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Auf mongolisch normal

Mongolei/Bilgee Camp — 31.08.2011 - 01.09.2011

In unser Leben ist so etwas wie ein bisschen Routine eingetreten. Trotzdem gibt es jeden Tag etwas anderes zu tun. Bevor es weitergeht dichten wir die Nähte beider Zelte ab, Tanja wäscht Kleidung und kocht etwas zu Essen. Ulzii hängt herum, geht ab und an auf den Hügel, um mit seiner Frau zu telefonieren. Am Nachmittag bauen wir aus einer Plane einen winddichten Schreibplatz, wobei ich keine Ahnung habe wie eine Berichterstattung unter diesen extremen Wetterbedingungen funktionieren soll. Vor allem wird es an manchen Tage schon empfindlich kalt. In den Nächten fällt das Thermometer schon auf zwei Grad. Für die Wachschichten müssen wir uns warm anziehen und wenn die Temperaturen weiterhin so rapide fallen ist der Winter nicht mehr weit. Irgendwie graust es uns vor der Kälte und irgendwie habe ich vor der ungewissen Zukunft und der kommenden Überwinterung ein bisschen Angst. Vielleicht ist Angst auch das falsche Wort. Ich würde es eventuell als großen Respekt bezeichnen. Jetzt, nachdem wir bereits fünf Wochen in diesem Land sind, empfinde ich in manchen Momenten Sehnsucht nach einem vernünftigen Bett, einer heißen Dusche, und einen ganz normalen Stuhl auf dem man sich setzen kann. Vielleicht auch was traditionell Deutsches zu Essen oder nach dem Luxus von frischem Obst zum Frühstück. Aber das sind normale Gefühle die bei uns meist nicht so dominant werden um die Freude am Reisen zu verlieren.

Manchmal kommen Mongolen vorbei, treten wortlos in die Jurte, setzen sich im Schneidersitz auf den Teppich und starren uns an. Ehrlich gesagt macht das etwas nervös. „Ist das normal?“, frage ich Ulzii. „Wie meinst du das?“ „Na das ein Fremder kommt, in dein Haus eindringt, sich wortlos hinsetzt, herumschaut, dann nach einiger Zeit wieder aufsteht um wortlos zu gehen?“ „Auf dem Land ist das normal“, verblüfft uns seine Antwort. „Auch in der Stadt? Ich meine zum Beispiel in U.B.? Kann man da als Fremder einfach in eine Wohnung gehen, sich setzen, gucken, um dann wieder zu gehen?“ „Denke schon“, meint er, weshalb ich jetzt nicht weiß ob Ulzii das Wort normal versteht. Obwohl sein Englisch seit dem ersten Treffen entschieden besser geworden ist bleibt die Unterhaltung rudimentär. Als wieder zwei Mongolen vorbeikommen und sich dementsprechend normal verhalten, bieten wir ihnen Weißbrot mit Erdnussbutter an. Beide sind bis zum Rand mit Wodka abgefüllt. „Trinkst du mit uns?“, fragen sie eine volle Flasche auf den Tisch stellend. Da ich keinen Wodka trinke lehne ich dankend ab. Das macht ihnen nichts aus. Sie köpfen die Flasche und innerhalb von zehn Minuten ist die Hälfte weg. „Das Brot schmeckt furchtbar, kann ich nicht essen“, sagt der eine von Beiden und legt es auf den Tisch. „Erdnussbutter scheint nicht ihr Ding zu sein“, meint Tanja. Als weitere fünf Minuten verstreichen wollen sie gehen. Ich helfe dem einen schwer Angetrunkenen hoch da er es aus eigener Kraft nicht mehr schafft. „Sie gehen Heuschneiden damit ihre Tiere im Winter etwas zum Fressen haben“, erklärt Ulzii. „In diesem Zustand?“ „Ist gefährlich aber so ist das halt“, antwortet Ulzii.

Am nächsten Morgen bauen Ulzii und Bilgee die große Jurte ab. Tovuu kommt vorbei um sie irgendwo einzulagern. Unsere gewohnte Behausung existiert also nicht mehr. Fühlt sich komisch an. Unabhängig davon ist die Entscheidung, morgen aufzubrechen, schon vor Tagen gefallen. Wir befinden uns demzufolge die letzten Stunden im Bilgees Camp und in diesem wunderschönen Tal in dem bereits so manche Jurte verschwunden ist. Ob die Menschen bereits Anfang September vor dem kommenden Winter in die Stadt fliehen? Zweifelsohne sind wir wegen den aufwendigen Vorbereitungen spät dran.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.