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Der eisige Bote vom Khovsgol Nuur und die Göttliche Ordnung

Mongolei/Egyin Gol Camp — 24.10.2011

„Hast du heute Nacht gefroren?“, fragt Tanja Bilgee. „Ha, ha, ha. Eure Wärmflasche ist wirklich gut. Es war richtig dulaan“, (warm) antwortet er bestens gelaunt. „Ist wieder eine Fügung drei Wärmflaschen dabeizuhaben“, sagt Tanja augenzwinkernd.

Heute, am vierten Morgen dieser Etappe, kommt schon so etwas wie Routine auf. Unsere Handgriffe werden schneller. Jeder weiß was er zu tun hat. Noch dazu werden wir vom gleißenden fernen Stern mit wärmenden Energiestrahlen verwöhnt und das Thermometer klettert am späten Morgen auf beachtliche plus 4°. Beim Beladen der Pferde, vor allem von Sharga und Bor, bin ich auf der Hut. So stehend nicht getreten werden zu können und die Beißer von Sharag im Auge behaltend, hieven wir die Lasten auf die Pferderücken.

Obwohl wir seit dem Aufschlagen der Augen bis zum Sitz im Sattel knapp vier Stunden benötigen, sind wir nicht unzufrieden. Bilgee treibt Tenger und Od an und sie verfallen schnell in Trab. Es geht eine leichte Steigung nach oben. Dann müssen wir wegen der rutschenden Ladung wieder stoppen. Mittlerweile regt mich das kaum noch auf. Denn bis der Inhalt der großen Seesäcke sich richtig zurechtgeschüttelt hat müssen wir meist nach wenigen Kilometern einen Stopp einlegen, um sie wieder in Balance zu bringen. Wenn wir Glück haben passt es danach den ganzen Tag. Vorausgesetzt ich verteilte während des morgendlichen Packens den Inhalt der Seesäcke gleichmäßig. Da sich die Aufteilung durch unseren unaufhörlichen Lebensmittel verbrauch täglich ändert, ist das eine bleibende Herausforderung.

Schon nach einer Stunde erreichen wir ein von Felsgestein zerklüftetes enges Tal. „Denis! Was glaubst du? Sollen wir den linken oder rechten Pfad nehmen?“, fragt Bilgee, da dieser sich vor uns in zwei Himmelsrichtungen gabelt. Verunsichert blicke ich auf mein GPS. Beide Wege führen in eine falsche Richtung. Der eine jedoch mehr als der andere. Da sich das Tal wie eine Schlange windet und wir darin regelrecht gefangen sind kann jede Antwort richtig oder falsch sein. „Ich würde den Linken nehmen!“, antworte ich auf mein Gefühl vertrauend. Bilgee nickt, lächelt und folgt dem linken Saumpfad der sich wenig später im groben Geröll völlig verliert. „War das die falsche Entscheidung?“, frage ich mich. Als der Weg auf der anderen Seite des Geröllfeldes wieder sichtbar wird bin ich erleichtert. Auf Umwege habe ich nicht die geringste Lust. Plötzlich stoßen wir auf einen mächtigen Fluss, den Egiyn Gol. „Wenn wir da rüber müssen haben wir ein Problem“, sage ich zu Tanja gewandt. „Was zeigt das GPS?“, fragt sie. „Die Karten auf dem GPS sind zu ungenau. Ich muss heute Abend die Navigationskarten zu Rate ziehen“, antworte ich.

Achtung Überhitzungsgefahr

Am Ufer des Flusses sitzen wir ab und bringen unsere Pferde zum Saufen. Ein Hirte beobachtet uns aus einiger Entfernung. Bilgee macht sich auf um ihn nach dem Weg zu fragen während Tanja und ich uns Zeit lassen die Pferde nacheinander zum Egin Gol zu führen. Wegen meinem schweren Winterdeel schwitze ich wie ein Affe. Ich schleppe mich regelrecht hin und her und glaube eigentlich jeden Augenblick an einem Hitzschlag einzugehen. Natürlich könnte ich mir schnell Abhilfe schaffen indem ich das Ding ausziehe. Aber dafür müsste ich erstmal die Pferde hoppeln. Da auch das Bücken in meiner mongolischen Rüstung sehr anstrengend ist und ich auch nicht weiß wohin ich den klobigen Mantel verstauen soll, entscheide ich mich erstmal fürs Schwitzen. Am Fluss stehend warte ich bis Sharga und Bor sich ihren Bauch mit dem köstliche eiskaltem Nass vollgesoffen haben. Um die großen Kieselsteine im Wasser bildeten sich Ringe aus Eis. Oh wie gerne würde ich mir jetzt ein Becher voll Eiswasser über den Kopf schütten. Mogi ist an einem in die Erde gehauenen Pflock angebunden und spielt ausgelassen mit dem Hund des Hirten. Dann bindet ihn Tanja kurz los und die Hunde rasen hechelnd und durch ihr wildes Spiel sichtlich überhitzt zum Fluss und siehe da, beide springen hinein um sich abzukühlen. „Oh Hund müsste man sein“, denke ich und hatsche mit meinen Pferden im Schlepptau zu den anderen zurück.

Bilgee kommt indes mit dem Hirten und setzt sich mit ihm und seinem kleinen Sohn ins trockene Gras. Sie unterhalten sich angeregt über Dinge die wir nicht verstehen. Oftmals geht es im Verlauf des Gespräches auch um die Erklärung des Weges. „Ist dir kalt?“, fragt mich der Hirte seine Stirn in Falten legend. „Kalt? Nein mir ist nicht kalt“, antworte ich und verstehe erst jetzt von dem Mann auf den Arm genommen worden zu sein. Wahrscheinlich fragt er sich wie ich einen Winter in der Mongolei überleben will wenn ich bei ca. plus 20 ° in der Sonne einen Mantel anhabe der für minus 30° oder 40° Grad genäht wurde. Aber wie soll ich dem Mann erklären den Mantel deswegen zu tragen weil ich ansonsten nicht weiß wohin damit? Mittlerweile läuft mir das Wasser in Strömen am Körper entlang und staut sich in meinen Monsterschuhen, die laut Hersteller für Temperaturen bis zu minus 70 Grad konzipiert wurden. Letztendlich ist es nur eine Frage von Minuten bis sich mein Kreislauf abschaltet und ich aus den latschen Kippe. Vor meinem inneren Auge sehe ich die imaginäre Überschrift einer Tageszeitung. Deutscher Abenteurer im mongolischen Herbst an Hitschlag gestorben. „Ich muss hier raus!!!“, brülle ich und reiße mir überhektisch den Deel vom Leib. „Um Gottes Willen. Was treibst du denn da Denis?“, schaut mich Tanja verwundert an. „Man, oh man, das Ding ist wirklich lebensgefährlich. Da müsste ne Warnung drauf stehen. Achtung Überhitzungsgefahr!“, lamentiere ich. Dann lege ich den gemeingefährlichen Mantel fein säuberlich zusammen und binde ihn auf meine Banane, die sich, wie schon erklärt, hinter dem Sattel befindet. „Hoffe das hält“, sage ich. Der Hirte sieht mir schmunzelnd zu. Irgendwie komme ich mir wie ein dummer Tourist vor der um jeden Preis so einen Deel tragen möchte. Hauptsache es sieht cool aus. Egal ob das Wetter dafür passt oder nicht.

Nach einiger Zeit verlassen wir den freundlichen Hirten und folgen dem Ufer des Flusses. Nach der ersten Windung des Egiyn Gol liegt die gesamte linke Uferseite im dunklen Schatten. Das Thermometer ist augenblicklich auf minus zwei Grad gefallen. Hätte ich nur fünf Minuten länger durchgehalten hätte ich mir die Verstauaktion des Deels sparen können und das Leiden wäre nicht umsonst gewesen.

Die Hufe unserer Pferde stolpern über grobes Flussgestein. Dicke, hart gefrorene Wurzeln, Äste und anderes Gesträuch legen sich uns in den Weg. Definitiv kein Weg für Pferde die einen Reiter tragen. Der Wasserlauf greift immer weiter zur linken Uferseite bis er sie nahezu verschlingt. Auf einem gefrorenen Pfad von etwa einen Meter Breite jonglieren wir dahin. Dann sind wir gezwungen unsere Pferde durch niedriges Eiswasser und über Eisschollen zu führen. Willig lassen sie sich lenken und scheinen unserer Beurteilungskraft zu vertrauen. Plötzlich endet der Pfad und drängt uns einen steilen Hügel nach oben zu folgen. Vorsichtig steuern wir unsere Tiere an einer Schlucht entlang. Ein Fehltritt und sie würden mit uns abstürzen. Bilgee scheint das Gelände recht gelassen zu nehmen. Aber er ist ja auch Mongole und solch unwegsame Gefilde gewohnt. Seine Ruhe überträgt sich auf uns weshalb wir ihn vorsichtig und bedacht folgen. Wiederum unerwartet neigt sich der Berg vor uns in eine abschüssige Klamm. Wir sind gezwungen den Weg ins Tal anzutreten, um uns dem Flusslauf wieder zu nähern. Tanja und ich lehnen unsere Oberkörper wie Akrobaten zurück als es haarsträubend nach unten geht. „Nur keinen Fehler machen“, geht es mir durch den Kopf. Aber auch unsere trittsicheren Pferde dürfen sich keinen Ausrutscher erlauben. Dann erreichen wir ohne Zwischenfälle das Tal des Egiyn Gol. Wir folgen dem Fluss für eine Weile nur um wenige Kilometer später wieder über einen der steinigen Berge zu müssen. Als wir das Flussdelta erreichen treffen wir auf Hirten die ihre Schafherde nach Mörön zum Markt bringen. Bilgee unterhält sich mit ihnen. Beide Männer fragen sich über den Weg aus. Der Hirte berichtet davon erst gestern Nacht aus Versehen sein Zelt verbrannt zu haben. „Jetzt muss ich im Freien schlafen“, sagt er lachend. Als er seinen Schafen wieder hinterherreitet nutzen wir das trockene Gras für eine Rast. Tanja öffnet eine Dose Fisch, die wir mit unserem restlichen Brot heißhungrig vertilgen.

„Ob es hier eine Telefonverbindung gibt?“, fragt sie. „Wäre ein Wunder. Warum fragst du?“ „Ich versuche mal Saraa anzurufen. Wenn wir Glück haben gibt es den Deel noch den wir für Bilgee kaufen wollten. Vielleicht kann sie den nach Khatgal schicken. Wann kommen wir dort an?“, möchte sie wissen. „Hm, wenn alles glatt läuft sollten wir übermorgen dort sein. Aber wohin soll sie ihn schicken? Wir haben doch keine Adresse“, frage ich. „Mongolen haben immer und nahezu überall eine Adresse.“ „Da könntest du Recht haben“, antworte ich. Da der Deel eine Überraschung sein soll entfernt sich Tanja von uns, klettert eine Anhöhe hinauf und versucht mit ihrem Handy Saraa zu erreichen. Es dauert nicht lange und unverständliche Wortfetzen fliegen zu uns herüber. „Und? Hast du in dieser Abgeschiedenheit tatsächlich ein Handynetz bekommen?“, frage ich als sie mit einem Lächeln um die Lippen sich wieder zu Bilgee und mir ins Gras setzt. „Ja. Und dreimal darfst du raten ob es den Mantel noch gibt.“ „Nach deinem Gesichtsausdruck zu schließen klappt der Deal.“ „Ja. Ich konnte den Preis auf 120.000 Tugrik (69,- €) verhandeln. Saraa wird ihn noch heute einer Frau mitgeben die In Khatgal ein Gästehaus betreibt. Sie ist rein zufällig in Mörön und fährt noch heute zurück. Na, ist das Göttliche Ordnung oder nicht?“, sagt sie triumphierend die Unmöglichkeit möglich gemacht zu haben.

Die Göttliche Ordnung

An dieser Stelle des Schreibens stellt sich für mich die Herausforderung die Göttliche Ordnung in Worte zu fassen, sie zu erklären. Aber schon nach wenigen Sätzen beginne ich zu straucheln, fehlt mir der Wortschatz. Eigenartig. Für mich ist der Begriff Göttliche Ordnung ein Tatbestand der meinen und Tanjas Alltag bestimmt. Aber ihn zu erklären ist eine Aufgabe der ich mich kaum gewachsen fühle. Mutter Erde in diesem Fall zu befragen ist eine Idee die mir durchs Gehirn streift. Kann ich sie diesbezüglich wirklich fragen? Nicht einfach wenn man keine Adresse hat wo der kommunikative Teil unseres Planeten wohnt. Auch kann ich nicht eben mal ihre Telefonnummer wählen um sie anzurufen. Aber ich versuche es mit meinen Worten. „Also Mutter Erde. Kannst du mir bitte die Göttliche Ordnung erklären?“ „Wenn es dir dienlich ist gerne“, höre ich ganz zart die Stimme und bin mir nicht sicher ob es meine eigene ist. Ob es nur eine Wunschvorstellung ist mit Mutter Erde zu sprechen? Ein Wunsch den ich mir dadurch erfülle indem ich mir selbst antworte? „Du brauchst dich nicht selbst zu einer Antwort zu zwingen. Das wird nicht funktionieren. Wie du weißt antworte ich dir immer wenn du Fragen hast.“ „Oh wunderbar den Kontakt so schell und unerwartet zu dir bekommen zu haben. Eine Freundin von uns hat den Begriff Göttliche Ordnung in unser Leben gebracht. Seither leben wir damit. Anfänglich war es für Tanja und mich nur eine Aussage. Im laufe der Jahre manifestierte sich die Aussage als unbestrittene Tatsache in unseren Alltag. Am Anfang dieses Absatzes wollte ich die Göttliche Ordnung in Worte fassen und erklären. Jedoch stelle ich fest, das es gar nicht so einfach ist“, sage ich.

„Die Göttliche Ordnung ist eine Formulierung für Gott. Für Alles was ist. Sie bedeutet für euch Menschen das alles was geschieht unabänderlich ist. Das alles was geschieht genau so geschieht wie es geschehen muss. Wenn man sich der Göttlichen Ordnung hingibt und das Leben geschehen lässt fällt das Leben nicht schwer. Es macht keinen Sinn sich gegen Tatsachen aufzubegehren. Kostet nur unnütze Energie. Dein Leben wird leichter wenn du Ereignisse und Geschehnisse die dein Leben bereichern fließen lässt. Das heißt sich nicht aufzubegehren wenn etwas anders läuft als du geplant hast. In den Wüsten Australiens war eine deiner Aufgaben das Fließenlassen zu verstehen. Kannst du dich daran erinnern?“, fragt mich die Stimme. „Wie sollte ich das vergessen. Drei Jahre habe ich diese Aufgabe mit mir herumgetragen.“ „Und du hast sie für dich gelöst.“ „Ja habe ich.“ „Und dann fällt es dir schwer die Göttliche Ordnung in Worte zu fassen?“ „Ja.“ „Nun, das Fließenlassen gehört zur göttlichen Ordnung. Ist ein wesentlicher Aspekt davon.“ „Verstehe. Aber der Groschen ist noch immer nicht gefallen. Ich kann es noch immer nicht in Worte gleiten.“ „Dann gebe ich dir ein bereits bekanntes Beispiel welches in eurer jüngsten Lebensgeschichte eine Rolle spielt. Denke bitte an Bilgee. Ganz unverhofft wollte er die Pferde nicht zurückreiten.“ „Hm, stimmt. Aber das haben wir ja schon behandelt“, erwidere ich. „Ja, nur gibt es zu allem was geschieht eine Verbindung. Eine weitere Erklärung. Sein Verhalten gehört genauso zur göttlichen Ordnung wie dein Verstehen. Einfacher. Es war und ist Göttliche Ordnung durch Bilgees Verhalten dem Gefängnis von Mörön neue Fenster zu finanzieren. Diese positive Handlung ist der Göttlichen Ordnung zuzuschreiben, dem Fließenlassen. Ihr habt nicht gegen Bilgees Verhalten angekämpft und damit die Situation sinnlos verhärtet. Damit wäre auch nichts Produktives herausgekommen außer eventuelle Zerstörung.“ „Wie Zerstörung?“, höre ich aufmerksam. „Wenn ihr Bilgee nachhause geschickt hättet wäre er eventuell ärgerlich geworden. Aus Ärger entstehen destruktive Gedanken deren Folgerungen Zerstörung bringen können. Er wäre auch nicht mit euch nach Tsagaan Nuur geritten. Und das wäre für euch und eure Expedition nicht von Vorteil. Aber das werdet ihr noch erfahren. Jetzt kommt es mir darauf an das du die Zusammenhänge verstehst. Zumindest einen Bruchteil davon. Noch mal von vorne. Bilgees Verhalten führt zu Fenstern im Gefängnis. Ihr habt euch nicht gewehrt sondern akzeptiert. Das war positiv. Das heißt unter anderem fließen lassen. Heißt aber auch ihr habt euch in der Göttlichen Ordnung bewegt. Immer wenn ihr euch in der Göttlichen Ordnung bewegt wird das Ergebnis der Bewegung für euch angenehm sein. Die Göttliche Ordnung bedeutet auch der Fluss des Lebens. Hindernisse werden augenblicklich zusammenbrechen. Alles wird geglättet. Liebe ist um euch. Liebe bedeutet auch wahres Glück. Liebe ist die große Kraft die euch durch ein wünschenswertes Leben führt. Göttliche Ordnung und Liebe gehören zusammen, sind nicht trennbar voneinander. Göttliche Ordnung und fließen lassen bedingen sich von einander. Sind eine Symbiose. Eine Einheit. Die Göttliche Ordnung steht für ein Leben im Fluss. Für ein Leben ohne Hindernisse. Sie steht für Erfüllung und Fortschritt. Fortschritt auch im Sinne von Voranschreiten. Und das tut ihr. Tanja und du schreitet voran. Jeden Tag. Stellt Fragen und das ist gut so. Denn wer Fragen stellt bekommt antworten. Dadurch ist euer Leben ein unaufhörliches Lernen. Durch Lernen versteht ihr Zusammenhänge und diese sind wichtig zu begreifen. Denn nichts steht für sich alleine. Alles ist miteinander verbunden. Absolut alles was ihr euch vorstellen und nicht vorstellen könnt. Du siehst dass die Göttliche Ordnung nicht mit einem Satz verständlich zu erklären ist. Sie ist nicht in ein paar Worte zu packen sondern sie ist der Überbegriff für alles was ist. Und wenn dein Leben für dich der größte Schatz ist so ist die Göttliche Ordnung der beste und geeignete Wegweiser durch ein harmonisches erfülltes Leben.

Aber die Göttliche Ordnung ist nicht nur ein Lebensbegleiter sondern ihr unterliegt alles was ist“, lausche ich gebannt. „Auch du unterliegst der göttlichen Ordnung. Stimmt’s?“, frage ich. „Auch wir unterliegen ihr. Wir die Erde mit allem was sich auf und in uns befindet und dieses und andere Universen. Der Göttlichen Ordnung unterliegt die Gesamtheit aller Himmelskörper und den sie umgebenden Raum“, erklärt Mutter Erde. „Man oh man. Da habe ich nur eine kleine Frage gestellt und deine Antwort endet im Universum“, stöhne ich den Umfang der Erklärung zu verstehen. „Unsere Antwort endet nicht im Universum sondern geht weit darüber hinaus. Sie ist derart umfassend, dass es für dich im Augenblick keinen Sinn ergibt weitere Erklärungen anzufügen. Wichtig für dich ist die Göttliche Ordnung im Ansatz zu verstehen und sie weiterhin als euren Lebensberater hinzuzuziehen. Das du weiterhin dein Leben fließen lässt und dir keine unnützen, kraftzehrenden Hürden aufbaust wo es keine gibt. Dann kannst du mit deiner Lebensenergie mehr erreichen als du zu träumen gewagt hast.“

Die Sonne steht schon tief. Wir überqueren einen weiteren Höhenzug von dem wir in das malerische Tal des Flusses blicken können. Trotz Müdigkeit sind wir von dem Anblick wie verzaubert. Als wir auf der anderen Seite der Bergreihe den kleinen, in der Abendsonne liegenden Ort Alag-Erdene passieren, fühlen wir uns wie frisch geborene Helden. Der Anblick unserer sechs schnell trabenden, schwer bepackten Pferde, muss kraftvoll sein. Verwundert heben die Menschen, denen wir begegnen, ihre Blicke und sehen der fremdartigen Reisegruppe nach. Auf der anderen Seite des Dorfes halten wir für eine Weile inne. Vor uns breitet sich ein gewaltiges, von Bergen umrundetes, Trockental aus. Bilgees Fernglas sucht nach einem geeigneten Platz für die Nacht. „Öws baihgui“, („Kein Gras“) sagt er. „Tijm, baihgui öws“, („Ja, kein Gras“) gebe ich ihm Recht. Bilgee deutet auf die andere Seite des Tals. „Dort möchtest du heute noch hin?“, frage ich. „Tijm“, („Ja“) antwortet er. „Wird eine Weile dauern bis wir da ankommen“, gebe ich ihm zu verstehen. „Neg Tsag“, („Eine Stunde“) sagt er. „Hm, aber nur wenn wir im schnellen Trab reiten“, überlege ich. „Tijm“, („Ja“) brummt er leise. „Okay, wir brauchen Gras für die Pferde. Dann lass uns Tschu, tschu rufen“, beschließe ich, worauf Bilgee lacht und seine Pferde antreibt. „Tschu! Tschu! Tschu!“, rufen wir und weiter geht es im schnellen Trab zur anderen Seite des weiten Tales. Obwohl wir schon seit fünf Stunden im Sattel sitzen und teils schweres Gelände überwunden haben traben wir mit ca. 10 Kmh dahin. Wir passieren Rinderherden die im letzten Abendlicht versuchen etwas Gras zu finden. Auch hier ist absolut alles kahlgefressen. Verwitterte Blockhütten ziehen an unseren Augen vorüber. Ein altes Holzrad eines Karren lehnt gegen die mit verrostetem Blech beschlagene Tür. Noch vor wenigen Jahren waren solche Holzräder im Einsatz. Heute werden sie nur noch in sehr entlegenen Randbereichen der Mongolei verwendet. Die 20 Meter langen Schatten unserer Pferde verschwimmen mit dem letzten Sonnenlicht zur Unkenntlichkeit und verlieren sich im dunklen Gras. Eis, Buckel und harte Grasnarben lassen den Untergrund zu einer Hindernisbahn für Pferdehufe werden. Dann entdecken wir unmittelbar neben dem Flusslauf eine vielversprechende Grasfläche. Bilgee und ich sind uns einig. Das ist der Campplatz für die Nacht. Mit letzter Kraft entladen wir die ausdauernden Pferde, pflocken sie an und bauen unsere zwei Zelte auf. Bilgee entdeckt in einem nahen Tierkral altes Holz. Da wir aus dem eisigen Fluss unser Trinkwasser schöpfen können ist somit das wichtige heiße Wasser für Tee, gefriergetrocknete Nahrung und Wärmflaschen gesichert. Es ist dunkel als wir bei minus 12 Grad ins Zelt krabbeln. „Tawtaj nojrsooroi“, („Gute Nacht“) sagen wir zu Bilgee. „Tawtaj nojrsooroi“, antwortet er.

Neben dem leichten Wind hören wir das Rauschen des Flusses. Es hat etwas Beruhigendes und Beunruhigendes zu gleich. Der Egiyn Gol entspringt im Khovsgol Nuur“, erkläre ich Tanja. „Meinst du dass wir es wirklich bis übermorgen schaffen ihn zu erreichen?“, fragt sie. „Denke schon. Aber was weiß man schon. Die Mongolei sorgt ständig für neue Überraschungen. Wir werden sehen“, antworte ich. „Was war das?“, erschrickt Tanja als wir ein eigenartiges knirschendes Geräusch vernehmen. „Glaube da stoßen Eisschollen aneinander. Scheint so als wäre der Egyin Gol der eisige Vorbote des Khovsgol Nuur“, antworte ich und tippe weiter meine Aufzeichnungen in den Laptop.

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