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Schmerzende Glieder und Hitze

Mongolei/Bilgee Camp — 20.08.2011

Am Morgen fühle ich mich sehr müde. Wegen der Nachtschicht, die mich aus meinem gewohnten Rhythmus gerissen hat, konnte ich nur wenige Stunden Schlafen. Trotzdem begrüße ich den wunderschönen Morgen mit einem Lächeln. Wegen der Umgewöhnung und weil noch nicht alles da verstaut ist wo es hingehört, dauert der Lagerzusammenbau recht lang. Ulzii und Bilgee sind vor einer Stunde weggeritten, um bei einer Jurte Wasser für uns alle zu holen. Als sie wieder da sind ist es schon kurz vor 12:00 Uhr. Sie essen schnell ihr Frühstück, dann satteln wir die Pferde und spannen Sharga ein. Wieder geht es über lang gezogene Grashügel in Richtung Nordosten. Die Ansteigungen werden immer steiler. Immer öfter sind wir jetzt gezwungen Sharga bei seiner schweren Arbeit zu unterstützen. Ulzii und ich steigen aus dem Sattel um den Pferdewagen die Hänge hinaufzuschieben. Auf einmal ist die ganze Sache Schwerstarbeit. Um das Gewicht für das Zugpferd zu entlasten läuft Bilgee schon seit Stunden voran, um es zu ziehen. In Serpentinen geht es so die Berge hinauf, die wir einen nach dem anderen überwinden. Ab und an legen wir eine kurze Rast ein. Die Temperaturen liegen heute bei ca. 35 Grad. Es ist schwül und Gewitterwolken ziehen auf. Auch wenn wir guter Dinge sind und zurzeit alles reibungsfrei läuft ist es ein anstrengender Tag. Schon jetzt tut uns jeder Muskel und Knochen im Körper weh. Auch die Knie beginnen wegen der ungewohnten Stellung im Sattel zu schmerzen. Die Mongolen reiten mit ganz kurz eingestellten Steigbügeln und sitzen deswegen wie Jockeys im Sattel. Da Bilgee auch unsere Riemen anfänglich so kurz einstellte verlängern wir deshalb im Laufe des Tages unsere Steigbügelriemen. Wegen des überraschten Aufbruchs haben wir nicht genügenden Wasservorräte dabei und das von Bilgee und Ulzii mitgebrachte Nass ist bald zuneige. Wir haben Durst und freuen uns Bilgees Jurtencamp zu erreichen. „Hinter diesem Hügel liegt mein Zuhause“, sagt Bilgee über eine grüne Barriere deutend. Wieder schieben wir den Wagen. Oben angelangt tut sich der Blick in ein lieblich wirkendes Tal auf durch das sich ein schmaler Bach windet. Tierherden aller Art grasen in Gruppen im saftigen Grün. Alle paar hundert Meter strecken Jurten ihre weißen runden Dächer wie Pilze in den Abendhimmel. Hirten pfeifen oder rufen nach ihren Tieren oder treiben sie zum Bach. „Sieht aus wie im Paradies“, meint Tanja. Wir erreichen eine Furt die wir überqueren müssen. Plötzlich versinkt ein Reifen des Pferdewagens im tiefen Morast. An ein Weiterkommen ist nicht zu denken. Mit vereinten Kräften schieben Ulzii und ich den Wagen während Bilgee Sharga zu Höchstleistung antreibt. Es gibt einen Ruck und der Karren ist frei.

Müde und erschöpft erreichen wir um 20:00 Uhr die zwei Jurten von Bilgees Camp. Sein zehnjähriger Sohn Orgiltenger, (übersetzt Bergspitze im Himmel) kurz Orgio und die neunjährige Sarnai (übersetzt Rose) winkt uns schon von weitem zu. Freundlich werden wir von der Familie empfangen. Keiner der Anwesenden lässt es sich nehmen uns beim Lageraufbau zu helfen. Weil wir wegen der aufwendigen Expeditionsvorbereitung Zuhause keine Zeit hatten unsere Zelte zu testen, bauen wir sie hier das erste Mal auf. Ein Fehler den man unter keinen Umständen machen sollte. Vor allem nicht als Profi. Aber wie es oft so ist: Die Anfänger und die Profis machen manchmal unverzeihliche Fehler. Obwohl keine Aufbauanleitungen dabei sind schaffen wir es gemeinsam beide Behausungen zu errichten. „Kommt zum Essen in die Jurte“, lädt uns Bilgees Schwester Baatar ein. Wir folgen ihrer freundlichen Aufforderung und gehen in die große Jurte. Im kleinen Ofen knistert ein Feuer. Es gibt ein mongolisches Nationalgericht Bantan welches wir vom Geschmack und Konsistenz nicht definieren können. Es ist eine weißliche dicke Soße in der fette Fleischstückchen schwimmen. Gelinde gesagt ist es für unseren Gaumen sehr gewöhnungsbedürftig. Tanja, die eine entspannte Vegetarierin ist, fischt das Fleisch heraus. „Hilfst du mir den Rest zu essen?“, fragt sie. „Wenn es unbedingt sein muss“, antworte ich, da dieses Gericht nicht gerade meiner Leibspeise entspricht. Orgio und seine Cousine Sarnai springen ausgelassen herum. Für sie ist unser Besuch etwas Besonderes. Zum Abschluss bekommen wir Tee. Das Wasser hierfür kommt aus dem nahen Bächen aus dem alle Tiere des Tals saufen, in dem viele dieser Tiere sich erleichtern und in dem die Menschen sich oder ihre Wäsche waschen. Gott sei Dank ist das Teewasser gekocht. Da wir uns aber auf knapp 1.400 Meter Höhe befinden ist es wegen dem Abtöten der Keime und Bakterien wichtig das Wasser dementsprechend lange kochen zu lassen. Wie lange es hier auf dem Ofen stand wissen wir nicht. Aber ich bin im Augenblick viel zu müde, um mir zu viele Gedanken über das Essen, Wasser oder Hygiene zu machen.

Auch wenn es heute wieder ein langer Tag für uns alle war dürfen wir die Wachschichten nicht vernachlässigen. Dafür haben wir bisher viel zu viele Warnungen bekommen. So quäle ich mich aus dem Zelt um von 2:00 Uhr bis 4:00 Uhr über unsere Pferde zu wachen. Und trotzdem ist es wieder eine wunderschöne Nacht die ich ohne diese Wache nicht so erleben würde.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.