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Die Rache des kleinen Baches

Mongolei/Bilgee Camp — 24.08.2011

Völlig kraftlos und mit starken Kopfschmerzen wache ich heute Morgen auf. Anscheinend hat mich hier nicht Montezumas sondern die Rache des kleinen Baches erwischt. Wie ein alter Mann krieche ich aus dem Zelt und schleppe mich Zur Jurte. „Fühlst du dich in der Lage mitzukommen?“, fragt Tanja. „Ich weiß nicht. Könnt ihr das mit dem Wechsler nicht ohne mich machen?“, antworte ich. „Es ist besser wenn du dabei bist. Ich selbst kenne mich mit der Technik nicht aus und Ulzii kann schlecht für dich Entscheidungen treffen“, überzeugt Tanja mich mit nach Erdenet zu gehen. Tovuu, der Schwager von Bilgee, hat uns angeboten uns für 8.000 Tugrik pro Person mit seinem Auto nach Erdenet zu fahren. Wir sind erleichtert nicht mit den Pferden zur Straße reiten zu müssen und nehmen sein Angebot an. Als das Auto dann über die Löcher und Unebenheiten der Steppe holpert wird mir nach wenigen Kilometer speiübel. Mein Kopf brummt als wären darin kleine Zwerge am Werk um mit Schaufel und Pickel tiefe Löcher zu graben. Ich blinzle durch das Fenster auf die regennasse Steppe. Das kalte Regenwetter hat sich meinem Gemüts- und Gesundheitszustand angepasst. Als wir die Kleinstadt erreichen bin ich kaum noch in der Lage zu sprechen, geschweige denn auf den Markt zu gehen, um mich um einen Spannungswechsler zu kümmern. „Wir bringen dich zu Naraa. Da kannst du dich hinlegen. Wir besorgen alles was wir noch benötigen und Ulzii kümmert sich um die Reparatur des Wechslers“, entscheidet Tanja. Mit einem kleinlauten „Ja“, bestätige ich Tanjas Worte. Naraa freut sich sehr uns so unverhofft noch mal zu sehen und bietet mir eine Matratze in der Wohnküche an. Vor Kälte und Schwäche zitternd lasse ich mich erleichtert nieder. Als wir hier ankamen dachte ich das Ende der Komfortzone erreicht zu haben. Alles erschien uns so einfach und unsauber und jetzt glaube ich in einem Sternehotel unterzukommen. Das Feuer im Ofen knistert und strahlt eine wohlige Wärme aus. „Nimm die Decken“, sagt Naraa und breitet zwei davon über meinen Körper. „Bajarlaa“, (danke) sage ich leise, mich wegen der ständig aufkommenden Bauchkrämpfen krümmenden. Dann bietet mir Naraa ein Glas heißes Wasser an. „Gute Besserung. Das wird schon wieder“, sagt Tanja sich verabschiedend. „Ich hoffe“, antworte ich und wünsche mir keine Ruhr eingefangen zu haben unter der ich auf unseren Reisen schon oft furchtbar gelitten habe. Es dauert nicht lange und ich falle in einen fieberhaften Schlaf. Von Zeit zu Zeit bin ich gezwungen aufzustehen, über den nassen verregneten Hof zu schleichen, um das Plumpsklo aufzusuchen. So vergeht dieser unangenehme Tag. Plötzlich klingelt mein Handy das nach dem zerlegen und trocknen seit heute Morgen tatsächlich wieder funktioniert. „Die Reparatur des Wechslers kostet mindestens 90.000 Tugrik. (52,- €) Sollen wir das machen lassen? Es wird ein paar Tage dauern“, möchte Tanja am anderen Ende der Leitung wissen. Ich versuche meine wirren Gedanken zu ordnen und komme zu dem Schluss das teure Teil nicht machen zu lassen. „Wir können uns mit dem 12 Volt Netzteil des Ersatzrechners behelfen. Das scheint zu funktionieren“, antworte ich womit sich das Thema Spannungswechsler auf einmal in Luft aufgelöst.

Am Abend kommt Ulzii und Tovuu wieder um mich abzuholen. Wir fahren zum Supermarkt und gabeln Tanja auf die noch weiteren Nahrungsnachschub eingekauft hat. Dann geht es erstmal zur Tankstelle. „30.000 Tugrik“, (17;- €) fordert Tovuu. „Haben wir nicht 8.000 Tugrik pro Person ausgemacht? Das sind dann 24.000 Tugrik und nicht 30.000“, rechnet Tanja. „Stimmt, aber ich bin zu schlapp um mich hier wegen den 6.000 Tugrik (3,50 €) herumzuärgern“, antworte ich. „Sie versuchen doch immer etwas mehr herauszuschlagen als vereinbart“, meint Tanja die Sache auf sich beruhen lassend. Als wir Erdenet verlassen geht die Sonne in spektakulären Farben unter. Der viele Regen hat die Luft rein gewaschen und der glühende Stern lässt die Wolkenstreifen in allen Rot-, Gelb- und Orangefarben erscheinen. Es ist ein Sonnenuntergang wie man ihn nicht so oft im Leben sieht. Als wir wieder im Jurtencamp sind verziehe ich mich sofort ins Zelt und schlafe bis am nächsten Morgen durch. Tanja, Bilgee und Ulzii übernehmen für mich den Wachdienst.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.