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Mogi der Schafskiller

Mongolei/Kein Wasser Camp — 10.09.2011

Wecke heute morgen wieder Ulzii. Es dauert ewig bis er sich aus dem Zelt schält. „Soll ich dich morgen etwas früher wecken? Dann hast du mehr Zeit um deine Arbeiten, wie Zeltsachen zusammenräumen, Zelt zusammenbauen und Pferde zu tränken?“, frage ich freundlich denn wenn keiner auf den anderen warten muss besitzen wir die Chance etwas früher aufzubrechen. „Ja, antwortet er knapp.

Trotz seiner Langsamkeit kommen wir bereits um 11:10 Uhr los. Das ist im Vergleich zu sonst eine relativ gute Zeit. Ich habe Bilgee schon seit Tagen gebeten das Zugpferd vom Pferd aus zu führen. Damit wären wir entschieden schneller unterwegs als wenn er zu Fuß geht. Bilgee wollte sich aber erst mal an die Pferde und deren Charaktere gewöhnen. Eine sehr weise Entscheidung da zum Beispiel Sharga unberechenbar ist und es bei einem unvorhergesehen Austicken besser ist mit beiden Beine auf dem Boden zu sein. Jetzt aber kennen wir das Pferd und ich hatte gestern das Gefühl die Zeit ist reif es vom Sattel aus zu ziehen. Bilgee ist meiner Bitte nachgekommen und hat es gestern erstmal mit Bor ausprobiert. Das hat prima funktioniert und wir konnten mit 30 Tageskilometer trotz Pässe eine größere Strecke hinter uns bringen. Es geht mir im Allgemeinen nicht darum innerhalb kurzer Zeit viele Kilometer zu bewältigen sondern um unser Ziel noch vor der großen Kälte zu erreichen. Also haben wir auch in dem Land, in dem die Uhren anders ticken, einen gewissen, durch die Natur auferlegten Zeitdruck.

Da Bilgee heute seine guten Jagdgründe erreichen möchte beginnt er den Tag mit einem leichten Trab. Er scheint meine Aufforderung, etwas mehr Kilometer zurückzulegen, überaus ernst genommen zu haben, denn wir müssen uns wirklich Mühe geben die Geschwindigkeit mitzuhalten. Als ungeübter Reiter muss ich eingestehen mich nach zwei Stunden danach zu sehne endlich wieder normalen Schritt gehen zu können. Aber mein Stolz lässt es nicht zu Bilgee darum zu bitten die Geschwindigkeit zu reduzieren. Noch dazu kommt die heutige Hitze. Das Thermometer zeigt über 30 Grad in der Sonne. Das Land ist wirklich schwer zu verstehen. Tanja und ich halten kurz an und ziehen uns eines unserer Wollunterhemden aus. Dann sitzen wir wieder auf und galoppieren dem davonziehen Pferdewagen hinterher. Trotz seiner Zicken ist Sharga ein starkes und williges Zugpferd. Ich bin verwundert mit welcher Ausdauer er den Wagen zieht.

Um 13:30, nach 2 ½ Stunden Dauertrab, stoppen wir für eine Mittagsrast. Wieder legen wir uns in die Wiese, um unseren Tee zu trinken und einige Kekse zu essen. Dann geht es weiter. Wir überqueren zwei Pässe auf deren Anstiegen wir uns vom Trab erholen. Trotzdem haben Tanja und ich heute beim Reiten zum ersten Mal richtig Freude. Immer wenn wir durch das Fotografieren zurückfallen, galoppieren wir dem Pferdewagen hinterher. Wir tragen dabei ein richtiges Rennen aus das Tanja meist gewinnt. Ihr Pferd Naraa ist eine echte Rennsemmel und kann es nicht leiden überholt zu werden. Naraa fliegt über die Prärie und ist deswegen kaum zu schlagen. Aber auch mein Pferd Sar ist ein wunderbares Tier. Noch nie hatte ich so ein fantastisches Reittier. Es ist völlig unabhängig von der Gruppe und folgt immer meinen Willen. Auch wenn ich mich mal zum Filmen auf eine Bergkuppe entferne, dort aus dem Sattel steige und meinen Job mache, bleibt es treu an meiner Seite. Ich lege zwar immer die Hoppeln an um ihn nicht zu verlieren. Sar macht bisher aber keine Schwierigkeiten um seinen Pferdekollegen zu folgen.

Wir durchreiten ein weites Tal. Überall liegt Vulkangestein herum was den Untergrund für die Hufe nicht leicht macht. Gut, Bor und Sharga die fehlenden Hufeisen ersetzt zu haben. Weil weit und breit keine Schafe oder Ziegen zu sehen sind lassen wir Mogi von der Leine. Er freut sich über seine wieder gewonnene Freiheit und springt wie ein Bock über die Prärie. Dann rast er voraus, um wenig später wieder zu uns zurückzukommen. Die meiste Zeit läuft er neben einem von uns. Ganz in der Ferne taucht eine Schaf- und Ziegenherde auf. Wir nehmen sie kaum war. Mogi scheint sie auch entdeckt zu haben und als er urplötzlich wie ein Pfeil in ihre Richtung schießt, wissen wir einen Fehler gemacht zu haben. Tanja und ich folgen ihm im vollen Galopp. Mogi erreicht die Herde dennoch vor uns. Wie ein Geschoss trifft er auf die wild davon stürmenden Tiere. Es bellt, mäht und meckert wild durcheinander und die aufgeschreckten Grasfresser stürmen wie ein wild gewordener Bienenscharm in verschiedenen Formationen hin und her. Blitzartig hat Mogi ein kleines Schaf umgerissen und schüttelt es am Nacken. Tanja kommt dazu um dem Kleinen das Leben zu retten. Mogi lässt von seinem Opfer ab, welches sich nach einigen Schrecksekunden schüttelt und blökend davonläuft. Mogiii! Komm zurück!“, rufen wir aus Leibeskräften als er sich wieder in die Herde stürzt, um ein weiteres Opfer bemüht. Sofort steige ich wieder in den Sattel und galoppiere hinterher. Ich sehe wie Mogi ein größeres Schaf am Schwanz packt und es fachmännisch umreist. Dann geht er ihm an die Kehle um es zu töten. Ich springe aus dem Sattel und zerre Sar hinter mir her, um das Schaf zu retten. Doch Sar weigert sich auf einmal weiterzulaufen. „Komm schon! Jetzt lauf schon!“, brülle ich an dem Halfterseil zerrend, während Mogi sein Opfer bearbeitet. Ich bin versucht mein Pferd laufen zu lassen, besinne mich aber meiner teuren Kameraausrüstung in den Satteltaschen. Ein weiterer Versucht mein Pferd zum Gehen zu bewegen glückt und ich erreiche unseren rasenden Hund und das todgeglaubte Schaf. Mit voller Wucht zerre ich Mogi von seiner Beute, reiße ihn in die Luft, um ihn auf den Boden zu werfen. Kaum liegt er da möchte er sich wieder auf seine Beute stürzen. Ich packe ihn an der Kehle und schleudere ihn mehrfach auf den Untergrund. Er beginnt zu wimmern. Dann packe ich ihm an Kragen und drehe das Halsband zu. Mogi beginnt zu röcheln. „Der Hund muss erschossen werden. Mit solch einem Hund könnt ihr nicht reißen. Er macht nur Probleme. Ist in der Stadt geboren und wird sich nie an Schafe und Ziegen gewöhnen“, höre ich die Stimmen des vergangenen Tages als ich ihm am Hals würge. Bevor er erstickt lasse ich wieder locker. Ich blicke in seine braunen Augen und sehe in ihnen Todesangst. Auch wenn er ein Schafkiller ist tut er mir leid. Ich habe ihn noch immer im Würgegriff als Tanja herangaloppiert. Hinter ihr kommt ein Motorrad angebraust. Es sind zwei Hirten. „Hojor hon!“, („Zwei Schafe!“) rufen sie aufgebracht. „Ja, Hojor hon“, bestätigen wir. „Uutschla (Entschuldigung) bringe ich völlig außer Atem heraus, den Hund an Tanja übergebend, die ihn umgehend an die Leine nimmt. Die Hirten sind außer sich und wollen sofort Geld. In der Entfernung sehen wir Ulzii anreiten. Wir deuten auf ihn und bitten die ärgerlichen Hirten um etwas Geduld. Als Ulzii da ist entschuldigen wir uns noch mal. „Sie wollen Geld für die Schafe“, übersetzt Ulzii. „Sehen wir ein. Sie sollen uns die zwei verletzten Schafe fangen. Ich möchte sehen ob sie lebensgefährliche Verwundungen davon getragen haben. Wenn das so ist kaufen wir ihnen die Tiere gerne ab“, sage ich. Es sieht so aus als hätten beide Schafe die Attacke von Mogi ohne sichtbare Verletzungen überstanden. Würden die Huftiere blutend umherhumpeln oder zuckend vor uns liegen hätten wir den Hirten die Tiere sofort bezahlt. Aber so besteht die große Wahrscheinlichkeit alle mit dem Schrecken davonzukommen.

Wir sagen den Hirten am Pferdewagen auf sie zu warten. Der Aggressivere von ihnen düst mit seinem Motorrad sofort zu seiner Jurte und kommt mit seinem Allradbus zu unserem Pferdewagen gebraust. Die Bitte uns die verletzten Schafe zu bringen ignorierend. „Geld scheinen sie zu besitzen“, meint Tanja auf das Auto deutend in dem der Mann mit ernster Mine und seine Frau und Kind sitzen.

„Pro Schaf möchte ich 150.000 Tugrik (85,- €)“, sagt der unsympathische Mann in einem Tonfall der keinen Widerspruch duldet. „150.000 Tugrik? Das ist ja ein irrwitziger Preis. Wir haben vor kurzem eine ausgewachsene Ziege für 50.000 Tugrik (29,- €) erstanden. „150.000 zahlen wir niemals“, lasse ich übersetzen. Ich bitte Ulzii und Bilgee sich für eine kurze Beratung zurückzuziehen. „Was ist der normale Preis für ein Schaf?“, frage ich Bilgee. „Maximal 90.000 Tugrik.“ (51;- €) „Und was kann ein Lamm kosten?“ „Vielleicht 40.000 oder 50.000 Tugrik.“ (23,- € oder 29,- €) „Das heißt er verlangt das Doppelte vom Maximalpreis?“ „Ja“, antwortet Bilgee. Ich lasse Ulzi übersetzen für beide Tiere nicht mehr als 140.000 Tugrik (80,- €) zu bezahlen. Aber nur dann wenn beide wirklich verletzt sind. Ich möchte die Tiere sehen. Dann entscheiden wir alle zusammen den Grad der Verletzung und wenn es sich herausstellt, dass es mehr als Kratzer sind, zahlen wir 140.000 Tugrik. Der Schäfer schüttelt energisch den Kopf und möchte pro Tier 150.000 Tugrik. Ich verstehe den Grund seiner Verärgerung aber ich akzeptiere nicht dabei betrogen zu werden. Wieder lehne ich seine überzogenen Forderungen ab und bleibe bei meiner Aussage die Tiere sehen zu wollen. Die Fronten verhärten sich. Dann gehen einer der Schäfer und seine Frau los, um die verletzten Schafe in der Herde zu suchen. „Unsere Fleischvorräte gehen sowieso zu ende. Es st also kein Problem die Schafe zu kaufen. Aber nicht zu diesem Preis. Seht ihr das auch so?“, frage ich unsere Begleiter. Sie nicken bestätigend.

Dann reiten wir weiter. „Habt ihr dem Hirten gesagt dass wir weiterreiten und dass er uns die Schafe ins Camp bringen soll?“, möchte ich von Ulzii wissen. „Ja haben wir.“ Als wir aber die Herde passieren meint Bilgee wir sollten noch mal zu den Schäfern reiten. Tanja achtet in der Zwischenzeit auf den Pferdewagen. Dort angekommen fordert mich der Schäfer auf die Schafe zu suchen. „Wie soll ich denn die verletzten Schafe finden? Ich bin kein Schäfer. Für mich sehen sie alle gleich aus“, antworte ich über diese Aufforderung überrascht. Die Frau und der Mann suchen indes noch immer nach Zeichen von verletzten Schafen in der Herde. Jedoch ohne Erfolg. „Es ist ein trockener Herbst. Wenn die Schafe gebissen worden sind gehen sie ein“, lamentiert der Mann mit seinen überzogenen Forderungen. „Ist ja in Ordnung. Ich kaufe doch die verletzten Schafe. Nur wenn sie nicht verletzt sind kaufe ich sie nicht. Dann ist es nur ein Grund für dich Geld zu machen“, lasse ich antworten. „Für 140.000 verkaufe ich dir die Schafe nicht. Du zahlst mir 140.000 und gehst weiter“, vernehme ich und glaube meinen Ohren nicht zu trauen. „Ich soll 140.000 bezahlen und bekomme dann kein Schaf?“ „Ja“, antwortet der Mann herausfordernd. Wieder lasse ich mein Angebot übersetzen und wieder lehnt der Nomade ab. „Der ist verrückt“, sagt Ulzii. „Sehe ich auch so. Nur müssen wir eine Lösung finden.“ Ich versuche so gelassen wie es in so einer Situation überhaupt möglich ist zu bleiben und lass mein Angebot erneut übersetzen. „Nein“, sagt der Gierhals. „Nun, dann müssen wir die Situation vor der Polizei regeln. Ich lasse mir doch nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Er könnte ja jeden Fantasiepreis fordern. Zum Schluss möchte er eine Million“, entscheide ich. „Was kostet dein Pferd?“, möchte der Nimmersatt jetzt wissen. „Was hat denn mein Pferd mit den beiden Schafen zu tun?“ Was kostet dein Pferd?“, fragt er mich erneut. „Was kostet dein Auto?“, stelle ich die gleiche dämliche Gegenfrage. „6 Millionen“, (3.428,- €) schwindelt er, da so ein Auto hier das Zehnfache kostet, außer es ist eine alte Schrottkiste. Nach dem er mir den Preis von seinem Blechbüchse auf Rädern gesagt hat möchte er noch immer den Preis von Sar wissen. Ich ignoriere diese Frage einfach und komme wieder auf die Verhandlung zurück. Der Mann bleibt jedoch unnachgiebig. „Lass es bleiben Denis. Es gibt keine verletzten Schafe also können wir gehen“, mischt sich Bilgee ein, steigt in den Sattel und reitet zum Pferdewagen zurück. Der andere Nomade schwingt sich indes mit seiner Frau auf sein Motorrad und fährt davon. Sie haben anscheinend ebenfalls zuviel von dieser eigenartigen Verhandlung.

Ich zahle doch für ein Lamm keine 150.000 Tugrik. Noch dazu wenn es offensichtlich kein verletztes Lamm gibt. 300.000 für beide Tiere ist nahezu der Preis von einem Pferd. Das ist unmöglich“, setze ich die ungute Auseinandersetzung fort, um doch noch eine Lösung zu finden. „Wenn du jetzt nicht vernünftig wirst und mir den normalen Preis verrechnest gehe ich“, lasse ich übersetzen und mache mich daran die Hoppeln von meinem Pferd zu lösen. Dann geschieht etwas was nicht geschehen sollte. Der Schäfer legt die Hand an die Zügel meines Pferdes und möchte mich auf diese Art gewaltsam vom Weiterreiten abhalten. In mir kocht es jetzt vor Wut. „Nur keine Gewalt“, denke ich mir. „Das muss friedlich zu lösen sein. Ich kann doch unmöglich diesen Mann umhauen. Erst beißt unser Hund seine Schafe und dann schlage ich mich noch. Nein, nein, nein, das muss anders gehen“, rasen meine Gedanken durch die Gehirnwindungen. Ich nehme ganz langsam seine Hand und schiebe sie behutsam vom Rücken meines Pferdes. Ich sage in sehr ernstem Tonfall: „Dieser Mann hier wird nicht noch einmal mein Pferd berühren.“ Dann nehme ich meine Brille ab damit er mir in die Augen sehen kann und die Ernsthaftigkeit meiner Aussage begreift. Sofort zieht er seine Hände zurück, worauf ich die Zügel nehme und aufs Pferd steige. Dann tue ich so als würde ich davon reiten, bleibe aber nach 20 Metern stehen und drehe mich um. „Und? Gibt es jetzt eine faire und vernünftige Entscheidung?“, frage ich. Mittlerweile ist der Schäfer zu Ulziis Pferd gegangen und hat seine Zügel in die Hände genommen. „Ulzii! Auch dein Pferd darf er nicht anfassen. Das ist ein No Go. Absolut unmöglich. Du gehörst zu mir. Von meiner Crew darf kein Fremder die Pferde anfassen oder dich daran hindern Weiterzureiten. Wir sollten die Angelegenheit vor der Polizei regeln“, bluffe ich, da ich weiß das die Staatsdiener, sollte es hier draußen überhaupt welche geben, oftmals korrupt sind und so einen Sachverhalt noch viel schwieriger gestalten können als er eh schon ist. „Ich möchte Medizin für die Schafe“, verändert der Hirte jetzt plötzlich die Taktik Geld aus mir herauszuschlagen. „Medizin? Okay. Darüber können wir reden. Wie viel Tugrik?“ „70.000 Tugrik“, (40,- €) „Mein Gott. Er möchte also mehr Geld für Medizin als ein Lamm kostet? Das kann doch einfach nicht war sein. Komm lass uns gehen. Er bekommt gar nichts von mir“, bluffe ich erneut und reite los, um wiederum nach 20 Metern Sar zu zügeln. Ich zahle 20.000 Tugrik.“ (11,- €). „Ich bekomme 70.000 Tugrik oder gehe zur Polzei. Du wartest hier so lange“, befiehlt der Mann dem ich jetzt am liebsten anspringen würde. „Ich zahle keine 70.000 Tugrik und bleibe auch nicht hier. Wenn du in spätesten zwei Minuten kein vernünftiges Angebot vorschlägst gehe ich und du hast gar nichts“, lasse ich übersetzen. Der Hirte ist nun sichtlich in die Enge getrieben. „60.000 Tugrik!“, (34,- €) brüllt er. „35.000 ist mein letztes Angebot!“ „50.000!“, fordert er, worauf ich mich zum wiederholten Male in den Sattel schwinge, 20 Meter davon reite, um auf eine neue Offerte zu warten. Meine Geduld ist am Ende als ich zurück galoppiere: „37.000 und keinen Tugrik mehr!“ schleudere ich den Betrag hin und bins diesmal tatsächlich gewillt die Sache abzubrechen. „Okay!“, ruft der Widerling auf meinen Vorschlag eingehend. „Sag ihm er soll sich das Geld am Pferdewagen abholen“, rufe ich und galoppiere davon. Ulzii schwingt sich in den Sattel und eilt mir hinterher. Kaum haben wir den Pferdewagen erreicht, kommt der Gierhals auch schon angefahren. Ich erkläre Tanja kurz die Situation. Sie sucht das Geld heraus und gibt es mir. „Am besten du machst von der Geldübergabe ein Foto. Dann haben wir einen Beweis. Ansonsten weiß man nicht was diesem Mann noch alles einfällt“, sage ich zu Tanja die sich die Kamera schnappt, um zu fotografieren wie ich die 37.000 Tugrik überreiche. Der Mann und seine Frau heben sofort die Hände vors Gesicht um unerkannt zu bleiben. Anscheinend haben sie jetzt doch ein schlechtes Gewissen. Der Typ rastet fast aus. Brüllt herum und würde sich am liebsten schlagen. Dann will er mir das Geld aus der Hand reißen. Ich ziehe es schnell zurück damit Tanja noch ein Foto schießen kann. Erneut schnellt die Hand aus dem Auto wie eine zuschlagende Kralle eines Raubvogels. Diesmal lasse ich mir die Scheine aus der Hand fetzen. Der Mann springt nun doch aus dem Auto, stürmt auf mich zu und fordert mich auf die Bilder zu löschen. „Nein“, sage ich auf alles gefasst. Er dreht sich um, steigt in sein Gefährd, und braust den Mittelfinger aus dem Fenster reckend davon. „Du hättest ihn das Geld nicht geben sollen. Es gibt keine verletzten Schafe und dafür braucht er auch keine Medizin“, meint Bilgee als wir losreiten. „Mogi hat seine Tiere angefallen. Das war unsere Schuld. Es ist besser wir haben einen Ausgleich geschaffen. Wer weiß welchen Ärger wir ansonsten bekommen hätten“, antworte ich und versuche den unangenehmen Zwischenfall zu vergessen.

Unser weiterer Weg führt uns durch ein Labyrinth von grobporigem Lavagestein. Die Sonne steht bereits tief und lässt lange Schatten entstehen. Wir erreichen den Fluss Hanu über den eine alte hölzerne Brücke führt. Gleich daneben wird die betagte Konstruktion von einer neuen Betonbrücke ersetzt über die wir unsere Pferde führen. Auf der anderen Seite schlängelt sich der staubige Weg durch eine Schlucht. Von Ziegen abgefressene tote Baumgerippe stehen an den felsigen Hängen und strecken ihre kahlen Äste in den Abendhimmel. Vor uns tauchen eigenartig aussehende Holzhäuser auf. Es sind Dreieckskonstruktionen deren Dächer bis zum Boden gehen. „Ob das für Touristen gebaut wurde?“, wundere ich mich. In der Tat wird auf hölzernen Schildern geworben und wir können das Wort Tourist entziffern. „Das Touristcamp ist hauptsächlich für Einheimische, die in den Sommerferien am Fluss angeln und baden gehen, gebaut“, erklärt Ulzii. Wegen der malerisch schönen Gegend, der eigenwilligen Felsenschlucht durch die sich der Hanu schlängelt und seinem saftig grünen Tal kann man sich gut vorstellen hier seine Ferien zu verbringen. Zu dieser Jahreszeit sind nur noch wenige Menschen hier. Weil sich der Fluss durch einen tiefen felsigen Canyon windet kommen wir nicht an sein Wasser. Bilgee fragt einen Einheimischen wo wir hier Zugang zum Wasser haben da wir unsere Pferde tränken müssen. Er deutet in eine Richtung der wir folgen. Die Sonne ist schon lange untergegangen. Ulzii ist so müde das er kaum noch laufen kann. Ich reite voraus, um einen Zugang zum Fluss zu finden aber das grobe, steil abfallende Felsgestein versperrt uns den Weg. Dann erreiche ich einen zweiten Canyon der mich zum umkehren zwingt. „Es gibt keinen Zugang zum Fluss“, berichte ich Bilgee als ich von meinem Erkundungsgang zurück bin. Da wir dringend Wasser für die Pferde benötigen beraten wir was wir tun sollen. Zur Brücke zurück zureiten ist zu weit. Das einzige was wir tun können ist hier unser Lager aufzuschlagen und morgen einen Bach zu finden, an dem wir die Tiere tränken können. Das heißt wir können auch morgen kein Rastcamp aufschlagen sondern müssen weiter. Schnell entladen wir den Pferdewagen und suchen uns eine steinlose Stelle für unsere Zelte. Da es hier anscheinend schon lange nicht mehr geregnet hat gibt es kaum Gras. So müssen unsere Pferde mit einem spärlichen trockenen Mahl auskommen. „Der Kocher funktioniert nicht. Kannst du mal nachsehen woran das liegt?“, fragt Tanja. Da wir nach dem sehr anstrengenden Tag dringend eine Mahlzeit brauchen lasse ich alles stehen und liegen und kümmere mich um unseren Expeditionskocher der uns seit vielen Jahren noch nie im Stich gelassen hat. Nach 20 Minuten gebe ich jedoch auf und verschiebe die Reparatur auf morgen. Aus unseren Vorräten hole ich die letzte Gaskatusche die an einem Gasbrenner angeschlossen ist und gebe sie Bilgee und Ulzii damit die beiden mit ihrem chinesischen Gaskocher heißes Wasser für unsere Fertignahrung kochen können. „Das ist nun die allerletzte Flasche. Bitte nur für den Notfall benutzen“, erkläre ich. Schnell hat Bilgee heißes Wasser zubereitet. Tanja liegt schon im Zelt. Sie ist zu erschöpft um noch etwas zu essen. Heißhungrig verzehre ich mein Mahl. Dann schlichte ich meine Satteltaschen ins Vorzelt und möchte die Videokammera herausnehmen, um sie für die Nacht im Innenzelt zu lagern. „Oh nein! So ein Mist!“, fluche ich als die Kameratasche, ein Wollunterhemd, und ein Messer vollkommen mit geschmolzener Schokolade überzogen sind. Da es schon wieder minus zwei Grad hat ist die Schokolade gefroren. Ich nutze die Minustemperaturen, um sie von der Kameratasche zu brechen. Man soll nicht glauben was geschmolzene Schokolade für einen Schaden anrichten kann. Obwohl ich hundemüde bin kostet mich diese Aktion weitere 30 Minuten. Dann krabble ich ins Zelt um bis 23:30 Uhr ein paar Kurzaufzeichnungen in den Computer zu tippen der trotz der Festplattenwarnung noch immer funktioniert. Als mich Tanja morgens um 4:00 Uhr zu meiner Wachsicht weckt glaube ich mich in einem bösen Traum zu befinden. Trotzdem setze ich mich auf und versuche die Zeit ohne einzuschlafen zu überstehen.

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