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Mogi freut sich über seine neue Freiheit

Mongolei/Bergtal Camp — 03.09.2011

Die erste Nachtwache im Zelt war im Vergleich zu den Letzten sehr angenehm. Wir haben nicht gefroren und letztendlich den gleichen Erfolg. Ich kann sogar die Zeit dazu nutzen um meine Kurzaufzeichnungen der Tagesgeschehnisse und Camp Koordinaten, zurückgelegte Strecke des Tages und alles was dazu gehört festzuhalten. Bei schönem Sonnenschein stehen wir um 8:30 Uhr auf. Wir wollen versuchen heute früher loszukommen denn wenn wir weiterhin so kurze Strecken zurücklegen schaffen wir unser diesjähriges Etappenziel nie. Bilgee und Ulzii gehe die Pferde an einem Bach tränken und holen Wasser. „Wir benötigen eine andere Routine. So geht das nicht. Das nächste Mal müssen die Beiden erst Frühstücken und dann Wasser holen. Ansonsten kann ich meine Küche nicht zusammenpacken und wir kommen wieder so spät los“, meint Tanja. Ich entscheide eine kurze Lagebesprechung einzuberufen als Bilgee und Ulzii wieder da sind. In Zukunft müsse wir am Abend noch Wasser holen und pumpen. Das wirst du mit übernehmen Ulzii. Tanja macht die Küche, ich kümmere mich um die Navigation, Aufzeichnungen und dem Laden des Pferdewagens. „Bilgee und Ulzii, ihr kümmert euch um die Pferde. Am besten sie werden noch am Abend getränkt. In ein paar Tagen haben wir eine Routine entwickelt und alles wird leichter. Wir werden es dann auch schaffen früher aufzubrechen und vor allem auch früher ins Camp zu kommen. Ideal wäre den Campplatz um spätestens 16:00 Uhr zu finden. Dann bleibt vor der kommenden kalten Nacht genügend Zeit um alles zu präparieren“, lasse ich Ulzii übersetzen. Da sein Englisch in Momenten durch seine Müdigkeit sich auf wenige Wortfetzen begrenzt und er die Angewohnheit hat immer zu behaupten alles zu verstehen obwohl er teilweise absolut nichts verstanden hat, haben wir hier eine beachtliche Herausforderung. Während vergangener Expeditionen wurde uns bewusst wie wichtig ein guter Übersetzer ist und wie gefährlich es sein kann wenn Aussagen und Gespräche falsch wiedergegeben werden. Vor allem wenn es sich hierbei um zwei völlig verschieden Kulturen handelt. Schnell bauen sich Missverständnisse auf die manchmal nicht wieder gut zu machen sind vor allen dann nicht wenn der Übersetzer seine persönliche Interpretation mit ins Spiel bringt und beginnt Abläufe zu beeinflussen. Das ist der Grund warum wir versuchen unsere Expeditionen ohne fremde Menschen, oder besser ausgedrückt, bezahlte Begleiter durchzuführen. Ohne Personal gibt es keine Missverständnisse im Team und der Expeditionserfolg ist um ein Vielfaches höher. Diese Mongoleiexpedition ist allerdings ohne Begleiter kaum möglich. Gerne hätten wir jemand mit besseren Englischkenntnissen dabei aber leider konnten wir in der Kürze der Zeit keinen anderen Mann auftreiben. Jetzt ist Ulzii ein Teammitglied der sich vor Fleiß nicht gerade überschlägt, als Übersetzer eher untauglich ist aber sich bisher als netter Mensch erwiesen hat. Vor allem trinkt er keinen Alkohol und ist deswegen hoffentlich zuverlässig. Wir werden sehen wie sich im Laufe der Zeit und mit kommenden Herausforderungen seine Persönlichkeit offenbart. Bilgee zeigt sich bis jetzt ebenfalls sehr freundlich, zuverlässig und ehrlich. Wenn die Beiden so bleiben wie sie sich zurzeit geben sehen Tanja und ich keine unangenehmen Überraschungen auf uns zukommen.

Bevor wir aufbrechen tauchen Verwandte von Bilgee mit einem Jeep auf. Es gibt ein freudiges Palaver. Dann helfen alle zusammen um den sich sträubenden Sharga einzuspannen. Trotzdem schaffen wir es wieder erst um 14:00 Uhr uns in Marsch zu setzen. „Denke an unsere Australien Expedition. Die ersten Wochen haben wir noch viel länger für das Beladen der Kamele gebraucht und maximal nur zehn Kilometer am Tag geschafft. Später, als es sich eingespielt hat, und wir die Routine hatten war das kein Problem mehr. Wir kamen gut voran“, vertreibt Tanja meine aufkommenden Zweifel unser Ziel noch vor dem Winter auf diese Weise zu erreichen. Gedankenversunken sitze ich die ersten Kilometer auf dem Rücken von Sar und frage mich wo wir unsere Pferde im Winter unterbringen können. Bei den Zaatan können die Tiere anscheinend nicht überleben. Nur Rentiere schaffen angeblich diese harten Bedingungen. Dort wo die Zaatans leben soll es viel Schnee geben und jeder den wir treffen sagt, dass es dort extrem kalt wird. „Mit dem Pferdewagen zu den Zaatan zu kommen ist absolut unmöglich. Da reit sich ein hoher Berg an den anderen“, meint Bilgee. Also ist das auch noch ungewiss wie wir Ende Oktober Anfang November diese Region überhaupt erreicht. Wir müssen uns wie bisher einfach treiben lassen und nicht zu viel an Dinge denken die mit meiner jetzigen Realität nichts zu tun haben. Es wird sich schon finden. Wenn man nach der Aussage „Alles geschieht ist richtig“, leben kann, bringt einem eigentlich nichts mehr aus der Ruhe. Genau das versuche ich in mein Leben einzubinden.

Bilgee kommt meinem Wunsch nach soweit es nur geht jede Asphaltstraße zu vermeiden oder zu umgehen und verlässt die Straße. Heute Morgen bei der Lagebesprechung studierten wir die Landkarte und entschieden uns den lang gezogenen 1.600 Meter hohen Bergzug der vor uns liegt in einem großen Bogen zu umgehen. Wir reiten durch ein Tal dessen Schönheit wieder einmal kaum zu beschreiben ist. Ohne Zweifel ist die Mongolei in der Fülle seiner landschaftlichen Schönheit und Einmaligkeit eines der eindrucksvollsten Länder die ich meinem gesamten bisherigen Reiseleben je gesehen habe. „Sollen wir es wagen Mogi mal von der Leine zu lassen?“, frage ich Tanja. „Meinst du er hat sich schon soweit an uns gewöhnt das er nicht wegläuft?“ „Denke schon. Lass es uns versuchen“, sage ich, weshalb wir ihn von der Leine lassen. Mogi genießt seine plötzlich gewonnene Freiheit in vollen Zügen. Ausgelassen rast er hin und her, springt wie ein Bock in die Höhe nur um Sekundenbruchteile später wie der Wind über die Prärie zujagen und versucht sich selbst zu fangen. Da bei jeder Jurte mindestens ein Hund lebt binden wir ihn in deren der Nähe der Nomadenbehausungen wieder an die Schnur und führen ihn am Pferd sitzend hinter uns her. So vermeiden wir die schlimmen Hundekämpfe in die er sich zweifelsohne stürzen würde. „Schau dir das an. Er läuft ganz brav dem Pferdewagen hinter her. Den hat er offensichtlich als sein Zuhause akzeptiert“, sagt Tanja lachend und sich über den spaßigen Vierbeiner freuend.

Langsam verengt sich das weite Tal immer mehr und mit jedem Meter geht es höher hinauf. Jurten gibt es schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Weil es hier kein Wasser zu geben scheint müssen wir weiter. „Wasser gibt es erst auf der anderen Seite des Passes“, meint der erfahrene Jäger Bilgee. Obwohl wir müde sind und wegen der kommenden Nacht dringend ein Lager brauchen können wir uns nicht erlauben hier zu campieren. Unsere Pferde benötigend dringend jeden Tag Wasser. Aber auch wir führen gerade Mal für einen Tag Wasservorräte mit uns. „Das werden wir ab sofort ändern. Wir brauchen in Zukunft mehr Wasservorräte“, beschließe ich. Ulzii reitet als Scout voraus um zu sehen ob es auf der Bergspitze eine Quelle gibt. Nur wenig später entdeckt Bilgee unweit vom Pfad ein paar Pfützen. „Da kommt das Wasser direkt aus dem Berg“, freut er sich und meint dass es von guter Qualität sei. Wir beschließen an dem nahen Berghang unser Lager aufzuschlagen. Es gibt zwar kaum eine gerade Stelle für unsere Zelte aber das Pferdefutter ist hier perfekt. Mittlerweile ist auch Ulzii wieder da. „Ich habe dort oben auf euch gewartet. Es gibt dort Wasser aber das hat sich jetzt ja erledigt“, meint er und hilft beim Absatteln der Pferde.

Wegen den Bergen um uns herum versteckt sich die Sonne früher als sonst hinter einem der Hügel. Es wird augenblicklich empfindlich kalt. Während wir die Zelte aufbauen und für die Nacht einrichten kocht Tanja für uns alle Nudeln mit Brühe. Den Männern gibt sie Trockenfleisch von unserer Ziege hinein. Danach reicht sie uns heißen Tee und Kekse. Mogi bekommt etwas von unseren Nudeln und eine extra Portion Reis. „In Zukunft brauchen wir mehr Fleisch für den Hund. Ist ja kein Vegetarier. Vielleicht kann Bilgee etwas jagen“, sage ich ihn ansprechend. „Auf jeden Fall“, antwortet er lachend zufrieden seinen vollen Bauch reibend.

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Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.