich ans Werk, während Tanja und ich zum Bürgermeisteramt laufen, um uns vorzustellen. „Die Bürgermeisterin ist heute nicht da“, wird sie von einem kleinen Mann entschuldigt. „Aber bitte setzen sie sich“, lädt er uns ein in einem beheizten Räumchen Platz zu nehmen. Da er nur Mongolisch spricht ist unsere Kommunikation enorm begrenzt. Zumindest finden wir heraus, dass dieser Mann der zweite Bürgermeister von Tsagaan Nuur ist. Nachdem wir so gut es uns möglich ist erklären warum wir hier sind, schlägt er uns vor morgen wiederzukommen. „Tschin setgeleesee bajrlalaa”, („Herzlichen Dank“) sagen wir und verabschieden uns.

Am Abend hat Bilgee es fertig gebracht nahezu die gesamte Holzladung klein zu sägen. „Man Bilgee, du bist ja eine richtige Arbeitsmaschine“, lobe ich lachend. Dann flüchten wir vor der Kälte in unsere Jurte. „Hast du Lust auf ein Schachspiel?“, fragt er mich. „Gerne. Aber ich habe schon Jahre nicht mehr gespielt. Bin mit Sicherheit kein guter Gegner. Woher hast du eigentlich das Schachspiel?“, möchte ich wissen. „Von Ayush.“ „Ayush spielt Schach?“, wundere ich mich. „Er ist ein leidenschaftlicher Schachspieler. Dieses Brettspiel ist gut, um die langen Tage und Nächte des Winters zu verkürzen“, erklärt Bilgee. Unsere erste Partie dauert nicht lange. Bilgee hat mich gnadenlos geschlagen. Das zweite Spiel dauert etwas länger aber trotzdem bin ich nach eineinhalb Stunden Schachmatt. „Gibt es eigentlich etwas was du nicht kannst?“, frage ich ihn worauf er herzhaft lacht. Ich kann doch nahezu nichts“, antwortet er wie immer bescheiden.

Am nächsten Tag zeigt mir Bilgee den Umgang mit der Motorsäge. Da ich schon von schrecklichen Verletzungen gehört habe besitze ich ehrlich gesagt einen Heidenrespekt davor. Aber wenn wir in der Taiga einen Winter überleben wollen gehört der sichere Umgang einer Kettensäge und Axt zum täglichen Leben. Es dauert nicht lange bis ich die ersten Baumstämme zersägt habe. Dann mache ich mich ans Holzhacken, um einen Vorrat für heute Nacht in die Jurte zu tragen.

Bilgee hat inzwischen die Nuten in die drei Holzstämme geschlagen. Wir schleppen die sechs Holzfüße und drei Stämme in die Jurte und stecken die Verzapfung der Füße in die Nuten der Balken. Dann sägen wir Bretter passend zurecht, die wir quer über die Balken legen. Damit die Konstruktion unseres Hochbetts nicht umfällt, verschraube ich die Bretter mit den Balken. „Ein Akkuschrauber wäre eine feine Sache“, sage ich, weil sich schon nach kurzer Zeit eine Blase im Handballen bemerkbar macht. „Warum nagelst du die Bretter nicht auf die Balken. Das wäre doch viel leichter?“, fragt Tanja. „Wenn wir in ein paar Wochen die Jurte und auch den Wandan abbauen, um bei den Tsataans alles wieder aufzubauen, sind Schrauben besser. Kann man einfacher zerlegen“, erkläre ich und gebe auf jede Schraube einen Tropfen Öl, um mir die Arbeit zu erleichtern.

Am Abend ist unser Hochbett fertig. Wir legen einen Teppich darauf und schneiden ihn passend zu. Dann breiten wir eine große Filzdecke darüber, die Bilgee unter der Mithilfe von Tsendmaa und Tanja ebenfalls extra für den Wandan genäht haben, und rollen unsere Isomatten aus. „Perfekt, einfach perfekt“, freut sich Tanja über unser Bett. „Baihgui hujten“, (Nicht mehr kalt“) sagt Bilgee ebenfalls heiter. „Heute werde ich in der Baishin (Blockhaus) schlafen“, sagt er dann kurzentschlossen. Obwohl wir nicht wollen dass Bilgee jetzt schlagartig auszieht, lässt er sich nicht davon abbringen in der Baishin zu schlafen. „Ich kann es verstehen. Das Wandan ist jetzt ein richtiges Bett und es wäre eigenartig wenn Bilgee mit in unserer Bettstatt schläft. Und wer weiß? Vielleicht ist er nach drei Monaten auch mal froh seine Ruhe zu haben. Drüben im Blockhaus kann er sich frei bewegen“, sage ich. „Von dieser Seite habe ich das noch gar nicht betrachtet. Da hast du bestimmt Recht“, antwortet Tanja.

Wir sind nun alleine in unserer Jurte. Tanja hat Fisch gekauft den ich zubereite. Bilgee kommt später und wir essen gemeinsam. Dann schlafen wir das erste Mal alleine in unserer Jurte auf dem Wandan. Es ist wunderbar. Vor allem kann uns die Kälte des Bodens nichts mehr anhaben.

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