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Taagii unser Übersetzer muss gehen

Mongolei/Erdenet — 18.08.2011

Wir haben die erste Nachtschicht gut überstanden und die Pferde sind am Morgen noch da. Bilgee, unser neuer Mann, kommt wir vereinbart pünktlich um 9:30 Uhr. Wir setzten unsere Besprechung von gestern fort. Meine Bedenken, auch er hat über Nacht seine Meinung wieder geändert, löst sich schnell in Luft auf. Er macht sich Gedanken um die Pferde. „Sie werden hier drinnen sterben“, meint er. „Es ist besser noch heute oder morgen aufzubrechen“, treibt er zur unverhofften Eile an. „Wie sollen wir das schaffen? Ist unmöglich. Ich bin mit meiner Schreibarbeit weit zurück. Komme wegen den unaufhörlichen Geschehnissen kaum dazu. Außerdem gibt es noch viel zu besorgen und wir müssen den Pferdewagen noch mit Stoff bespannen, ansonsten wird bei Regen alles nass“, erkläre ich. Nach längerer Debatte gebe ich nach denn auch Tanja ist für einen sofortigen Aufbruch. Der Plan ist morgen das Lager hier abzubrechen, um es ca. 40 Kilometer von hier nach Bilgees Jurtencamp zu verlegen. Dort können wir die restlichen Arbeiten durchführen.

Bilgee, ein Mann der Tat, meint wir sollten unsere Pferde tränken. Naraa, Taagi, Ulzii, Tanja und ich führen darauf unsere Tiere zu einer öffentlichen Wasserausgabestelle die nur 500 Meter hinter Naraas Hütte liegt. Alle Bewohner dieses Bezirkes holen sich hier ihr Wasser und müssen zu unserer Überraschung für 50 Liter 100,- Tugrik (0,17- €) bezahlen. Als wir die Pferde wieder in Naraas Garten bringen kommt ein Minibus. Der Fahrer holt unseren Übersetzer Taagii ab. Taagii freut sich sehr darüber jetzt wieder nach Hause zu seiner Familie zu können. Vor über drei Wochen trat er in unser Leben, um uns bei der Visumsituation zu helfen. Dann wurde er unser Übersetzer und Helfer bei allen Einkäufen und hier ein wichtiger Mediator zwischen den Nomaden, Begleitern, Verkäufern und Handwerkern. Zum Abschied geben wir ihm ein Wochengehalt von 100.000 Tugrik (57,- €) für seine guten Dienste. „Wenn ihr mich nächstes Jahr wieder braucht komme ich gerne“, bietet er an. Wir geben ihm ca. 130 Kg Ausrüstung mit die er bei Saraa in Mörön abgeben soll. Für das Gepäck möchte der Fahrer den Preis von vier Fahrgästen. Nach weiteren Verhandlungen bringen wir das Gepäck auf zwei Sitzen unter und zahlen den Preis für drei Fahrgäste. „Eine erfolgreiche und gesunde Reise!“, ruft Taagii aus dem Minibus als der sich bei strahlendem Sonnenschein davon macht. „Ab jetzt muss Ulzii übersetzen“, meine ich. „Wird schon klappen“, antwortet Tanja zuversichtlich.

Der Nachmittag vergeht mit weiteren Einkäufen wie zum Beispiel eine Schaufel, eine Feile für die Pferdehufe und vor allem Nahrung für die Reise. Bilgee und Ulzii begleiten uns in den Supermarkt. Sie erweisen sich als sehr bescheiden. Wir füllen fünf Einkaufswägen mit Reis, Nudeln, Mehl, Fertigsuppen, Griesbrei, Salz, Zucker, Pulverkaffee, Ketchup, Kekse, Bonbons usw. Das Meiste davon sind Grundnahrungsmittel die Bilgee nutzen möchte, um seine gewohnten Speisen zu kochen.

Während wir dann alles in Säcke verpacken und unsere Ausrüstung für den Pferdewagen organisieren, schnappt sich Bilgee einen Pinsel von uns und beginnt den Pferdewagen zu streichen. So wie es aussieht ist er tatsächlich ein Mann der Taten. Wir freuen uns wenn das so bleibt.

Zwischen den Arbeiten haben wir auch Spaß. Tanja bringt Melonenschalen einer Wassermelone, um sie an die Pferde zu verfüttern. Alle Tiere verweigern die für sie fremde Nahrung bis auf eines. Es ist die Stute. Sie riecht an dem Leckerbissen, hebt den Kopf und verzieht die Lippen wie ein Clown. Dann, beim zweiten Versuch, beißt sie hinein und kann nicht genug davon bekommen. „Wir brechen alle zusammen vor lachen. „Ich werde sie nach dir benennen“, ruft Tanja freudig zu Naraa. Seitdem heißt die Stute so wie unsere immer liebenswerte Gastgeberin.

Am Abend sitzen wir wie immer zusammen, sprechen über die Erlebnisse des Tages und darüber welchen Namen wir jetzt unserem Hund geben sollen. „Also Vierauge klingt nicht gut und ist zu lang“, werfe ich ein. Es sollte ein Name sein der mit der Mongolei zu tun hat. Was hältst du von Mung? Das soll Ausgeglichenheit heißen“, meint Tanja. „Nach ausgeglichen sccheint mir dieser Kämpfer nicht gerade zu sein“, werfe ich ein. „Trotzdem finde ich Mung schön“, entgegnet Tanja. Als wir jedoch den Namen versuchen auszusprechen heißt das Wort plötzlich Geld. „Na Geld können wir ihn nicht rufen“, meint Tanja enttäuscht. Trotz langen Übens bringen wir es nicht fertig den Namen so auszusprechen, dass er nach Ausgeglichenheit klingt. Wir studieren das mongolische Wörterbuch und finden nichts was gut klingt und sich für uns auch aussprechen lässt. Tanja versucht es mit dem Wort Dinosaurier und so weiter. Nicht das wir unseren Hund Dinosaurier nennen wollen. Es geht dabei nur darum ein gut klingendes mongolisches Wort zu finden. Dann fällt der Name Mogi. „Was heißt Mogi?“, fragen wir. „Mogi ist ein mongolischer Name“, hören wir und die Entscheidung ist gefallen. Ab sofort heißt Vierauge Mogi. Alle sind damit einverstanden und glücklich.

Heute schieben wir wieder Nachtschicht. Wir könnten ja Besuch vom Bösen Nomaden bekommen der sein Pferd oder besser ausgedrückt unser Pferd erneut stehlen möchte. Auf jeden Fall ist er bisher nicht erschienen, um uns das Geld zu bringen und sein Pferd zurückzuholen. Wenn er bis morgen nicht kommt ist unsere Pferdecrew komplett.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
MAGE SOLAR
Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Durabook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.