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Ankunft im Land der Wölfe

Mongolei/Chuvsgul Nuur Camp — 26.10.2011

Vor vier Tagen, am 01.12.2011, hat die Harddisk unseres Laptops den Geist aufgegeben. Wir vermuten es war zu kalt als ich den Laptop startete. Das ist für eine Liveberichterstattung natürlich der Supergau und für mich ein Schock. Vor allem wenn man sich in der Taiga befindet. Trotz regelmäßigen Backups sind 12 Tage Kurzaufzeichnungen und die Bildunterschriften von 1.800 Bildern erstmal verloren. Einen Tag haben wir mit allen möglichen Mitteln versucht die Harddisk zum Laufen zu bringen. Ohne Erfolg. Dann richtete ich Tanjas Notebook soweit ein, um damit weiterzumachen. Als ich die externe Backupfestplatte mit allen Daten anschließen wollte, zeigte diese nicht die geringste Reaktion. Das Ganze bei momentanen Tiefsttemperaturen von minus 33 °C. Puhh, so etwas wünscht man sich nicht mal in einem Land in dem man überall Computerspezialisten zu Hand hat. Nun, mittlerweile läuft der Ersatzrechner und die externe Festplatte hat sich entschieden zu funktionieren. Das heißt, ihr könnt uns jetzt wieder mit einigem Zeitversatz live begleiten. Alle Texte die ich verfasse kommen zeitgleich ins Netzt. Wir hoffen ihr bleibt uns treu. Viel Freude beim Miterleben und Mitfühlen unserer Abenteuer.

Sonnige Grüße aus der eisigen Taiga

Denis & Tanja

Ankunft im Land der Wölfe

„Sieht aus wie in einer Schneeburg. Alles Eis um uns herum“, raunt Tanja durch die Daunen ihres Schlafsacks. „Hm, das ist unser Atem der an der Zeltwand kondensiert und Eiskristalle bildet“, antworte ich. Wir verspüren beide nicht die geringste Lust aus den warmen Schlafsäcken zu schlüpfen und von der Kälte des Morgens empfangen zu werden. „Du solltest das mal filmen“, sagt Tanja. „Hm, antworte ich mich ein wenig sträubend weil ich dazu nicht die geringste Lust verspüre. Trotzdem öffne ich den Reißverschluss meines Schlafsackes und greife die Kameratasche, um den Camcorder herauszuholen. Wegen der Kälte kann ich den Verschluss nur unter großer Anstrengung öffnen. Kaum habe ich die Videokamera in der Hand beschlägt das Objektiv. Ich reibe es mehrfach sauber und schalte sie an. „Nicht zu fassen. Batteriestand null Minuten. Gestern waren es noch 300 Minuten. Bei den Temperaturen brechen die Lithium Akkus zusammen. Keine Chance die Kamera zu benutzen“, sage ich enttäuscht und stecke sie wieder weg. Jetzt schon Mal aus der Daunenhülle heraus ziehen wir unsere Schlafsachen aus und schlüpfen in die dicke Winterkleidung. Beim Berühren des Ablagenetzes über uns rieseln Eiskristalle auf uns herab. Wie Schnee bedecken sie Kleidung und Ausrüstung. Wegen der Kälte tauen sie natürlich nicht auf also wird auch nichts nass. Wir schütteln sie einfach runter und später kehre ich vier Hände voll Eis aus dem Zelt.

Draußen hat es um 9:30 Uhr noch immer minus 10 °C. Der schauderhafte Wind von gestern Abend bläst uns nach wie vor um die Nase. „Oglooniimend!, (Guten Morgen) Bilgee. Hast du heute Nacht gefroren?“, frage ich besorgt. „Baihgui hujten, (Nicht kalt) Eure Wärmflasche hat mir geholfen“, lacht er.

Umringt von einer neugierigen Pferdeherde packen wir unser Lager auf die Rücken unserer Tiere. Es ist 12:50 Uhr als wir in die Sättel steigen. Diesmal schiebe ich unseren späten Aufbruch der Kälte zu. Mit steifen Gliedern arbeitet es sich einfach langsamer. Es fühlt sich etwa so an als würde das Schmieröl in den Gelenken fehlen.

„Tschu! Tschu! Tschuuu!“, treiben wir unsere Pferde über das weite Tal in Richtung Khatgal. Mittlerweile hat sich der Wind gelegt und mit ca. plus 8 °C ist es überraschend warm geworden. Ich genieße die Leere in meinem Gehirn. Es ist einfach wunderbar mal an nichts zu denken. Einfach nur sein und sich im Sattel meines Pferdes tragen lassen. Das Leben hier draußen ist einfacher gestrickt. Man muss mit seinen Gedanken nicht an verschiedenen Aufgaben gleichzeitig sein. Kein Multitasking ist hier gefragt. Ich kann meine Gedanken auf eine einzige Tätigkeit lenken und bin wegen chronischen Zeitmangels nicht gezwungen mehrere Prozesse gleichzeitig zu durchdenken. In Deutschland habe ich manchmal das Gefühl meine 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn schwer überzustrapazieren. 10 bis 16 Stunden Arbeit am Tag sind die Regel. Eine Expeditionsvorbereitung, plus die Finanzierung, zuzüglich der Herausforderungen des Alltags, sind umfassend. Immer wenn der Stress zu groß wird wünsche ich mich raus in die Wildnis. Wünsche ich mir ein einfaches Leben. Ein Leben in dem man die Gedanken fließen lassen kann. Oder es sich wie jetzt erlauben kann keinen besonderen Gedanken nachzuhängen und die Leere zu genießen.

Urplötzlich reißt mich das sich abrupt straffende Führungsseil der Packpferdes aus meiner Liturgie. Sharga ist unvermittelt stehen geblieben. Ehe ich mich versehe schlägt das Seil eine Schlinge, die sich um meinen Mittelfinger legt. Noch bevor ich Sars Trab stoppen kann zischt das Seil vollends durch meine Hand und reißt mir den Handschuh herunter. Sharga und Bor sind frei und laufen langsam hinter mir her. Der Handschuh liegt auf dem Boden. Gott sei Dank ohne meinen Mittelfinger darin. Der ist noch an meiner Hand. „Puh Glück gehabt“, stöhne ich mir den verstauchten Finger reibend. Da habe ich den Mund schön voll genommen. Dachte ich hier kann man sich die Gedankenlosigkeit erlauben. Und siehe da, einen Moment nicht bei der Sache, kann einen Finger kosten. „Denis was machst du denn? Du darfst doch niemals das Zugseil um deine Hand wickeln?“, ermahnt mich Tanja als sie meinen Handschuh am Boden liegen sieht. „Habe ich auch nicht. Es hat sich einfach darum geschlungen als der Beißer da meinte plötzlich stehen bleiben zu müssen“, rechtfertige ich mich.

Am Khuvsgul Nuur einer der schönst gelegenen Seen der Erde

Wir erreichen das südlich vom Khuvsgul Nuur liegende hübsche Blockhüttendorf Khatgal. Es wurde bereits 1727 von Mandschu-Soldaten als letzte Verteidigungsbastion vor Russland gegründet. Unter Fürst Nurhaci, der zwischen 1559 und 1626 lebte, vereinten sich ab 1583 die Dschurdschen und andere Ethnien zu den Mandschu. Die Mandschu eroberten in der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts ganz China und gründeten zwischen 1644 und 1911 die Qing-Dynastie deren Land sich bis zur Grenze Russlands ausdehnte. Ab 1911 wurde in Khatgal das erste Dampfschiff namens Sukhbaatar eingesetzt, welches heute noch im Hafen liegt und ab und an für Touristen eingesetzt wird. Es verbannt das Südufer des Sees mit dem Nordufer unweit an der sibirischen Grenze. Die Sukhbaatar ist in der Lage 1800 Tonnen zu transportieren und machte während der sowjetischen Zeit Khatgal zu einem wichtigen Handelsort.

Von der Anwesenheit der Chinesen oder Russen nichts mehr spürend traben wir auf einer breiten staubigen Piste die gerade neu angelegt wird. Wir entdecken ein Schild über der Tür einer Blockhütte. Supermarkt ist darauf geschrieben. „Da können wir uns mit neuen Lebensmitteln eindecken!“, ruft Tanja. An einem langen Bretterzaun binden wir unsere Pferde fest während Tanja sich aufmacht das Gästehaus zu suchen. „Ruht euch aus. Bin bald wieder da“, sagt sie mich augenzwinkernd anlächelnd. „Hoffe der Mantel ist dort“, raune ich. Bilgee unterhält sich indes mit einem Mann. Er reicht ihm eine seiner Zigaretten und lässt sich den weiteren Weg erklären. Ich nutze die Zeit um mir den Supermarkt von innen anzusehen und bin überrascht hier Kekse, Brot, Dosenfisch und Schokolade ergattern zu können. Als ich den Laden verlasse kommt mir Tanja mit einem breiten Grinsen entgegen. Sie reicht mir ein schweres Bündel und sagt; „Gib es ihm. Bin gespannt ob er sich freut.“ „Also hat es Saraa tatsächlich fertiggebracht den Mantel innerhalb zwei Tage hierher bringen zu lassen“, antworte ich und wundere mich nicht zum ersten Mal was in diesem Land alles möglich ist. Ich nehme das schwere Knäuel entgegen und gehe zu unserem Pferdemann. „Hier Bilgee. Das haben Tanja und ich für dich organisiert. Ab sofort Baihgui hujten. Bilgee sieht mich mit überraschten Augen an, nimmt das dicke, in einem Tuch eingewickelte Geschenk, um es sofort auszupacken. „Oh das ist wirklich fantastisch. „Tschin setgeleesee bajrlalaa. Baihgui hujten“, („Herzlichen Dank. Nicht mehr kalt“) lacht er und drückt mir und Tanja sich noch mehrfach bedankend die Hand.

Bevor wir Khatgal verlassen setzen wir uns vor den Supermarkt ins vertrocknete Gras, trinken heißen Tee und essen Fisch, Brot und eine Tafelschokolade. Dann packen wir Bilgees Winterdeel in einen der Seesäcke und schwingen uns in die Sättel. Die staubige Piste verlassend winden wir uns auf schmalen Pfaden durch die Holzhäuser bis wir auf einen Weg treffen der uns eine Anhöhe hinaufführt die zur Khoridol-Saridag-Bergkette gehört. Der bis zu 3.000 m hohe Gebirgszug zieht sich an der Westseite des Sees entlang und wird die nächste Zeit unser Begleiter sein. Von hier oben werfen wir einen letzten Blick auf die alte Siedlung, dann werden wir von einem mächtigen Lärchenwald verschluckt, der zum 70.000 Quadratkilometer umfangreichen Khuvsgul-Nuur-Nationalpark gehört. Millionen von braunen kleinen Nadeln liegen zentimeterdick auf dem Waldboden und dämpfen die Tritte unserer Pferde. Als hätten wir ihnen Lappen um die Hufe gewickelt, bewegen wir uns lautlos durch den Märchenwald. „Willkommen in der Taiga“, sage ich bald ehrfürchtig. Oben angekommen, erhaschen wir die ersten Blicke auf den 2.760 Quadratkilometer großen, 135 km langen und 39,5 km breiten Khuvsgul Nuur. Einen der schönst gelegenen Seen unserer Mutter Erde. Seine tiefste Stelle liegt bei 265 m. Irgendwie fühlen wir uns hier an den Baikalsee, der mit seinen 1.620 m der tiefste Süßwassersee der Welt ist, erinnert. Als wir mit unseren Fahrrädern von Deutschland bis in die Mongolei gestrampelt sind hatten wir dem Baikal einen längeren Besuch abgestattet und lebten für ein paar Wochen auf der wunderschönen Insel Olchon. Schon damals dachte ich an diesen abgelegenen, schwer zugänglichen Khuvsgul Nuur. Zweifelsohne ist die Ähnlichkeit der Landschaft nicht zu leugnen. Tatsächlich liegt der Khuvsgul im gleichen geologisch-tektonischem System. Zieht man eine Linie vom Baikal bis zum Khuvsgul See sind sie gerade mal 200 Km von einander entfernt. Der sich auf der russischen Seite befindliche Tunga-Graben verbindet die beiden Gewässer geographisch. Das ist auch der Grund warum man dieses Gewässer hier den Beinamen Kleiner Baikal geben hat.

Nachdem was ich gelesen habe soll es hier einsame, paradiesisch schöne Strände und Lagunen geben. Der Blick durch die Bäume gibt nackte Bergspitzen umrandet von Taigawäldern frei. Der Anblick lässt uns den Atem stocken. Wir können es kaum glauben dieses große Ziel aus eigener Kraft erreicht zu haben. Ich kann mir regelrecht vorstellen wie die fruchtbaren, in allen Farben blühenden Sommerwiesen sich bis zum Ufer erstrecken. Wie sie nach allen Kräutern der Natur duften. Aber auch jetzt im späten Herbst beeindruckt das Gelb der abgeworfenen Lärchennadeln, die im Wind teils bizarr verrenkten Baumstämme und das tiefe Blau des kalten Wassers. Vorsichtig suchen sich die Hufe ihren Weg durch aufgeworfene, festgefrorene Buckel. Nicht zum ersten Mal überqueren wir solch einen Stolpergrund der sich meist da befindet wo es im Sommer feucht und nass ist.

Als wir das Ufer erreichen treffen wir auf die ersten Jurtenunterkünfte. Teils sehen sie wirklich nobel aus. Es gibt Blockhäuser aller Art. Manche sogar mit Strom und richtigen Fenstern. Es wird alles getan, dass sich ein Tourist hier richtig wohl fühlen kann und auf Luxus nicht verzichten muss. Jetzt, Ende Oktober, sind die Touristencamps wie ausgestorben. Kurz halten wir inne, um den Anblick des vor uns liegenden Sees zu genießen. Sofort kommen zwei Mongolen auf uns zu die vermutlich als Aufpasser der Anlage den gesamten Winter hier verbringen. „Wo kommt ihr her? Wo geht ihr hin“, fragen sie. Wie immer beantwortet Bilgee alle aufkommenden Fragen. Ob wir hier Mogi laufen lassen können? Geht es mir durch den Kopf und frage die Männer wie es in dieser Region mit Schafen und Ziegen aussieht. „Hon? (Schaf) Jamaa? (Ziege) Hier am Khuvsgul Nuur? Ha, ha, ha. Nein ab hier gibt es keine Honinuud (Schafe) und Jamaanuud (Ziegen) mehr“, hören wir erleichtert. Sofort lassen wir Mogi frei, der vor purer Dankbarkeit und Lebenslust beinahe Purzelbäume schlägt und wie ein Irrer hin und her jettet. „Ach ist das schön den Hund frei zu sehen. Und endlich kann ich das Reiten ohne eine Leine in der Hand halten zu müssen wieder richtig genießen“, jubelt Tanja.

Mit erhabenem Gefühl, heiter und ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz auf uns den See erreicht zu haben, reiten wir an seinem Westufer entlang. Fast lückenlos reiht sich hier ein Jurtenressort an das andere. Motorboote liegen vor Anker mit denen die Besucher wahrscheinlich zum Angeln raus fahren. Wir genießen die Abendsonne und den Ritt durch die verlassenen Camps. Nach ein paar Kilometern finden wir ein einsames Stück Wiese direkt am dunklen Wald. Etwa zweihundert Meter entfernt von uns steht ein großes, zweistöckiges halbzerfallenes Blockhaus. Dahinter kauert eine kleine Hütte aus dessen blechernen Ofenrohr Rauch aufsteigt. „Da wohnen wahrscheinlich die Aufpasser“, vermute ich. „Auf was sollen sie den aufpassen?“, wundert sich Tanja. „Na auf das große Blockhaus. Die Besitzer wollen bestimmt nicht dass man während ihrer Abwesenheit die Fenster und Türen stiehlt“, erkläre ich.

Schnell haben wir unser Lager errichtet. Durch den Wald sind wir vor dem Wind geschützt. Dadurch ist es trotz der minus 7 °C relativ gemütlich. Tanja holt vom See Wasser zum Kochen. Zum Glück ist er noch nicht zugefroren. Wie auch am Baikal kann man es hier direkt aus dem See trinken ohne es abkochen zu müssen. Die Qualität ist legendär.

Von der kleinen Hütte schallen plötzlich Schreie zu uns herüber. Offensichtlich streitet sich das dort wohnende Ehepaar fürchterlich. Sie werden immer lauter, so dass wir die Köpfe heben um zu sehen was da los ist. Plötzlich kracht die Holztür auf, fliegt fast aus den Angeln, und eine Frau stürmt nahezu hysterisch Brüllend ins Freie. Ein Mann kommt hinterher. Nun ist es in unserem Camp richtig laut geworden denn die beiden führen ihr Gefecht vor ihrer Hütte weiter aus. Hastig nimmt die Frau einen Stein auf und schleudert ihn auf den Mann. Der tut es ihr laut fluchend nach. Jetzt fliegen Gegenstände aller Art hin und her. „Die werden sich doch hoffentlich nicht umbringen?“, sage ich mich in meiner Haut nicht wohl fühlend. Einmischen ist unmöglich da davon auszugehen ist das die Streithälse dann uns attackieren. So wie es aussieht sind beide schwer betrunken. Der Mann stürmt nun wieder ins Haus. Die Tür kracht in den Rahmen. Jetzt wirft die Frau wie besessen Steine gegen die Tür und die mit Holz vernagelten Fenster. Der Mann stürmt wieder raus was zur Folge hat das sie sich gegenseitige verhauen. Dann verschwindet der Mann wieder in der Hütte und verrammelt die Tür. „Wodka“, sagt Bilgee, dreht sich von der unschönen Szene ab die noch mehrere Stunden dauern wird und nimmt den freudigen Anlass unserer Ankunft am Khuvsgul, um eine Reissuppe mit getrocknetem Kuhfleisch zu kochen. Bevor er das Fleisch in das kochende Wasser wirft bearbeitet er es mit der stumpfen Seite der Axt. Später genießen wir nach einer Woche die erste Suppe mit Fleisch. Danach gibt es heißen Tee und Kekse. Wir sitzen am prasselnden, wärmenden Feuer. Ab sofort werden wir kaum noch Mangel an Feuerholz haben, denn wir befinden uns im größten zusammenhängenden Nadelwaldgebiet unserer Erde, der Taiga. „Hier beginnt das Land der Wölfe. Ich bin wirklich gespannt ob wir welche sehen oder heulen hören“, sage ich an meinem Tee schlürfend. „Meinst du sie kommen bis in unser Camp?“, fragt Tanja. „Hm, kann schon sein. Mogi wird sie ankündigen. Hoffe nicht das unsere Pferde gefährdet sind“, antworte ich in die züngelnden Flammen sehend.

Im Lichtstrahl unserer Stirnlampen studieren Bilgee und ich die Landkarte. „Hier könnten wir über Khoridol-Saridag abkürzen. Würde uns 50 Kilometer sparen“, meint Bilgee. „Die Bergkette ist bis zu 3.000 Meter hoch. Ich weiß nicht ob das eine gute Idee ist. Aus meiner Erfahrung sind Abkürzungen am Ende meist länger. Ich würde vorschlagen wir reiten die kommenden 100 Kilometer am See entlang. Dass ist ungefährlicher als alpines Gelände und sicherlich traumhaft schön“, versuche ich unserem Begleiter klar zu machen. Bilgee nickt langsam womit er mir zu verstehen gibt meiner Meinung zu sein. Um 21:00 Uhr kriechen wir in unsere Zelte. Tanja hat die erste Wachschicht. Sie bleibt seit Wochen das erste Mal wieder draußen am Feuer. „Der Sternenhimmel ist ein Traum. Ich gehe erst ins Zelt wenn es kälter wird“, sagt sie.

Wie gewohnt sitze ich in meinem Schlafsack und schreibe in kurzer Form auf was wir heute erlebt haben. Wie jeden Tag eine ganze Menge. Kein Tag ist wie der andere. Immer gibt es etwas Neues zu erzählen. Bis hierher haben wir das erste Drittel der Strecke bis zum Tsgaan Nuur hinter uns. Vor uns liegen noch mindestens weitere 200 Kilometer oder mehr. Ich bin gespannt wie lange uns der Wettergott gnädig ist. Die Tage sind meist schön und die Nächte kalt aber klar. Kein Schneesturm, keine Unfälle, keine unangenehmen Zwischenfälle. Alles läuft mehr oder weniger nach Plan. Um 23:30 Uhr klappe ich mein Notebook zu, verstaue es in der wasserdichten Tasche und lege mich mit einem lauten Seufzer auf die Isomatte. Bevor ich einschlafe lausche ich dem Rauschen der Wellen. Leichter Wind kommt auf und säuselt in den kahlen Baumkronen der Lärchen. Die Streithähne der Blockhütte sind entweder bewusstlos oder schlafen ihren Rausch aus. Dann kommt Tanja fröstelnd ins Zelt. „Wie kalt ist es? Hast du aufs Thermometer geschaut?“, frage ich. „Minus 12 °C. Nicht so kalt wie gestern“. „Denke das liegt an der großen Wassermenge. Strahlt Wärme ab. Abgesehen davon schützen uns in diesem Lager die Bäume vor dem Wind“, gebe ich gähnend zu antwort.

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Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.