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Aufbruch

Mongolei/Ziegenberg Camp — 19.08.2011

Schon am Morgen schleppen wir unsere gesamte Ausrüstung auf die Veranda des Blockhauses während Bilgee und Naraa die Pferde in den Nachbargarten zum Fressen führen. Dort können sie vor dem Aufbruch noch mal richtig reinhauen weil das Gras einen Meter hoch steht. Ulzii ist erneut zum Markt gefahren, um eine weitere Filzmatte und Haken für den Pferdewagen zu besorgen. Dann passen wir die Sättel an. Bilgee zeigt sich erneut als sehr erfahren. Mit Kennerauge schneidet und bindet er die Hüterseile, knotet die Halfter oder fixiert das Zaumzeug. Dann beladen wir zum ersten Mal den Pferdewagen und bekommen Gott sei Dank alles unter. Als Bilgee und Ulzii das helle und starke Wagenpferd einspannen wollen bekommt es große Augen und weigert sich vorerst unter die Deichsel zu gehen. Nur der Erfahrung von Bilgee haben wir es zu verdanken, dass sich das Wagenpferd beugt. „Trotzdem steht es nervös vor dem Wagen. Als die beiden mit ihm einen ersten Gehversuch unternehmen wollen sieht es so aus als würde das hellfarbige Wagenpferd durchgehen. Bilgee entscheidet die Fuhrleute anzurufen und um Rat zu fragen. Eine weitere weise Entscheidung denn ein junger Heißsporn hätte es eventuell auf einen Versuch ankommen lassen der schlimm enden kann. Eine halbe Stunde später tauchen die Fuhrleute tatsächlich auf. Sie testen den Pferdewagen und befinden meine Konstruktion als gut gelungen. Dann spannen sie Sharga wieder an. Sharga ist das mongolische Wort für gelb. Wegen seiner beigen Fellfarbe nennen wir ihn ab sofort Gelb also Sharga. „Ihr dürft Sharga nicht führen und ziehen sondern einer von euch muss auf dem Wagen sitzen und ihn mit den Zügeln steuern. Das ist er so gewohnt. Alles andere ist zu gefährlich“, bestimmen die Fuhrleute. „Wir können Sharga doch nicht zu all der Ausrüstung noch das Gewicht eines Menschen aufbürden. Das ist doch viel zu viel“, meine ich. „Ha,ha,ha,! Zuviel? Das ist nicht zuviel. Sharga ist gewohnt Holzstämme zu transportieren. Da muss er viel mehr ziehen. Euer Pferdewagen ist auf keinen Fall zu schwer“, sagen die Fuhrleute. Dann schnappen sie sich Sharga, führen ihn mit dem Pferdewagen aus Naraas Hof und einer von ihnen setzt sich auf die Deichsel und reitet los. Ehe wir uns versehen sind die Fuhrleute verschwunden. „Machen die jetzt einen Test oder geht es schon los?“, frage ich über die Geschwindigkeit des Aufbruchs verblüfft. „Ich glaube die kommen nicht zurück“, meint Tanja weshalb wir uns in die Sättel schwingen und nun mit Satteltaschen, Zaumzeug, Halter und Hoppeln gerüstet zum ersten Mal unsere Pferde reiten. Wegen der Eile lassen wir Naraas Blockhaus zurück ohne uns umzudrehen. Auf der Schotterstraße überholen wir Naraa die ebenfalls vorausgeeilt ist und das zweite Wagenpferd führt. Da es dunkelbraun ist und die Farbe braun in der Mongolei Bor heißt, nennen wir ihn ab sofort Bor.

Ulzii reitet auf seinem Pferd welches er Od nennt (übersetzt Stern)und führt Bilgees Reitpferd namens Tenger (übersetzt Himmel)an der Halfterleine hinter sich her. Noch etwas unsicher im Sattel erreichen wir die Hauptstraße. Plötzlich rutscht mein Sattel. Ich steige ab und falle dabei fast von meinem Pferd. Weil die Spitzen der Ohren weiß sind wollte ich es eigentlich White Tip nennen. Da wir nun aber allen Pferden mongolische Namen gegeben haben möchte ich keine Ausnahme machen und nenne es Sar, was übersetzt Mond heißt. „Kann der überhaupt reiten?!“, ruft eine Frau sich über mich Lustig machend aus dem Autofenster. „Er kann sehr gut reiten!“, verteidigt mich Ulzii der Frau nachrufend. „Ist Schon ein Wagnis seit 15 Jahren nicht mehr geritten zu sein und auf einmal soll es für lange Zeit auf Pferderücken in die Wildnis gehen“, denke ich mir die Sattelgurte so fest wie es geht anzuziehen und wieder in den Sattel zu steigen. Jetzt fühlt sich die Sache schon besser an. Wir folgen Bilgee, der jetzt sein linkes Bein nach unten baumelnd, schräg auf einer der zwei dünnen Stämmen sitzt, die vom Wagen aus nach vorne gehen. Dazwischen ist Sharga eingespannt. Ich nenne die Baumstämme jetzt mal Deichsel. Mogi ist mit einer Schnur am Pferdewagen angebunden und wird gegen seinen Willen hinterher gezogen. Autos überholen uns und viele Augen beobachten den eigenwillig anzusehenden Zug. Am Stadtrand übergibt Naraa das zweite Wagenpferd an Ulzii der nun zwei Pferde führt. „Auf Wiedersehen und eine gute und sichere Reise!“, ruft sie uns nach. „Vielen Dank für deine Gastfreundschaft und freundliche Bewirtung!“, antworten wir. Wir werfen noch ein paar Kusshände hin und her und winken so lange bis Naraa aus dem Blickfeld verschwindet.

Wir folgen schmalen, staubigen Gassen. Links und rechts stehen die kleinen Blockhäuser mit den bunten Dächern. Jedes von ihnen hat einen nahezu gleich große Garten oder Hof von ca. 800 Quadratmeter. Die Anwesen werden durch hässliche Bretterzäune gesäumt. Hunde bellen und kläffen hinter den Brettern. Viele von ihnen haben irgendwelche Löcher gefunden, um auf die Straße oder wie man den lehmigen, löchrigen Pfad hier nennt, zu gelangen. Als sie unseren Wagenzug entdecken wird dieser urplötzlich zur Beute erklärt. Rudel mit drei, vier oder mehr Hunden greifen uns kläffend an. Besonders auf Mogi haben sie es abgesehen der wehrlos an der Schnur hängt und nun hinter dem Wagen her trottet. Wir wenden unsere Pferde und starten einen Gegenangriff. Die Hundemeute ist beeindruckt und sucht das Weite. So geht es bis zur letzten Tränke von Erdenet die wir nutzen um unsere Pferde noch mal kräftig zu tränken. Mogi nutzt eines der Schlammlöcher, um sich darin zu kühlen. Ihm ist der Schmutz in diesem Loch egal. Für Tage wird er ab diesem Zeitpunkt die an seinem Fell festgeklebten Lehmbröckelchen mit sich herum tragen.

Wir lassen Erdenet hinter uns und befinden uns augenblicklich in einem Traumland. Yak- Schaf- Ziegen- und Pferdeherden sind unsere ständigen Wegbegleiter. Wir reiten über sanftes Hügelland. Die liebliche Spätnachmittagssonne lässt lange Schatten entstehen. Ein paar große Gewitterwolken schleichen sich über die Grashügel und bringen von Zeit zu Zeit Schatten. Bilgee sitzt noch immer recht unbequem auf der linken Deichselseite. Er verliert aber keinen Ton des Klagens. „Dort über den Hügeln ist mein Zuhause“, sagt er freundlich. Eigentlich ist das für heute unser Ziel. Da wir aber erst um 16:00 aufgebrochen sind werden wir es unmöglich erreichen können. Um 19:30 Uhr schlägt Bilgee vor unser Camp aufzubauen. „Eine gute Wahl“, sage ich denn der Campplatz befindet sich auf einer Wiese die von hier bis zum Horizont reicht. Wir satteln die Pferde ab und wegen dem guten Wetter entscheiden wir uns die Zelte nicht aufzubauen. Bilgee und Ulzii legen ihre Isomatten, die sie von uns bekommen haben, auf eine der Filzdecke, die ich kaufte. Wir hingegen rollen unsere Isomatten auf einer Zeltplane aus. Während unsere Begleiter die Pferde hoppeln und für die Nacht paarweise anpflocken, ich mit dem Pferdewagen und Nachtlageraufbau beschäftigt bin, bereitet Tanja eine kräftige Nudelsuppe auf dem kleinen Kocher. Nach der gewaltigen Vorbereitung, nach dem endlosen Visabeschaffungsaufwand und dem oftmals leidigen Verhandeln mit den Verkäufern, Nomaden und Handwerkern, sind wir froh die kaum zu beschreibende Ruhe der Hochlandsteppe zu genießen. Wir freuen uns alle zusammen über den positiven Start der Expeditionsreise und darüber dass Tanja und ich die ersten 17 Kilometer im Pferdesattel gut überstanden haben. „Spüre jetzt schon meinen Hintern“, meint Tanja. „Wir werden morgen einen kräftige Muskelkater haben“, antworte ich zufrieden und hungrig meine Suppe schlürfend. Zum Nachtisch bekommt jeder von uns einen russischen Bonbon der bereits nach so kurzer Zeit hier draußen wie Götterspeise mundet. Dann trinken wir Tee und lassen uns noch im Supermarkt gekaufte Boortsog schmecken. Mit vollem Bauch krieche ich dann in meinen Schlafsack. Trotz der Anstrengung des Tages müssen wir Nachtwache halten um unsere Pferde vor eventuellen Dieben zu schützen. Tanja hat die erste Schicht von 10:00 Uhr bis 24:00 Uhr. Ich bin von 24:00 Uhr bis 2:00 Uhr dran. Dann kommen Bilgee und Ulzii.

Kaum habe ich die Augen zugemacht höre ich Tanjas Weckruf. „Denis! Aufstehen. Deine Schicht beginnt.“ „Müde quäle ich mich aus dem Schlafsack. Mit der Stirnlampe bestückt gehe ich unsere Pferde ab, um zu sehen ob mit den Seilen alles in Ordnung ist. Dann setze ich mich auf meinen Campstuhl und nutze die Zeit um etwas Körperpflege zu betreiben. Die restliche halbe Stunde blicke ich in den klaren Sternenhimmel und fühle die tiefe Zufriedenheit die ich nur hier draußen in der Wildnis zu verspüren mag. Um 2:00 früh wecke ich Bilgee der ohne zu murren aufsteht und mich ablöst. Fröstelnd krabble ich in meinen Schlafsack und warte darauf bis mich die Müdigkeit ins Land der Träume entführt.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR: www.magesolar.de
Gesat GmbH: www.gesat.com

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.