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Longdrinks und Zigarre zum Geburtstag

Mongolei/ Ulzii Geburtstags Camp — 25.09.2011

„Happy birthday to you! Happy birthday to you!“, singen Tanja und ich Ulzii ein Geburtstagsständchen als wir aus dem Zelt krabbeln. „Thank you“, bedankt er sich erfreut über die unerwarteten Glückwünsche. Dann beginnen wir mit der Camproutine und dem Zusammenpacken unseres Lagers. Das Selenge-River-Camp war zweifelsohne eines der schönsten Lager der bisherigen Reise. Mir fällt es fast ein bisschen schwer den idyllischen Ort mit seinen mittlerweile vom Herbst gefärbten Bäumen hinter uns zu lassen. Auf einem der vielen Hügel zügle ich Sar um auf das Meer von goldenen Bäumen zu blicken. Sie ziehen sich wie eine überdimensional große Anakonda am Wasser spendenden Selenge River entlang. Nur wenige hundert Meter vom Fluss entfernt erstarren das Tal und die höher werdenden Berge in Trockenheit. Hirten treiben eine große Schaf- und Ziegenherde durch die verzauberte Senke. Die Schönheit dieser Jahreszeit ist atemberaubend. Der Pferdewagen verschwindet gerade unter dem tiefgelben Blätterdach einer Baumgruppe. Bilgee hat heute wieder Sharga eingespannt dem wir gestern Abend zwei neue Hufeisen auf seinen Vorderhufen genagelt haben. Ich bin überrascht wie gut mir mittlerweile das Kaltbeschlagen und die dazugehörige Hufpflege von der Hand gehen. Hätte nie gedacht die in Deutschland erlangten Kenntnisse über das Beschlagen von Hufen so gebrauchen zu können. Die Verkäufer unserer beiden Wagenpferde haben uns zwar Sharga und Bor beschlagen übergeben aber der Job war derart schlecht gemacht, dass die beiden Zugpferde mittlerweile alle Eisen verloren haben.

Eine plötzlich auftauchende Pontobrücke verbindet die zwei Flussufer miteinander. „Wir müssen auf die andere Seite“, meint Bilgee und versucht Bor die Brückenrampe hochzuziehen. Er wehrt sich allerdings und bleibt unvermittelt stehen. Tanja, Ulzii und ich binden unsere Pferde an herumstehenden Pflöcken fest und helfen Bilgee den schweren Pferdewagen über die steil ansteigende Brückenrampe zu bekommen. Jedoch sind wir chancenlos. Auf der anderen Flussseite taucht wie aus dem Nichts ein Mann auf und kommt zu uns herübergelaufen. „Ihr müsst ein Pferd vorauslaufen lassen. Dann folgt das Wagenpferd“, ist sein Vorschlag. Sofort holt Tanja Sharga, der anfänglich ebenfalls scheut die Metallbrücke zu betreten. Das Klappern der Hufe auf dem fremdartigen Untergrund ist für die Pferde etwas Neues. Mit vereinten Kräften und anfeuernden Rufen schaffen wir es dann doch. „Bin froh hier nicht schon wieder den Wagen entladen zu müssen“, schnaufe ich außer Atem den über die schwimmende Brückenkonstruktion dahinklappernden Wagen nachsehend. „Ich auch. Spart uns eine menge Arbeit“, meint Tanja. Nachdem unsere sechs Pferde, Mogi und wir heile auf der anderen Seite angekommen sind müssen wir 3.000 Tugrik (1,71 €) Maut bezahlen. Weit und breit ist kein menschliches Wesen zu sehen und hier, mitten in der Pampa, befindet sich ein Schlagbaum, ein paar Jurten die als Restaurants genutzt werden, eine einfache Holzhütte und ein Schild auf dem die Nutzungsgebühren der Pontonbrücke geschrieben stehen. Wir halten uns nicht lange auf und reiten an den Jurten vorbei aus denen es nach altem Fett riecht. „Ein guter Ort um sich eine Lebensmittelvergiftung zu holen“, sage ich an die vielen Durchfälle der vergangenen Monate denkend.

Gegen 14:00 Uhr steht das Thermometer auf knapp 40 Grad in der Sonne. Wir haben den lebensspendenden Selenge hinter uns gelassen und reiten durch ein völlig ausgetrocknetes Tal. Der steinige Untergrund macht es unseren Pferden nicht leicht. Der Pferdewagen holpert unentwegt über das Geröll. „Eine Katastrophe für alle technischen Geräte“, meine ich bei dem Gerüttel an unsere Kameras, Laptops und andere Elektronik denkend, die sich im Wagen befinden. Auf der ständigen Suche nach Wasser für unsere Tiere und uns lassen wir unsere Blicke über das Trockental gleiten. Da weit und breit auch keine Jurten zu entdecken sind, die sich meist in der Nähe von Bächen oder Wasserquellen befinden, sind wir gezwungen weiter zu reiten.

„Was hältst du von dem Berg dort hinten? Sollen wir dort an seinem Fuße unser Lager aufschlagen?“, fragt Bilgee. „Wie sieht es mit Wasser aus?“, entgegne ich. Er deutet auf ein paar entfernt gelegene Jurten. „Wir bringen die Pferde dahin um sie zu tränken“, antwortet er. „Alles klar, dann auf zum Berg“, entscheide ich gut gelaunt und froh bald meinen müden Körper vom Sattel hieven zu können.

An unserem Ziel angekommen beginnt auch hier wie jeden Tag die Campaufbauroutine. Mittlerweile hat sich alles prima eingespielt. Jeder kennt seine Aufgaben. Auch Ulzii muss man nicht mehr jeden Handgriff erklären. Heute, an seinem Geburtstag, ist das allerdings anders. Kaum hat er sein Pferd gehoppelt, verschwindet er kommentarlos und läuft auf den Hügel, um von dort oben mit seiner Familie zu telefonieren. Mit viel Glück hat man in manchen Fällen von solch einem exponierten Ort eine Handyverbindung zur Außenwelt. Bilgee, Tanja und ich gehen in der Zwischenzeit Holz suchen. Auch wenn wie hier die Lage aussichtslos erscheint welches zu finden haben wir heute wieder Glück ein paar von den Nomaden zurückgelassene Holzstücke zu entdecken. „Das reicht für unser Abendessen und Frühstück“, lacht der immer freundliche, hilfsbereite und energiegeladene Bilgee. Die Feuerstelle ist mit Steinen eingefasst und das Holz knistert unter dem Wassertopf als Ulzii von seinem Berg zurückkommt. „Und konntest du jemanden erreichen?“, interessiert es mich. „Ja, ich habe mit meinen Eltern und ein paar Freunden telefoniert“, antwortet er sich stöhnend am Feuer niederlassend. „Hier, das ist für dich“, sage ich und überreiche ihm eine fette Zigarre die wir von Deutschland durch all die Länder 15.000 Kilometer bis in die Mongolei geradelt haben. (Trans-Ost-Expedition Etappe 4) Da sie Luftdicht verpackt ist macht sie nach all den Jahren noch immer einen passablen Eindruck. „Oh, vielen Dank“, sagt er sichtlich erfreut. Tanja reicht ihm noch eine Schachtel Nusspralinen die seine Freude weiter steigert. Dann, zur Feier des Tages, packt Tanja zwei Pina Colada aus die als gefriergetrocknetes Pulver ebenfalls luftdicht verpackt sind. Es ist nicht so dass wir Longdrinks auf Expeditionen dabei haben. Das wäre zwar fantastisch aber unrealistisch. Jedoch, für ganz besondere Anlässe, besitzen wir ein paar Packungen dieser schmackhaften, nur wenige Gramm wiegende Cocktailmischungen. Das Pulver mit Wasser in vier kleinen Bechern verrührt, stoßen wir auf Ulziis Geburtstag an und genießen den Geschmack einer uns völlig fremd gewordenen Welt. Wir lachen und feixen ausgelassen als Ulzii seine fette Zigarre anzündet und einen Schluck Pina Colada zu sich nimmt. In dieser abgeschiedenen Landschaft eine skurrile Szene die wir bestimmt nicht so schnell vergessen werden.

„Sajn bajna uu“, (Guten Tag) begrüßt uns eine Nomadin die ohne Sattel auf ihrem Pferd in unser Camp geritten kommt. „Saa sajn bajna uu“, (Auch guten Tag) antworten wir und bieten der jungen Reiterin einen Platz an unserem Feuer an. Gerne nimmt sie eine Tasse Tee die ihr Tanja reicht und beteiligt sich mit Bilgee und Ulzii Fleisch aus unserem gekochten Schafkopf zu pulen. Bilgee bietet auch mir etwas von der Delikatesse an die er vom Selenge-River-Camp mitgebracht hat. Der dort gekaufte und verarbeitete Schafbock wird bis auf die Hörner verwertet. Nichts wird davon weggeworfen. Es wird einfach alles gegessen. Da ich kein Weichei sein möchte schabe ich mir etwas Fleisch aus dem Kiefer des Tieres. Als mich aber die Zähne anblecken und lehren Augenhöhlen klagend angaffen vergeht mir der Appetit. „Magst du nicht mehr?“, fragt Bilgee. „Nö, nö, habe genug von dem Kopf“, antworte ich worauf Ulzii und Bilgee herzhaft lachen.

Während des Festmahls unterhält sich Bilgee mit der Hirtin. Er befragt die junge Frau woher sie kommt. „Vom Jurtenlager unten am Bach“, antwortet sie freundlich. Wir erfahren, dass es dort genügend Wasser für unsere Pferde gibt. Bilgee nutzt solche Besuche auch immer um sich nach dem weiteren Weg zu erkundigen. Ob Pässe auf uns warten? In welchem Zustand der Weg ist? Wie beschwerlich der Anstieg ist? Ob wir die Berge mit dem Pferdewagen queren können? Wo es wieder Wasserstellen gibt? Ob unsere Tiere gutes Weideland zum Fressen vorfinden und viele mehr. So sind wir meist informiert was am nächsten Tag auf uns wartet.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
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Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.