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Mogis Jagdinstinkt und reisen mit der Zeitmaschine

Mongolei/Mond Camp — 09.09.2011

Ein wunderschöner wolkenloser blauer Himmel empfängt uns am heutigen Morgen. Von den nächtlichen Minusgraden ist nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil steigt die Quecksilbersäule auf knapp 30 Grad in der Sonne. Das ist ein Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht von 38 Grad. Alleine dieser krasse Unterschied zwischen warm und kalt zeigt welch ein hartes Land diese Mongolei ist. Alles kann sich augenblicklich ändern. Von schön zu unschön. Von heiß zu bitter kalt. Von Sonnenschein zu Schneefall. Von Freundlichkeit zu Abweisend. Von Gastfreundschaft zu Anfeindung. Es ist einfach alles drin. Sobald wir uns sicher fühlen und alles nach Plan läuft geschieht etwas womit wir nicht im Traum gerechnet haben. Flexibilität, Gelassenheit, Offenheit und Akzeptanz sind in diesem Land elementare Tugenden.

Ich sitze gerade im Sattel, betrachte mir die kaum zu beschreibende schöne Landschaft und hänge meinen Gedanken nach. Endlich wird der Kopf wieder freier. Der krank machende Alltagsstress unseres Industriezeitalters fällt mit jedem Tag mehr und mehr ab. Immer öfter bemerke ich einen freien Geist. Einen Geist der nicht durchströmt ist von einem immensen Gedankenverkehr der nur eines verursacht und zwar Stress. Unsinnigen Stress. Obwohl das Leben hier draußen in der Wildnis nicht selten kräftezehrend, massiv anstrengend und ungemütlich sein kann bekommt das Leben eine tiefere Qualität. Jeder Tag ist so mit Erlebnissen und Emotionen angereichert dass ich glaube eine Woche gelebt zu haben. Eine Woche wiederum hat den Lebensinhalt eines Monats. Wenn wir Glück haben geschehen in dieser Zeitspanne Dinge die unser Leben beeinflussen und nachhaltig prägen. Wie ich schon öfter während einer Reise erleben durfte fühlen sich die einen oder anderen Momente so an als würde ich mit einer Maschine eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen. Es fühlt sich so an als würde sich mein Leben um ein Vielfaches verlängern. So als würde ich mit meinem Körper und Geist durch Raum und Zeit katapultiert werden um Geschichten zu erleben und zu erfahren für die ich in einem der Norm entsprechenden Leben viele Inkarnationen bräuchte. Es ist ein eigenartiges oftmals aber auch schönes Gefühl. Es ist aber auch ein Hin- und Hergrissen sein zwischen gewünschten Komfort und jegliche Form von Unbehaglichkeit. Einem heißen Bad und in seinem ungewaschenen Körper Gott erbärmlich zu frieren. Sauberer wohlriechender Kleidung oder vom Lagerfeuer verrauchter vor Schmutz strotzender Wäsche. Etwas Gewohntes zu Essen oder ungewohntes fettes Ziegenfleisch oder Innereien in sich hineinzuschaufeln um einen umbändigen Hunger zu stillen. Es ist das Hin und hergerissen sein zwischen einem schönen Bett oder einen und demselben Schlafsack in dem man Monate verbringt. Einem vermeintlich sicheren Dach über dem Kopf oder einer feuchten im Sturm flatternden Zeltbahn. Vielleicht ist es gerade die Reibung zwischen den beiden Gegensätzen. Die Gegensätze von Bequem und Unbequem die mein Leben intensiver werden lassen. Die meinem Leben das Salz in der Suppe verpassen. Die mir tausendundeine unvergessliche Geschichten und Erlebnisse liefern, die ich nie erleben und erfahren würde, säße ich Zuhause an meinem Schreibtisch. Auch wenn ich mich in so manchen Moment hier raus wünsche, um meinem System Körper Geist und Seele in der westlichen Konsumwelt salben zu lassen, ziehe ich meist das Leben hier draußen vor. Es bietet einfach mehr Fülle, ist um ein vielfaches länger und intensiver.

„Denis schau mal! Ist das dort vorne ein Schaf?“, reißt mich Tanjas Ruf aus meinen Überlegungen. „Sieht so aus“, antworte ich und beobachte das offensichtlich von seiner Herde verlassene Tier. Auch Mogi hat es jetzt entdeckt und rast wie ein Pfeil auf das einsame Wolltier zu. „Er wird doch nicht das Schaf anfallen!“, rufe ich. Kaum habe ich meinen Mund geschlossen hat er das Schaf erreicht und jagt es vor sich her. „Das sieht nicht gut aus!“, brüllt Tanja worauf wir dem Schaf nachgaloppieren um es vor unserem verrückten Hund zu schützen. Mit Entsetzen sehen wir wie Mogi das arme Tier zu Boden reißt und beißt. „Mogi! Mogiiiii! Hörst du auf!“, brüllen wir ohne jeglichen Erfolg. Ich steige vom Pferd und gebe die Zügel an Tanja. Dann renne ich dem Hund hinterher. Das Schaf hat es geschafft wieder frei zu kommen doch Mogi hat es diesmal am Nacken erwischt. Ulzii stürmt an mir vorbei und brüllt Mogi ebenfalls an. „Halte das Schaf! Halt um Gottes Willen das Schaf!“, rufe ich außer Atem weil wir dann die Möglichkeit haben es vor diesem Hund zu schützen. Ulzii erreicht es und nimmt es zwischen seine schützenden Beine. Er tritt nach dem sich wahnsinnig gebärdenden Hund. Mogi versucht jedoch unermüdlich das Wolltier zu erneut beißen. Mit rasselnder Lunge erreiche ich den Ort des ungleichen Kampfes. „Mogiiii! Verdammt noch mal! Lass das Schaf in Ruhe!“, brülle ich packe ihm am Kragen und schleudere ihn derart durch die Luft das er sich einmal um 360 Grad überschlägt. Kaum ist er wieder auf den Beinen greift er wieder an. Er ist anscheinend völlig durchgeknallt. Sein Jagdinstinkt ist offensichtlich derart stark entwickelt dass er seine Außenwelt nicht mehr wahrnimmt. Ich verpasse ihn einige Tritte und schnappe ihn dann am Nacken. Er sieht mich an und scheint wieder zur Besinnung zu kommen. Ulzii und ich untersuchen das Tier. Es ist unter der rechten vorderen Achsel verletzt. So wie es aussieht aber nicht lebensgefährlich. Wir lassen es frei. Meckernd und völlig verschreckt springt es davon, während Mogi vor Aufregung winselt und dem Tier am liebsten nachstellen möchte. „Wenn das ein Hirte beobachtet schießt er Mogi ab“, erklärt Ulzii. „Hm, ist ein Hund der in der Stadt aufgewachsen ist. Er kennt keine Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde und was sonst hier alles herumläuft. Keine Ahnung wie wir ihm das Jagen austreiben können“, antworte ich mit brennenden und schmerzenden Lungen. „Wir dürfen ihn nicht mehr frei laufen lassen“, überlegt Ulzii. „Wer weiß, vielleicht ist ihm die Abreibung von eben eine Lehre?“, hoffe ich.

Mittags legen wir bei ca. 28 Grad in der Sonne eine Rast ein. Wir setzten uns zusammen ins trockene Gras, trinken heißen Tee aus der Thermoskanne, essen Erdnüsse, Kekse, ein Glas Gurken und ein paar Scheiben Käse. Alles Vorräte die wir in dieser Form bald nicht mehr haben werden. „Ist ja fantastisch wie warm es wieder geworden ist“, schwärme ich. „Ja im September kann es tagsüber noch immer warm sein. Das ist normal hier. Nur die Nächte sind oftmals schon kalt. Außerdem gibt es im Herbst wenig Niederschläge. Deswegen ist das auch die Zeit der Waldbrände“, erklärt Bilgee. „Na dann hatten wir die letzten zwei Wochen einen eigenartigen Herbst. Es hat viel geregnet und war auch tagsüber nicht gerade warm. Wäre ja fantastisch wenn sich das bessert“, hoffe ich lachend.

Wegen Wasserpriorität finden wir wieder erst um 18:30 Uhr ein geeignetes Camp. Nach 30 Reitkilometern und sechst Stunden im Sattel sind wir alle recht müde. Obwohl wir hier für zwei Tage unser Rastcamp aufschlagen möchte Bilgee morgen noch mal weiter reiten. Seine Hauptmotivation auf diesen Trip dabei zu sein ist in erster Linie die Jagd. Das Geld kommt an zweiter Stelle. „Morgen erreichen wir gute Jagdgründe. Wäre schön wenn wir erst dort unsere Rasttage einlegen“, meint er. Da der Erfolg dieser Expedition zum Großteil auch von der Motivationsaufrechterhaltung unserer Männer abhängt stimmen wir gerne zu.

Am Abend sitzen wir alle zusammen vor unseren Pferdewagen, sehen in das knisternde Feuer und trinken heißen Tee. Das Thermometer steht auf null Grad und präsentiert uns somit eine relativ warme Nacht. Als der Mond aufgeht taucht er das Tal und die nahen Berge in ein wunderbares kaltes Licht. Eine Pferdeherde kommt uns besuchen. Ihr Schnauben und Gewieher lassen Mogi aufsehen. Er bellt um uns zu zeigen das Fremde ins Camp gekommen sind. „Sind nur Pferde Mogi“, beruhigt ihn Tanja.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.