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Vorbereitungsmarathon und exotischer Fernsehauftritt

Mongolei/Mörön Camp — 13.10.2011 - 14.10.2011

Seit zwei Wochen geht Tanja jeden Tag in die Supermärkte der kleinen Stadt und kauft Kartonweise Lebensmittel. Leider ist es in der Mongolei nicht so wie in Deutschland in dessen Supermärkten wir alles bekommen was das Herz begehrt. Die Läden hier sind zwar mittlerweile besser bestückt als vor einigen Jahren aber viele Produkte sind einfach nicht vorrätig. Es ist also richtig Arbeit eine ordentliche Nahrungsversorgung für ein ¾ Jahr zusammenzustellen ohne dass etwas fehlt. In unserer Jurte können wir uns vor gestapelten, feinsäuberlich gepackten Pappkartons kaum noch rühren. Deshalb schlichten Tanja und Bilgee heute Morgen etwa 20 davon in Saraas Schuppen, den wir als Zwischenlager für unsere Ausrüstung und Nahrung nutzen dürfen. Dann bereiten wir uns leckere Pfannkuchen. Bilgee reitet danach wie üblich aus der Stadt um die Pferde zu hüten während ich mich wie gestern entschieden aufmache um auf dem Markt einzukaufen. Bevor ich mich um den Holztisch und Stühle kümmere besorge ich eine weitere Autobatterie. Wegen dem kommenden starken Frost macht es Sinn unsere Energieversorgung abgesichert zu wissen. Man hat mir berichtet, dass auch Autobatterien ab minus 15 Grad durchfrieren können und somit ihren Geist aufgeben. Keine Ahnung ob das stimmt aber sicher ist sicher. Dann kaufe ich eine 2,50 breite, 2 Meter lange und einen Zentimeter dicke Filzdecke als Unterlage unseres Jurtenschlafplatzes. Dazu entdecke ich den passenden Stoff in den man laut Aussage von Saraa die Filzdecke einnähen muss. In einem Geschäft für Werkzeuge erstehe ich ein paar Schachteln Schrauben und Nägel in verschiednen Größen. Nach einigem Suchen finde ich den einzigen kleinen Laden der Stadt in dem es ausschließlich Kerzen und Räucherzeug für Klöster zu kaufen gibt. Da Tanja alle Kerzen der anwesenden Supermärkte der Stadt erstanden hat ist dieses Geschäft ein Geschenk. Insgesamt lasse ich 300 Stück davon einpacken. Obwohl sie in China gegossen wurden verspricht die Verkäuferin ihre gute Qualität und lange Brenndauer. Somit dürften wir ausreichend Licht für einen langen Winter in der Taiga besitzen. Zu guter Letzt des heutigen Tages auf dem Markt erhandle ich einen stabilen Holztisch und zwei richtige Holzstühle die uns mit Sicherheit gute Dienste leisten werden.

Exotischer Fernsehauftritt

Kaum in der Jurte zurück mache ich mich für unseren ersten mongolischen Fernsehauftritt fertig. Obwohl erst gestern frisch geduscht und mit gewaschenen Hemd und Hose gekleidet bin ich heute schon wieder verstaubt. Also gönne ich mir eine erneute Schöpfdusche auf Saraas Hof und ziehe mir ein frisches Hemd über. Dann schnappe ich mir meine Kameraausrüstung und Stativ und hetze, weil spät dran, auf die staubige Piste. Da Mörön auf dem Reißbrett nach kommunistischem Vorbild angelegt ist gibt es alle paar hundert Meter eine Art Kreuzung die sich auf einem riesigen Platz befindet. Dort winke ich wenn ein Auto vorbeifährt. In den kleinen Städten und Dörfer des Landes haben alle Autos die Berechtigung als Taxis zu fungieren. Man braucht nur mit der Hand Zeichen zu geben wenn ein Automobil vorbeifährt. Meist hält der Fahrer an und nimmt einen mit. Somit kann sich jeder der hinterm Steuer sitzt ein wenig Geld dazuverdienen. Für Manche ist es sogar die Haupteinnahmequelle. Der Km kostet im Regelfall 600 Tugrik (0,34 €). Meist klappt das auch hervorragend nur will sich gerade jetzt kein Auto zeigen. In 10 Minuten soll ich beim Sender sein. Endlich kommt eine der uralten Kisten vorbeigehustet. Der Fahrer öffnet die Beifahrertür da man diese von außen oft nicht selber öffnen kann. Ich zeige ihm meinen Zettel mit der Adresse und los geht’s. Kaum zwei Kilometer weiter beginnt der Motor ungut zu hecheln. Mit dem letzten Zucken der Maschine rollen wir in die Tankstelle. Obwohl ich jetzt schon unzählige Male solch einen Transport genutzt habe passiert das gerade heute. Der Fahrer tankt für 7.000 Tugrik (4,- €), dann düst er weiter über die Schlaglöcher. Da die Sekretärin vom Bürgermeister den Fernsehauftritt organisierte rufe ich sie am Handy an um meine Verspätung anzukündigen. „Kein Problem. Wir warten auf dich“, beruhigt sie mich. Dann hält der Autofahrer neben einem heruntergekommenen Gebäude. „Und das ist der Fernsehsender der Stadt?“, frage ich. Er nickt gewichtig mit dem Kopf und düst davon. Klar ist das nicht der Sender. Ein paar Jugendliche schicken mich auf die andere Straßenseite. Dort treffe ich auf den gleichen kaputten Häuserblock. Undrakh steht davor und empfängt mich lächelnd. Ich folge ihr in das Untergeschoss durch einen schmuddeligen Gang an dessen Ende man niemals einen Sender sondern eher einen alten Kartoffelkeller suchen würde. Wir treten durch eine Tür und kommen in den Aufnahmeraum. Zwei alte Neoröhren stehen aufrechte links und rechts vor einem Glastisch auf dem ein Mikrofon darauf wartet genutzt zu werden. Dahinter ist eine blaue Plastikplane gespannt in deren rechten Feld unser Planet zu erkennen ist. Auf der anderen Seite des Raumes hängt eine weitere Folie von der Decke die dem Betrachter einen dreidimensionalen Eindruck eines Nachrichtenstudios vermittelt. Ich werde von der schwangeren Moderatorin zurückhaltend freundlich begrüßt. Tanja ist schon vor mir eingetroffen. Sie hat in der Nähe in einem der Supermärkte eingekauft. Dann setzt die junge Frau einen handgroßen Handycamcorder auf ein betagtes Stativ. Wir werden aufgefordert Platz zu nehmen. Undrakh fungiert als Übersetzerin und sitzt rechts neben der Moderatorin. Dann komme ich und zu meiner Linken befindet sich Tanja. Mit Undrakh unterhalten wir uns kurz worüber wir in der 30 Minuten andauernden Sendung sprechen wollen. In den letzten 20 Jahren haben Tanja und ich hunderte von TV-Interviews gegeben. Manche in großen öffentlich rechtlichen Sendern, viele in überregionalen und regionalen Privatsendern und einige im Ausland. Dieses hier ist etwas Besonderes. Alles wirkt irgendwie surreal und doch schaffen es die Betreiber des TV-Senders hier mit relativ wenig Aufwand einen 24 Stundensender am Leben zu halten. Als es losgeht steht die Chefin des Ladens persönlich hinter der kleinen Handycam neben dem ich unsere Videokamera auf unser Stativ gestellt habe, um die Sendung mitzuschneiden. Im Vergleich zur hiesigen Ausrüstung ist unsere sicherlich Hightech und im Vergleich zu einem Sender in Deutschland unbrauchbar. Wir erzählen über unsere Reise, unser Lebensprojekt, über unseren Eindruck der heutigen Mongolei und den Vergleich zu unserer Pferdexpedition vor 15 Jahren in Jahren in diesem Land. Auch berichten wir, dass wir uns für neue Fenster des örtlichen Gefängnisses einsetzen und durch unsere Berichte den Tourismus in dieser Region fördern wollen. Wir bedanken uns bei der Bevölkerung für die Gastfreundschaft und oftmals unerwartete Hilfsbereitschaft und vergessen nicht zu erwähnen, dass die Mongolei zweifelsohne eines der schönsten Länder unserer Mutter Erde ist. „Schützen sie ihr Land. Behüten sie es wie einen wertvollen Juwel und achten sie darauf, dass die ansässigen Minengesellschaften diesen nicht auf immer und ewig zerstören. Schützen sie das Wertvollste was wir Menschen haben. Mutter Erde. Damit ihre Kinder auch morgen noch Bäume sehen und Vögel zwitschern hören“, sagen wir am Ende des langen Interviews.

Als wir am Abend wieder in unserem mongolischen Heim unser Essen kochen ruft uns Saraa. „Tanja! Denis! Kommt schnell! Euer Interview läuft im Fernsehen!“ Sofort stellen wir den Topf vom Kanonenofen und eilen in Saraas Blockhaus. Wir sind überrascht wie gut der kleine TV-Sender das Interview gestaltet hat. Über unseren Stimmen liegt jetzt die professionell klingende mongolische Übersetzung. Dazu werden Bilder aus unseren Büchern und Broschüren eingespielt. „Das war ein sehr schönes Interview. Vielen Dank. Wenn ihr morgen auf den Markt geht werdet ihr bestimmt öfter angesprochen.“, sagt Saraa.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.