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Um fünf Uhr früh gibt es keine Pferdediebe

Mongolei/Rote Berge Camp — 18.09.2011

Da die Fülle an Bildern die beschriftet und archiviert werden müssen enorm ist dehnte ich heute Morgen meine Wachschicht von 2:00 Uhr bis 5:00 aus. Damit habe ich Bilgee gleichzeitig ein wenig entlastet. Am Horizont kündigt ein Lichtstreifen den kommenden Tag an als ich aus dem Zelt krieche um Bilgee zu wecken. „Bilgee! Aufstehen!“, rufe ich, doch es rührt sich nichts. Bilgee! Bilgeee! Aufstehen!“, wiederhole ich meinen täglichen Weckruf zur Wachablösung. Aus Bilgees Zelt bekomme ich allerdings nur ein Schnarchen zur Antwort. Erst nach dem vierten Mal vernehme ich ein kleinlautes „Okay.“ Fröstelnd schlüpfe ich wieder ins Zelt um noch zwei oder drei Stunden Schlaf zu erhaschen. Ich lausche noch eine Weile ob ich den Reißverschluss von Bilgees Zelt höre, doch es bleibt still. Nur die Hunde von einer entfernten Jurte bellen den Morgen an. Da Bilgee nach dem gestrigen anstrengenden Tag einiges an Wodka und mindestens zwei Büchsen Bier getrunken hat kann ich verstehen warum ihm das Aufstehen um diese Zeit schwer fällt. Ich lasse es gut sein und gönne ihm den Schlaf. „Es wird in dieser Stunde schon kein Pferdedieb kommen“, ist mein letzter Gedanke bevor ich mich ins Land der Träume flüchte.

Tanja, Bilgee und ich haben das Lager bereits abgebaut, den Pferdewagen eingeräumt und satteln gerade die Pferde als Ulzii um 11:00 Uhr mit seinem Polizistenfreund auftaucht. „Oglooniimend! (Guten Morgen) „Hattest du eine gute Nacht?“, begrüße ich ihn freundlich. „Oglooniimend!“, ja es war wunderbar. Ich konnte sogar eine heiße Dusche nehmen“, macht er uns ein wenig neidisch da wir seit bald zwei Monaten kein solches Vergnügen mehr hatten.

Das Thermometer klettert auf sage und schreibe 39 Grad in der Sonne. Wenn man bedenkt, dass wir vorgestern Nacht minus 12 Grad hatten, ist das ein Temperaturunterschied von 51 Grad. „Unglaublich“, bin ich überrascht, längere Zeit auf das Thermometer starrend.

Wir überqueren einen Hügel auf dem ein Steinhaufen den höchsten Punkt ankündigt. Ich umreite ihn und schieße ein paar Fotos. Ein skelettierter Rinderkopf glotzt mich aus seinen leeren Augenhöhlen an. Irgendjemand hat diesen Kopf als Opfergabe hingelegt. Ich halte ein paar Augenblicke inne und sehe auf den unter mir vorbeiziehenden Pferdewagen und die drei Reiter. Ein schönes Bild. Für mich bedeutet dieser Anblick im Augenblick ein Stückchen Geborgenheit, ein Stückchen Heimat. Ein Hirte treibt seine 15 Rinder in die entgegen gesetzte Richtung. Vielleicht möchte er zum Viehmarkt nach Erdenet oder wie andere Hirten die wir getroffen haben sogar nach Ulan Bator? Vermutlich bekommt man in der Hauptstadt mehr Geld für seine Tiere als in einer Provinzstadt. „Komm Sar. Wir müssen unseren Menschen hinterher“, flüstere ich meinem Pferd zu. Nur ein leichter Druck mit den Fersen und mein gut trainiertes Pferd setzt sich in Bewegung. Am Fuße der Berges wartet Tanja auf mich. „Wer schneller beim Pferdewagen ist!“, rufe ich herausfordernd. „Juhhuuuu!“, rufen wir und galoppieren um die Wette. „Sar ist halt doch schneller!“, triumphiere ich. „Niemals. Ich war doch früher da als du!“, lacht Tanja.

Gemeinsam erreichen wir das Dorf Rashaant. Unser Einritt in das Nest erinnert mich an die Wildwestfilme. Hier hat sich nicht viel geändert außer das es auch ein paar wenige Autos und ein paar Motorräder gibt. Ansonsten gehören Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen zum Alltag. Keiner der Anwohner nimmt besondere Notiz von dem eigenwilligen Pferdezug der in ihre Siedlung eindringt. Erst als sie in Tanja und mir Europäer entdecken lachen und winken manche von ihnen während andere scheu zur Seite blicken. An einem Holzzaun binden wir unsere Pferde und suchen den Laden auf. Wir sind überrascht was es dort alles zu kaufen gibt. Als wir 1996 schon mal durch das Land geritten sind gab es in den einfachen Geschäften nahezu nichts. So bekommen wir heute zehn Kilogramm Mehl, fünf Kilogramm Nudeln, drei Kilogramm. Reis, zwei paar Strickhandschuhe, Schokolade, Kekse, Hefe, ein Kilogramm Mandarinen, vier Äpfel, drei Kilogramm Kartoffeln, ein Sieb für Bilgees Boortsog, um das viele Fett abtropfen zu lassen und einiges mehr. Axt und Säge, die wir ersetzen müssen weil sie kaputt gegangen sind, gibt es allerdings nicht. Auch Hufeisen, Halfter und Zaumzeug ist in diesem Ort nicht zu bekommen. Das müssen wir in der Stadt Mörön besorgen.

Als wir die Siedlung verlassen queren wir einen schmalen Fluss. Wir können es kaum glauben dort Kinder baden zu sehen. Ein Land der Extreme. Erst friert man sich fast den Hindern ab und dann ist es in der Sonne so warm das die Kleinen die letzten Herbsttage zum planschen nutzen.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
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Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.