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Erkenntnis zum Weg ins eigene Ich

Mongolei/Bilgee Camp — 22.08.2011

Der heutige Tag begrüßt uns mit wunderbarem Sonnenschein. Von dem Unwetter ist nichts mehr zu erahnen. Wegen dem Ausfall meines Wechsler denken wir darüber nach heute nach Erdenet zu gehen. Geplant ist mit den Pferden zur Hauptstraße zu reiten, um dort mit einem Auto, welches wir anhalten, in die Stadt zu fahren. Bilgee wird dann die Pferde wieder zum Jurtencamp zurück bringen. Auf der Rückreise von Erdenet müssen wir dann mit einem Bus, der uns an der Straße rauslassen wird, zurückkommen und die paar Kilometer von der Straße bis ins Camp laufen. Alles recht umständlich aber machbar. Hier draußen hat sich die Taktung des Lebens völlig und schlagartig verlangsamt. Angefangen hat das schon in U.B. Die Verlangsamung hat sich in Erdenet fortgesetzt und auf dem Land, in den Jurtencamps, gibt es eine westliche Zeitdenke nicht mehr. Wir haben das Tor in eine andere Welt durchschritten. Eine andere Welt auf dem gleichen Planeten. Es ist wunderbar dass es so etwas noch gibt. Dieser Lebensstiel ist zweifelsohne schützenswert und weltweit vom Aussterben bedroht. Welch ein Geschenk ist es so etwas erleben zu dürfen. Natürlich möchte ich diese Form des Seins nicht verromantisieren. Damit hat es absolut nichts zu tun. Es ist ein hartes Leben hier draußen mit einer Gesetzgebung die gnadenlos sein kann. Meister Natur oder Mutter Erde ist gut zu den Menschen wenn sie ihre Gesetzgebung bedingungslos akzeptieren. Hier sind wir direkt dran an den Elementen. Außer einer Stoff oder Filzhaut ist nichts mehr zwischen uns und dem Himmel, zwischen uns und der Erde. Wir sind ein Teil von allem was ist. Ob wir es nun wollen oder nicht. Wenn wir die Gesetze hier draußen beachten wird uns nichts geschehen. Sollten wir grobe Fehler machen, müssen wir dafür Rechenschaft ablegen. In welcher Form auch immer. Meist direkt und unmittelbar. In den Städten dieser Erde, den Ballungszentren der Menschheit herrscht Korruption, Geldgier, Habgier, Machtgier, Überdruss, Langeweile, Dekadenz usw. Nur wenige halten sich an die Gesetze der Natur da sie, so meinen wir, nach außen verdrängt werden. Aber das ist ein Trugschluss mit Konsequenzen die nicht abzusehen sind. Wir sind noch nicht lange da aber die Höhen und Tiefen die wir in der kurzer Zeit hier erlebt haben veranlassen mich schon jetzt über Sein oder Nichtsein, über Sinn und Unsinn, über wichtig und unwichtig, über Glück und Unglück, über das Leben an sich nachzudenken. Obwohl ich mir es zu diesem Zeitpunkt noch nicht erlauben kann darüber zu urteilen ob es eine gute Entscheidung war uns hier in diese abgelegenen Erdteil zu bringen oder nicht weiß ich das wir hier sind aus einem Grund den ich noch nicht in Worte setzen kann. Im eigentlichen Sinne ist es nicht mal eine freiwillige Entscheidung gewesen sondern eine vom Bauchgefühl bestimmte Aufforderung. Rational nicht unbedingt nachvollziehbar. Dafür war der persönliche, emotionale und finanzieller Aufwand gewaltig. Alles was wir in den letzten 1 ½ Jahren verdient haben befindet sich hier in unserem Camp. Und das ist gewiss kein Luxus. Wie auch immer. Wir sind nun in der Mongolei und lassen uns von den Geschehnissen treiben. Wir müssen versuchen unsere im Kopf fixierten Zeitpläne zu ignorieren und uns der Gesetzgebung dieses Landes hingeben. Dazu gehören auch die unbestimmten und nicht nachvollziehbaren Ausfälle der Technik. Vielleicht sollte ich wirklich aufhören zu schreiben? Oder ist das nur eine Herausforderung an mich, an mein Innerstes auch diese Hürden zu überwinden? Tatsache ist, zumindest glaube ich das zu fühlen, gibt es ohne meine Aufzeichnung keine authentische Beschreibung dieser Reise. Und wenn ich als Botschafter der Mutter Erde keine Dokumentation mache, was macht dann so eine Reise für einen Sinn? Vielleicht den Sinn der persönlichen Entwicklung. Aber ist das genug? Ist das vielleicht sogar egoistisch? Als Brückenbauer der Kulturen mit Sicherheit ein plausibler Gedanke, jedoch für mich in Person oftmals so schmerzhaft anstrengend das ich mein Innerstes in den letzten Monaten öfter als einmal hinterfrage. Auf der einen Seite wäre es fantastisch, ja geradezu berauschend so eine Expeditionsreise durchführen zu können ohne Energiebox, Solarpanel, Laptops, vier Kameras, zwei Videokameras, Stative, Objektive, 15, verschieden Ladegeräte und Netzteile, Akkus und vieles, vieles mehr. Wäre das die wirkliche Freiheit? Was wäre dann mit der Finanzierung? Was wäre dann danach? Wir können und wollen ja auch nicht für den Rest unseres Lebens in der Wildnis verbringen. Aber die Finanzierung ist und kann für so ein Unterfangen, für unseren gesamten Lebensstil keine Motivation sein. Das haben Tanja und ich in hunderten von Gesprächen analisiert. Dafür hätte ich als erfolgreicher Verkaufsleiter genug Geld verdient, um viele Kurzexpeditionen unternehmen zu können. Nein, ein ganz klares Nein! Das ist es nicht. Also ist es ein innerer Antrieb. Eine Bestimmung. Und wenn es so ist dann hat dieses Unterfangen nichts mit Egoismus, Selbstbefriedigung und Selbstbeweihräucherung zu tun sondern hat einen tieferen Sinn. Und wenn es einen tieferen Sinn gibt dann hat es auch einen Sinn warum ständig diese Technik ausgefallen ist. Nur welchen? Vielleicht um mir den Wahnsinn unserer schnellen technischen Welt rigoros vor Augen zu führen? Vielleicht diese Gedanken zu formulieren? Vielleicht mich selbst zu überprüfen wo meine wirkliche Motivation liegt? Um mir erneut klar zu werden welch wichtiger Job es ist hier als Botschafter von Mutter Erde ein Leben zu beschreiben welches in unserer Gesellschaftsform nicht mehr der Norm entspricht? Eine Lebensform zu beschreiben die zweifelsohne vom Aussterben bedroht ist? Nicht nur die Lebensform der hiesigen Nomaden sondern auch die Lebensform eines Abenteurerpaares? Eine Paares die sich mit Haut und Haaren dieser Sache verschrieben haben. Wie wird es in der Zukunft auf Erden aussehen? Alles liegt einem Prozess der ständigen Veränderungen zu Grunde. Solch eine Reiseform, eine Dokumentationsform wird irgendwann einmal so außergewöhnlich sein wie die Berichterstattungen bereits vergangener Abenteurer. Und was wäre die heutige Zeit ohne die Zeitdokumente des Forschers Alexander von Humbold, des Entdeckers Christoph Kolumbus oder Asienforschers Sven Hedin? Ohne diese Menschen wäre es arm um unsere Vergangenheit. Natürlich möchte ich mit der Aufzählung solcher weltbekannten Persönlichkeit keine Brücke zwischen uns und ihnen schlagen. Sie geben mir nur ein Beispiel wie wichtig solche Reisen sein können und was Menschen in der Lage sind zu leisten. Seltsam das ich gerade in Verbindung mit meinen lächerlichen Technikproblemen auf solche Gedanken komme. Aber wie gesagt, vielleicht ist das kein Zufall da ja alles was geschieht einen Sinn ergibt. Letztendlich bringen mich diese Vorfälle zu den Gründen meiner Motivation und das alleine ist für mich sehr erkenntnisreich, ja sogar motivierend. Herausforderung als Motivation könnte die Erkenntnis sein. Herausforderung um den Weg ins eigene Ich zu finden könnte auch eine Erkenntnis sein. Herausforderung um Flexibilität zu kreieren gehört eventuell auch dazu. Herausforderung um Wachstum zu erzeugen ist mit Sicherheit ein weiterer Teil davon. Nun, was möchte ich eigentlich noch mehr? Das ist zweifelsohne genug um nicht die Flinte ins Korn zu werfen und weiter zu machen. Weiter zu schreiben. Weiter zu beobachten, weiter zu filmen und zu fotografieren. Einfach weiter machen. Einen Schritt vor den anderen setzen, um so in das Mysterium Leben vorzudringen. Mit allen Facetten, allen Höhen und Tiefen. Eine unendliche Forschungsreise in das eigene Selbst. Eine Forschungsreise auf der Oberfläche der Mutter Erde die uns mit jedem Schritt, jedem Kilometer automatisch tiefer und tiefer bringt bis wir anfangen das allumfassende System zu verstehen. Bis wir anfangen die Zusammenhänge von allem was ist zu verstehen. Was für eine wunderbare Aufgabe. Und wer hat schon gesagt dass diese Aufgabe leicht sein soll? Und wer bestimmt was leicht oder schwer ist? Letztendlich ist das immer eine Einstellungssache.

„Denis, heute ist doch Montag?“, holt mich Tanja aus meinen Gedanken. „Äh, ja!“, antworte ich wie in Trance. „Am Montag ist der Markt geschlossen. Wir können heute nicht nach Erdenet gehen um deinen Wechsler reparieren zu lassen. Wir sollten das auf morgen verschieben.“ „Okay, dann verschieben wir das eben auf morgen“, antworte ich nicht an unserem Plan klammernd. Wer weiß für was die Terminänderung gut ist? Ich erhebe mich aus meinem Stuhl um mir ein wenig die Beine zu vertreten. Mir fällt ein, dass wir in der Stadt die Handys benötigen, um miteinander kommunizieren zu können. Also hole ich meines aus dem Rucksack der sich auf dem Pferdewagen befindet. „Kann wohl nicht war sein!?“, rufe ich entsetzt als ich das Ding in der Hand halte. Der Sturm hat gestern einen Teil der schützenden Plane vom Pferdewagen gerissen und den Rucksack aufgedeckt. Das Handy ist in Wasser getränkt und völlig im Eimer. Wieder ein Technikausfall. Und welcher Sinn steckt da wieder dahinter? „Nur nicht aufregen. Versuche es zu trocknen. Vielleicht geht es in ein paar Tagen wieder“, beruhigt mich Tanja.

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