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Fröhliche Tage am Selenge River

Mongolei/ Selenge River Camp — 20.09.2011 - 24.09.2011

Weil es heute nicht weit zu unserem Rastcamp am Selenge River ist lassen wir es langsam angehen. Bei einem kurzen Blick aus dem Zelt sehe ich wie jemand mit einem Pferd weg reitet. An einen Pferdedieb denkend schieße ich aus der Stoffbehausung. „Ich sehe nur zwei Pferde“, sage ich zu Tanja und hole mein Fernglas. In einem nahen lichten Buschwerk entdecke ich vier weitere unserer Reittiere. Nur in Unterhose gekleidet laufe ich in Richtung Gestrüpp. Hoffend auch das sechste Pferd zu finden. Ich atme erleichtert auf Sharga zu entdecken der hinter einem Erdhügel friedlich grast.

Als ich wieder unser Camp erreiche kommt mir Bilgee entgegen. „Oglooniiment“, (Guten Morgen) begrüßt er mich. „Habe den Reiter auch gesehen. Ist ein Hirte vom Ende des Tals“, erklärt er. Nachdem Tanja und Ulzii aus ihren Zelten sind lassen wir uns für ein gemütliches Frühstück viel Zeit. Es gibt Boortsog (Hefeteigbällchen) mit Marmelade. Dann steht Ulzii abrupt auf um nach den Pferden zu sehen. Weil sie Bilgee jeden Morgen von den Eisenpflöcken lässt damit sie in der Gegend genügend Gras finden, genießen sie relative Freiheit. Dessen ungeachtet ist jedes der Tiere mit einer Hoppel (Pferdefessel) an einem Vorderfuß und Hinterfuß zusammengebunden. Damit können sie zwar nicht im Galopp davon stürmen aber noch immer große Strecken zurücklegen. Es dauert nicht lange und Bilgee folgt Ulzii. Tanja und ich nutzen die Ruhe im Camp um alles zusammenzupacken. Ich bin über die Gemächlichkeit des Tages richtig froh. Die letzten Tage haben uns mehr Energie abverlangt als wir dachten. 40 Minuten später sind unsere Männer noch immer nicht da. „Sie werden doch nicht die Pferde verloren haben?“, wundere ich mich mit meinem Fernglas die Gegend abzusuchen. In etwa zwei Kilometer Entfernung entdecke ich zwei Pferde die durchaus uns gehören könnten. Nervös zeige ich sie Tanja. „Ich helfe Bilgee und Ulzii“, sagt sie und macht sich ebenfalls auf die Suche. Weitere 20 Minuten verstreichen als Tanja mit unserem Wagenpferd Bor ins Camp kommt. „Was ist mit den zwei Pferden die wir vorhin gesehen haben?“, frage ich. „Die habe ich nicht mehr gefunden. Bor war an einen Baum gebunden. Deshalb habe ich ihn mitgebracht“, erklärt sie. „Jetzt haben wir also während des Frühstückens unsere Pferde verloren?“, stelle ich mit einer eigenartigen Gelassenheit fest. „So wie es aussieht ja. Aber wir werden sie schon wieder finden“, ist Tanja zuversichtlich. Bilgee kommt ohne Sattel auf Sharga angeritten. Er hoppelt ihn, setzt sich zu uns in Gras, holt sein Notizbuch und beginnt zu zeichnen. „Die Pferde sind zum Selenge River gelaufen. Ulzii und ich haben ihre Spuren verfolgt. Ulzii wird sie wieder einfangen und in etwas einer bis zwei Stunden hier sein“, erklärt er mit Worten und Stift in einer Selbstverständlichkeit die keine Unruhe aufkommen lässt.

Es dauert allerdings nur 45 Minuten bis Ulzii mit Naraa und Sar im Camp auftaucht. „Bor und Od habe ich bei einem Nomaden am Selenge River untergebracht“, beruhigt er uns. Wir spannen Sharga ein, binden Bor an den Pferdewagen und satteln unsere beiden Pferde. Dann brechen wir in Richtung Selenge River auf. Ulzii nimmt zu Fuß die Abkürzung durch die Büsche und wird uns am Fluss wieder treffen.

Eine Stunde später erreichen wir einen Campplatz am Selenge River der nur einem Märchenbuch entspringen kann. Es gibt Holz ohne Ende. Wasser in Hülle und Fülle. Gras für die Pferde und noch dazu ist der schöne Fleck Erde von niedrigen Bergen umgeben so dass uns der oftmals lästige Wind nicht zusetzen kann. Ausgelassen und glücklich gehe ich mit den Männern zum Selenge der in vielen Kilometern den legendären Baikalsee in Sibirien speisen wird. Wir ziehen uns bis zu den Unterhosen aus und waschen unsere staubigen Körper. „Sieh her Ulzii!“, rufe ich vor Übermut und springe mit dem gesamten Körper in das eisige Wasser. Sofort ergreift mich die Strömung. Ich bekomme meine Beine rechtzeitig auf den Grund und stehe wieder. Obwohl das Wasser hier nur ca. 30 Zentimeter tief ist hätte mich der unerbittliche Strom fast mitgerissen. Bei einer Wassertemperatur von vielleicht drei bis vier Grad würde ein Mensch nur wenige Minuten überleben bis der Kreislauf zusammenbricht. Prustend stehe ich lachend aber mit Herzklopfen da. „Pass auf die Strömung auf!“, warne ich Ulzii der es sich nicht nehmen lässt seinen Körper ebenfalls unterzutauchen.

Die Tage im Selnge River Camp sind glückliche, harmonische Tage mit einem echten Bilderbuchwetter. Wir genießen sie in vollen Zügen haben aber auch einiges an Instandsetzungen durchzuführen wie die Reparatur meiner kaputten Energiebox, das Flicken und Nähen von Hoppeln, Halftern, Zaumzeug und einiges mehr.

Endlich habe ich auch mal die Zeit in Tanjas Spiegel zu sehen. Als ich den alten Mann mit seinem weißen Vollbart erblicke erschrecke ich sehr. „Das bist du?“, frage ich mich selbst. Kein Wunder das mich Bilgees betrunkener Bruder vor einigen Tagen als Achtzigjährigen bezeichnete. Sofort hole ich meinen Langhaarrasierer und mähe mir den Rasen aus dem Gesicht. Erleichtert blicke ich mich jetzt an und gebe mir nach dem jetzigen Aussehen noch einige Expeditionen bevor ich in den Ruhestand gehe. „Du hättest mir sagen sollen dass ich unmöglich aussehe“, werfe ich Tanja vor. „Du wolltest doch einen Sonnen und Kälteschutz. Daraufhin habe ich deinen Entschluss akzeptiert“, entgegnet sie. „Ja, aber doch nicht für diesen Preis. Du möchtest doch nicht mit einem alten Herren unterwegs sein?“ „Ich liebe dich so wie du bist. Mit oder ohne Bart“, nimmt sie mir den Wind aus den Segeln. „Du siehst aber jung aus“, sagt Ulzii und streckt den Daumen nach oben als er mich ohne Bart das erste Mal sieht. Auch Bilgee lacht und meint das ihm ein bartloser Denis besser gefällt.

Tanja
Nach einer knappen Stunde erreichen wir den Selenge Fluss.
Wir waren schon auf dem Weg hierher frohen Mutes und in der Vorfreude auf ein Rastcamp so verstärkt sich dieses Gefühl noch mehr bei dem Anblick der wunderschönen Landschaft und des Flusses. Für unsere Pferde gibt es traumhaftes Futter und Wasser so viel sie wollen. Für uns gibt es ebenfalls Wasser in Fülle. So viel dass Denis, Ulzii und Bilgee direkt die Gelegenheit ergreifen und sich Waschen gehen. Zu mir ins Camp dringen Rufe der Freude und Lachen. Denis und Ulzii springen sogar kurz in die kalten Fluten, nur um schnell danach wieder raus zu kommen. Die Strömung ist sehr stark und an manchen Stellen sicherlich Lebensgefährlich. In der Zwischenzeit bereite ich für uns alle eine Nudelsuppe und heißes Wasser für Tee. Nach der Körperreinigung starten Ulzii und Bilgee so richtig durch und Waschen wie am Fliesband ihre Kleidung und hängen diese in die Bäume am nahen Ufer. Wir sind alle glücklich. Einige wichtige Grundbedürfnisse werden hier bei Ankunft in diesem Camp ganz wunderbar gestillt. Die Möglichkeit uns zu waschen. Saubere Kleidung, Sonnenschein zum Wärmen, Schatten wenn es zu warm wird. Kein lästiger Wind und eine warme Mahlzeit. Die Tiere sind versorgt. Während Denis damit beschäftigt ist unsere Erlebnisse in den Computer zu tippen, zeigen Bilge und Ulzii ungeheueren Enthusiasmus und erkunden die nahe Umgebung natürlich nicht die Angelschnur vergessend. Nun suche auch ich mir ein stilles Plätzchen und genieße eine entspannte und ausführliche Schöpfdusche.
Die kommenden Tage hier sind geprägt von Reparatur Arbeiten, Computer Arbeiten Wäsche waschen, und Pferde Pflege. Denis verbringt nahezu einen ganzen Tag damit unsere Energie box zu reparieren. Er sucht den Fehler warum diese keine Ladung mehr anzeigt bzw. nicht mehr lädt. Eine kaputte Sicherung und ein Gleichrichter werden ausgetauscht und gebrochene Kabelverbindungen neu gelötet. Zwischen all den Arbeiten wird natürlich viel Essen zubereitet. Bilgee verwöhnt uns mit Mantos (Hefeklösen) welche wir mit unterschiedlichen aufstrichen genießen. Vor einigen Tagen hatten wir unseren Männern schon gesagt, dass wir ihnen ein Schaf kaufen, da das mitgeführte Ziegentrockenfleisch sich dem Ende neigt. Für Bilgee und Ulzii ohne Frage ein absolutes Highlight. Die beiden reiten gemeinsam zu einer nahe gelegnen Jurte um sich aus einer Schafsherde ein Tier auszusuchen. Einige Stunden später kommen die beiden strahlend angeritten. Bilgee hat einen dreijährigen Schafsbock vor sich auf dem Sattel. Im ersten Moment sieht das Ganze idyllisch aus. Die schön herbstlich gefärbten Bäume geben die perfekte Kulisse für die zwei Reiter und das hübsche Schaf, wäre das arme Tier nicht ein Todeskandidat der während ich ihn anblicke wahrscheinlich noch weniger als 15 Minuten zu leben hat. Während ich diese Zeilen schreibe, hängt in einem Baum in unserem Camp ein perfekt zerlegter Schafskorpus zum trocknen. Das Fell sauber abgezogen und gesalzen in einer Plastiktüte in unserem Wagen verstaut. Kopf und Füße werden später in einer speziellen Suppe verarbeitet.
Von dem Schafsverkäufer leihen sich unsere Mongolen einen großen Kochtopf um am Abend der Schlachtung ein Festessen zuzubereiten. Der Darm wurde gereinigt und gefüllt. Dicke Würste liegen in dem großen Pot, Innereien, Zwiebeln und Kartoffeln. Natürlich fällt auch verschiedenes wie Blutsuppe für unseren Hund Mogi ab. Erstaunlicherweise nicht sehr viel da Bilgee ein wahrer Künstler im Verwerten und Zubereiten des Schafes ist. Ich bin mir an diesem frühen Abend nicht sicher, ob meine Müdigkeit an den eifrigen Schlacht- und Zubereitungsaktivitäten liegen oder ob mich einfach die Anstrengungen der letzten Tage hinwegraffen. Früh verabschiede ich mich und ziehe mich ins Zelt zurück. Vor etwas 10 Jahren habe ich aus verschiedenen Gründen das Fleisch essen aufgehört. Nun bin ich mit meinem Mann in einem Land unterwegs, in dem die Menschen teilweise nur von Fleisch leben. Es gibt oftmals nichts anderes. Unseren Männern hatten wir von Beginn an erklärt, dass ich kein Fleisch esse und sie gebeten, falls sie bestimmte Fleischgerichte möchten diese selbst zuzubereiten. Das funktioniert ausgesprochen gut und alle sind zufrieden. Unsere gegenseitige Akzeptanz ist sehr hoch und keiner stört sich daran, dass ich kein Fleisch esse und ich akzeptiere ebenfalls dass unsere Mongolen und alle anderen Mongolen Fleisch als Hauptnahrungsquelle haben. Teilweise legt man mir dann doch ans Herz darüber nachzudenken wenigstens für den Winter Fleisch zu verspeisen. Es würde wärmen und ich würde ebenfalls das fette Fleisch bzw. Fettreserven benötigen um warm zu bleiben. Da ich tatsächlich schon von Kindesbeinen an noch nie ein Freund von Kälte war werde ich den mongolischen Herbst und Winter auf mich zukommen lassen und sehen was die Zukunft zum Thema warm halten bringt. Am nächsten Morgen überreicht mir Bilgee feierlich eine der wenigen gekochten Kartoffeln aus dem Innereinen-Blutsuppe-Topf. Diese hat er extra für mich aufgehoben. Ebenso lässt er sich immer wieder eine Mehlspeise für mich einfallen, welche ohne Fleisch zubereitet ist.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.