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Erneuter Technikausfall und Sturm

Mongolei/Bilgee Camp — 21.08.2011

Heute sind wir sehr müde und kaum in der Lage etwas zu unternehmen. Wir kommen nur sehr langsam in die Gänge. Erst um 12:00 Uhr hat Tanja unser Frühstück bereitet. Wir setzen uns auf die ausgebreitet Plane und essen ein paar in Gewürzbrühe gekochte Nudeln. Dazu gibt es frische Gurken, Tomaten und danach Boortsog (in Öl gebackene Hefeteigbällchen). Der Sohn von Bilgee Orgio und seine Cousine Sarnai sitzen ebenfalls auf der Plane und essen mit großem Vergnügen die Gurken. Vor allem fahren sie richtig auf das Gewürzsalz von Rapunzel ab. Orgio kann sich kaum beherrschen und würde am liebsten unsere gesamten Gurken- und Salzvorräte aufessen. Für die beiden Kinder ist alles was wir dabei haben etwas Neues. Sie möchten es ausprobieren. „Dürfen wir ins Zelt?“, fragen sie höflich. „Wenn ihr eure Schuhe auszieht gerne“, antwortet Tanja. Dann versuche ich etwas Schlaf zu finden und mache es mir unter einer Schatten spendenden Plane bequem. Kaum habe ich mich hingelegt kommt starker Wind auf der meine Erholungspause zu Nichte macht. In der Mongolei kann man sich auf das Wetter nicht verlassen. Es ändert sich unaufhörlich, manchmal sogar von einer Minute auf die andere. Wir nutzen den Nachmittag um uns im Bächchen zu waschen. Das Wasser ist eiskalt. Es erinnert uns an den Baikalsee an dem wir auf unserer Radreise von Deutschland bis in die Mongolei für ein paar Wochen gelebt haben. Das Gute am Baikal war allerdings, dass man hineinspringen konnte, einen kurzen Schock bekam, aber dann wenigsten den gesamten Körper in den Fluten eingetaucht hatte. Nach dem Motto, ein Ende mit Schrecken ist besser als einen Schrecken ohne Ende. An diesem Gewässer allerdings ist das Waschen eher mit einem Schrecken ohne Ende vergleichbar. Wir können unseren Körper nur mit einem Becher benetzen. Jedes Mal wenn wir den Behälter über uns entleeren bleibt einem glatt die Luft weg. Es ist ungefähr so als würde man sich selbst Schmerzen zufügen. „Waschen unter extremen Bedingungen!“, rufe ich. Obwohl wir hier die erste Pseudodusche seit über zwei Wochen haben, können wir sie definitiv nicht genießen.

Auch am späten Nachmittag bin ich kaum in der Lage etwas zu tun. Trotzdem hat sich in den letzten zehn Tagen so viel ereignet, dass ich gezwungen bin es niederzuschreiben. „Wenn ich jetzt nicht anfange schaffe ich es nie mehr unsere Erlebnisse festzuhalten“, sage ich und packe meine Energiebox und die Autobatterie, um beide mit den Solarpanels zu verbinden. „Du kannst deine Technik in der kleinen Jurte aufbauen. Das ist doch bei dem wechselhaften Wetter viel besser“, meint Tovuu der Schwager von Bilgee, der während der Sommerferien mit seiner Frau Baatar in der kleinen Jurte neben Bilgees Jurte lebt und im Winter in seiner Stadtwohnung nach Erdenet zieht. Ich bedanke mich bei ihm und verlege meinen Schreibplatz in seine Unterkunft. Nachdem ich alles hineingetragen habe binde ich die Solarpanel auf das Jurtendach, führe die Kabel durch die Tür ins innere und schließe meinen 12 auf 220 Volt Wandler an die Autobatterie. Obwohl das Teil 160.000 Tugrik (92,- €) gekostet hat bin ich jetzt froh es mit Taagii noch in U. B. gekauft zu haben denn eine funktionierende Technik ist für meine Dokumentationsarbeit hier draußen von elementarer Wichtigkeit. Leider hängt die Funktionsfähigkeit von Hightech im Busch manchmal am seidenen Faden. Die kleinste Kleinigkeit kann alles zu Nichte machen. Das habe ich ja in U.B. schon erlebt als mein Wandler der Energiebox schon nach zehn Minuten wegen Überhitzung Alarm gegeben hat. Aber mit dem neuen Wandler ist das jetzt Historie. Ich kann damit meinen Laptop ohne Probleme laden. Da macht es auch nichts, dass das nachbestellte 12 Volt Netzteil von Deutschland bis heute noch nicht bei Naraas Adresse eingetroffen ist. Gut gelaunt lasse ich mich in meinen Campstuhl nieder, den ich mit einer Filzmatte und ein paar aufblasbaren Sitzkissen aufgemotzt habe, damit man darin acht Stunden am Tag sitzen kann ohne sich am Tagesende das Kreuz verbogen zu haben. Ich schreibe gerade die ersten Sätze als plötzlich das Touch Pad des Laptops hypersensibel reagiert. Es ist unmöglich ihn zu bedienen. Nervös schalte ich das Durabook an und wieder aus aber es bleibt dabei, es ist mehr oder weniger manövrierunfähig. Eine Hitzewelle der Angst und Verzweiflung steigt in mir auf. Wieder habe ich ein technisches Problem. Ich werfe einen Blick auf den Wandler und siehe da er ist ausgefallen. Die rote Kontrollleuchte zeigt einen Fehler an. Mehrfach schließe ich ihn an die Batterie an, aber es bleibt dabei. Er macht keinen Zucker mehr. Dann stecke ich das Netzteil des Laptops in die Energiebox und siehe da das Touch Pad funktioniert wieder. Anscheinend hat der defekte neue Wandler eine Über- oder Unterspannung verursacht und somit den Laptop außer Gefecht gesetzt. „Ein Problem gelöst“, flüstere ich. Bei den weiteren Überprüfungen des Wandlers muss ich der Tatsache ins Auge sehen, dass er nur wenige Minuten gearbeitet hat bis das teure Teil seinen Geist aufgab. Selbst nachdem zerlegen und wieder zusammenbauen ist der 12 Voltausgang tot. Die letzte Möglichkeit einer dauerhaften Energiezufuhr für das Notebook ist das 12 Volt Netzteil unseres Itronix Ersatzrechner auszuprobieren. Da es mehr Strom liefert als das Durabook benötigt besteht darin das Risiko es auf Dauer zu killen. Ich gehe das Risiko ein und schließe es trotzdem an. Die grüne Ladelampe des Notebooks zeigt tatsächlich eine Energieversorgung an.

Urplötzlich bläst eine starke Windböe durch die geöffnete Jurtentür. Sie wirbelt den Staub und Schmutz auf, der sich augenblicklich auf die Technik legt. Ich haste nach draußen, um einen Blick in den Himmel zu werfen. Bedrohlich dunkle Wolken haben sich aufgetürmt. Durch den Wind getrieben jagen sie in hoher Geschwindigkeit auf unser Camp zu. Blitze durchzucken die finsteren Himmelsformationen das einem Angst und Bang werden kann. Ich hetzte zu den Zelten, um mit Tanja die Sturmverspannungen zu ziehen. Dann springen wir zu dem vor kurzem aufgespannten Sonnendach. In Windeseile bauen wir es ab, legen es zusammen und werfen es auf den Pferdewagen. „Wir müssen die Plane über die Ausrüstung und die Nahrung legen!“, ruft Tanja, um gegen den heulenden Wind anzukommen. Wir haben Schwierigkeiten die Plane zu befestigen da die Böen sie uns fast aus den Händen reißt. „Kümmere du dich um das Abdecken der Ausrüstung ich muss die Jurte regensicher machen!“, brülle ich und hetze zu der Nomadenbehausung zurück. Weil Baatar und ihr Mann Tovuu bereits heute Mittag mit ihrem Auto nach Erdenet gefahren sind und Bilgee und Ulzii mit den Pferden unterwegs sind, um für die Nahrungsversorgung der Expedition eine Ziege zu kaufen, sind wir alleine im Camp. Nur der kleine Orgio ist da und schaut unserem aufgeregten Treiben aufmerksam zu. Da er das Wetter in diesem Land kennt hat er schon bevor das Unwetter über uns hereingebrochen ist einen Regenmantel übergezogen. Ich hingegen bin bis auf die Haut durchnässt und zittere wie Espenlaub. Als ich bei der Jurte ankomme bemerke ich die vom Wind zugeschlagene Tür. Dummerweise zog ich genau durch diese Tür das Kabel der Solarpanels. „Oh nein! Bitte nicht!“, rufe ich als ich feststellen muss das eines der Kabel schwer gequetscht ist. „Vielleicht ist es meine Bestimmung auf dieser Reise keine Berichterstattung niederzuschreiben?“, denke ich ernsthaft, denn noch nie in meinem Expeditions- und Reiseleben habe ich so umfangreiche und große Schwierigkeiten mit der Technik gehabt. Jedoch bleibt mir in diesem Moment keine Zeit um über solche Dinge nachzudenken, denn mittlerweile strömt der Regen in Sturzbächen in die Jurte. In Sekunden sind der Laptop und die Energiebox nass. „Verdammter Mist!“, fluche ich lauthals, schließe die von Gedatt gebaute Energiebox und packe den Laptop in eine wasserdichte Ortliebtasche. Dann stürme ich wieder nach draußen, um das Seil zu suchen, mit dem man den kuppelförmigen hölzernen Dachkranz, der als Rauchabzug genutzt wird, verschließen kann. Blitzschnell löse ich den Knoten, werfe das Seil über die undurchlässige, Wasser abweisende aus Schafswolle gearbeitete Filzbahnen des Daches und schließe den Rauchabzug. Jetzt ist der blecherne Schlot im Weg. Ich ziehe das verrostete Teil aus dem kleinen Ofen und kann somit die Dachluke komplett schließen. Orgio, Tanja und ich stehen nun wie die begossenen Pudel in der kleinen Behausung und warten auf das Ende des Gewitters. „Ist etwas zu schaden gekommen?“, fragt Tanja leise auf die Laptoptasche und Energiebox deutend. „Denke es hat ein Kabel vom Solarpanel erwischt. Wie es dem Laptop und der Energiebox geht kann ich erst später sagen. Sind beide nass geworden als wir den Pferdewagen abgedeckt haben“, meine ich kleinlaut und vor Nässe und Kälte bibbernd. „Nimm meine Fliesjacke“, bietet mir Tanja an. „Dann frierst du. Das ergibt keinen Sinn.“ „Ich habe eine Regejacke drüber und bin trocken. Zieh sie besser an sonst erkältest du dich noch“, sagt sie mit Nachdruck worauf ich mein nasses Hemd ausziehe, um mich in die zu kleine Jacke zu zwängen. „Puh, viel besser. Danke“, ächze ich, mir die feuchten Hände trocken reibend.

Eine Stunde später kommen Bilgee und Ulzii wieder. „Habt ihr eine Ziege?“, fragt Tanja. „Heute ist ein schlechter Tag um eine Ziege zu kaufen. Man möchte uns die Ziege erst morgen geben ansonsten bringt das Unglück“, meint Ulzii. Schnell hat der erfahrene Nomade Bilgee ein Feuer in den beiden Jurten entfacht. Durch die dicken Filzwände wird es derart schnell warm in der Behausung was uns veranlasst sofort unsere Jacken auszuziehen. So lernen wir schnell wie man hier draußen lebt und wie man sich gegen diese Wetterumstürze wappnet. Kaum ist wieder Wärme in meinen Körper kümmere ich mich um die Technik. Laptop und Energiebox haben Gott sei Dank die Regenattacke überstanden. Nur das Kabel sieht übel aus weil genau der Anschluss verquetscht ist. Nach einer halben Stunde habe ich das Ding wieder so zurechtgebogen um es problemlos nutzen zu können.

„Essen kommen! Bilgee hat eine gut riechende Suppe gekocht!“, ruft mich Tanja. Ich unterbreche meine Arbeit und gehe mit Tanja in Bilgees große Jurte. Es riecht nach gekochtem Ziegenfleisch, Kartoffeln und Zwiebeln. „Hm, schmeckt lecker“, loben wir unseren Begleiter, der sich nicht nur mit Pferden und dem Leben hier draußen auskennt, sondern auch noch gut kochen kann. Um zehn Uhr verziehen wir uns ins Zelt. Da meine heutige Wache von 4:00 Uhr bis 6:00 Uhr morgens geht, habe ich das Glück 6 Stunden zusammenhängend schlafen zu können.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.