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Zweifler haben in der Wildnis wenig Überlebenschancen

Mongolei/Pferde-Verlust Camp — 19.09.2011

Erst kürzlich sprachen wir davon auf unserer früheren Mongoleiexpedition von Einheimischen Milch, Käse und Tee ins Camp bekommen zu haben. Es war keine Ausnahme, dass uns Frauen diese Aufmerksamkeiten lachend brachten. Nicht das wir darauf warten diese Produkte zu bekommen. Ich vertrage sie wegen dem Fettgehalt sowieso nicht gut. Es ist einfach eine Feststellung. „Wahrscheinlich haben die Nomaden durch die Stromgewinnung und das daraus resultierende Fernsehen sich der westlichen Welt angepasst. Heute sind wir keine Besonderheit mehr wie es mal war. Vielleicht ist das der Grund warum man uns mehr ignoriert als früher?“, überlege ich als eine Frau bei uns im Camp auftaucht und uns frische Milch, Arul (Trockenkäse), Orum (Rahm) und gesalzenen Milchtee bringt. „Ist nicht zu fassen“, verschlucke ich meine voreiligen geäußerten Worte über die Anpassung an die westliche Welt.

Wieder verschieben wir unseren Aufbruch und setzen uns mit der freundlichen Frau aus einer nahen Jurte zu einem zweiten Frühstück zusammen. „Endlich mal eine Frau im Camp“, freut sich Tanja da sie auf dieser Reise meist von Männern umgeben ist. Um 12:30 Uhr brechen wir auf. Schon nach ein paar Minuten wird der Weg so steil das Bor seine Arbeit verweigert und wild schnauft. Diesmal schaffen wir es nicht den Wagen mit vereinter Pferdekraft nach oben zu ziehen. Wir steigen aus dem Sattel und überlegen wie wir unsere Lasten auf den hohen Pass bringen. „Wir müssen den Pferdewagen entladen“, meint Bilgee. „Okay, dann entladen wir ihn“, antworte ich. Bis auf die Aluminiumboxen laden Tanja, Ulzii und ich alles aus. Bilgee erkundet in der Zwischenzeit den Weg bis zur Passhöhe. Als er zurück ist bindet er diesmal drei Zugseile an die Deichseln. Während Tanja die ersten Meter wieder filmt und dann auf die Ausrüstung aufpasst ziehen wir diesmal zu dritt den Wagen hoch. Bor gibt ebenfalls sein Bestes. „Tschuuu! Tschuuu! Tschuuu!“, treiben wir unsere Pferde um die Zugseile auf Spannung zu halten. Es ist eine echte Schinderei Sar ständig anzutreiben, das Seil auf Spannung zu halten und darauf zu achten mit Bilgee und Ulzii in einer Ebene den Wagen hinaufzuzerren. Keiner von uns zweifelt nur für Sekunden daran es nicht zu schaffen. Das wäre fatal. Sollte Bor plötzlich stehen bleiben und ihn der Wagen nach hinten ziehen, wären er, der Wagen und die Ladung verloren. Kraft alleine ist bei dieser schweren Arbeit nicht ausreichend. Eine wesentliche Rolle spielt unsere Überzeugung den Pferdewagen mit vereinten Willen nach oben zu bringen. Zweifler haben hier in der Wildnis wenige Überlebenschancen. Eine Erkenntnis die sich mir bald täglich zeigt.

Ausgepumpt aber guten Mutes und bester Laune erreichen wir ohne den geringsten Zwischenfall den Ovol auf der Passhöhe. „Du passt auf den Pferdewagen auf und wir reiten zu Tanja und bringen die restlich Ausrüstung mit den Pferden nach oben“, schlägt Bilgee vor. „Okay“, antworte ich obwohl auch ich gerne beim Hochbringen der Ausrüstung helfen möchte. Ich liege im Gras und beobachte die über mir kreisenden Adler als ich Tanja rufen höre. Erschrocken fahre ich hoch und sprinte die Passstraße nach unten. Sie führt die schwer beladene Naraa hinter sich her, hat zwei Kamerataschen geschultert und trägt auf dem Rücken eine große wasserdichte Tasche. „Schau mal, habe ich alles selber geladen“, ruft sie mir lachend und stolz entgegen. Wieder hat sich ein einsamer Reiter zum richtigen Zeitpunkt eingefunden. Auch er hilft einen Teil der Ausrüstung nach oben zu bringen. Als alle beim Ovol sind übernehme ich das Laden des Pferdewagens. Dann geht es auf der anderen Seite des Kammes wieder nach unten. Diesmal aber noch viel steiler als gestern. Bilgee baut aus seinem Schal und Holzstämme aus dem Wald seine Spezialbremse. Mit vereinten Kräften bremsen wir den Wagen ins nächste Hochtal. Der Reiter führt vier unserer Pferde nach unten und tut somit auch einen großen Dienst. Im Schatten der hohen Bäume schöpfen wir neue Kräfte für die noch vor uns liegende Strecke. „Ich habe das Gefühl als währt ihr alle meine Kinder“, lacht Bilgee uns offensichtlich ins Herz geschlossen zu habend. Wir verabschieden uns von dem fremden Reiter und bedanken uns herzlich bei ihm. „Zugeer, zugeer!“, (kein Probelem, kein Problem) ruft er als er davon reitet.

Im nächsten Traumtal der Hochlandsteppe treffen wir auf einen etwa 2.000 Jahre alten Steinmann. Bilgee und Ulzii stellen sich neben die Statue einer längst vergangenen Kultur und flüstern ihr ihre Wünsche ins Ohr. „Wenn man das macht gehen sie in Erfüllung“, sagt Ulzii worauf auch wir unser Herzenswünsche, Anliegen und Träume diesem betagten Mann ins Ohr hauchen. Dann tun wir es unseren Männern nach, nehmen vom Fuße des Steinmannes etwas Erde, um diese über den Kopf oder Rücken unseres Pferdes zu streuen. Auch dieser Brauch soll das Pferd und seinen Reiter schützen. Wir nutzen die Gelegenheit der ungewöhnlichen Rast um uns mit heißem Tee und Keksen zu stärken. Das Thermometer steht auch heute auf 39 Grad in der Sonne. Weil wir dem Wetter nicht getraut haben schwitzen Tanja und ich in unseren langen Winterunterhosen. Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl als wäre ich im Mittelpunkt eines überdimensional großen Schwitzkastens.

Um 18:30 Uhr ziehen wir durch ein weites, sehr trocken aussehendes Tal. Es erinnert mich daran als wir 1995 1.500 Kilometer mit unseren Kamelen Pakistan durchquerten. Die Marriberge, ein Vorgebirge des Himalajas, haben Ähnlichkeiten mit dieser Landschaft. „Baihgui Us“, (Kein Wasser) sage ich zu Bilgee der mit seinem Fernglas die Landschaft absucht. „Baihgui Us“, bestätigt er. „Wie weit ist es noch bis zum Selenge River?“, möchte ich wissen. „Vielleicht fünf oder sieben Kilometer.“ „Wir sollten trotzdem unser Camp aufschlagen. Es wird sonst zu spät. Wir sind nach den Anstrengungen des Tages alle sehr müde“, sage ich. Bilgee nickt bestätigend mit dem Kopf.

Beim Entladen des Pferdewagens stellt Tanja fest dass wir nahezu alle unsere Müliriegel, ein Messer und ein paar Packungen Gummibärchen verloren haben. „Der kleine Sack muss bei der Passüberquerung aus dem Wagen gefallen sein. Sehr schade. Hätten wir sie doch vorher gegessen. Vielleicht hat sie ja der einsame Reiter gefunden der uns am Pass geholfen hat. Der hat in seiner abgerissenen Kleidung sehr arm ausgesehen. Ihm würde ich diese Kostbarkeiten wünschen“, meint Tanja etwas traurig über den Verlust.

Nach einer schnellen Mahlzeit verziehen wir uns alle eilig in die Zelte. Erschöpft liegen Tanja und ich auf unseren Isomatten und lauschen dem Grasen unserer Pferde. Es ist ein angenehmes vertrautes Geräusch was uns nun schon seit Beginn dieser Reise begleitet.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
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Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.