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Teure Arbeitsmoral

Mongolei/Erdenet — 14.08.2011

Um 10:00 Uhr sprechen wir noch mal mit dem Schreiner um den Preis erneut zu fixieren. In der Tat erzählt er jetzt nicht zwei sondern drei Tage für die Arbeit zu benötigen. „Warum wusstest du das gestern noch nicht?“, frage ich so gelassen wie nur möglich. „Ich habe mir über den Arbeitsumfang heute Nacht Gedanken gemacht“, meint er selbstsicher. Wir schlagen vor ihm Tsaagaan zur Seite zu stellen. So benötigt er nicht zwei Männer sondern nur einen und wir müssen nicht ein weiteres Gehalt bezahlen. Obwohl er sich dagegen anfänglich wehrt setzen wir uns durch. „Wann könnt ihr anfangen?“, frage ich, da er eigentlich seit einigen Stunden arbeiten sollte. „Heute“, meint er. Na gut, wir sind in der Mongolei, da ist heute nicht heute und gleiche nicht gleich. Die Uhren ticken hier anders nur die Kohle wird in einem Maße verlangt wie wir es in der westlichen Welt nicht kennen.

Tsaagaan ist einverstanden mit am Pferdewagen zu arbeiten. Nun brechen sie zu dritt auf, um die Materialien zu kaufen. Keine Ahnung warum dafür drei Männer beansprucht werden? Aber wir sind ja in der Mongolei. Also piano und Geduld. Das ist hier angesagt.

Da heute Sonntag ist möchte Taagii in seine Mormonenkirche. „Du kannst ruhig gehen. Die Männer arbeiten am Pferdewagen und ich habe zu schreiben“, antworte ich. Tanja begleitet ihn. „Ich möchte wissen wie dort ein Gottesdienst aussieht“, sagt sie.

Am späten Nachmittag, bei eiskalten, wolkenbruchartigen Regen und Sturmböen treffen wir uns mit den Wagenbauern am Schwarzmarkt. „Warum heißt das hier Schwarzmarkt? Das ist doch alles recht offiziell?“, interessiert es mich. „Kein Ahnung“, antwortet Taagii womit wir feststellen, dass es sich bei diesem Wort um einen Übersetzungsfehler handelt. Weil der Schreiner, Tsaagaan und der Lastwagenfahrer mich für den weiteren Einkauf benötigen, muss ich beim Besorgen der noch fehlenden Materialien dabei sein. Mit Ulzii, Taagii und meiner Person sind wir jetzt zu sechst. Wir kaufen Stahl, Schweißdraht und anderes Werkzeug für den Wagen, um ein Gerippe wie bei einem Planwagen schweißen zu können. Über das Gestell ziehen wir dann eine wasserdichte Plane aus reißfestem Stoff. So ist zumindest der Plan. 1995 haben wir schon mal so einen Wagen mit unserem Begleiter Nirgui gebaut. Wir waren damals zu zweit, hatten sehr schlechte Materialien und waren mit allem nach zwei Tagen fertig.

„Habt ihr die Baumstämme für die Deichseln und die Bretter kaufen können?“, frage ich die drei Männer. „In ganz Erdenet gab es keine dünnen Baumstämme für die Deichseln. Wir mussten aufs Land fahren um sie von Hirten zu kaufen. „Und dafür habt ihr von heute Morgen bis jetzt gebraucht?“, frage ich. Die Antwort ist ein Schweigen. Wir haben also einen Lkw-Fahrer, einen Schreiner und Tsaagaan einen Tag bezahlt damit sie zu dritt Bretter und zwei dünne Baumstämme besorgen. Dazu kommen 70.000 Tugrik (40,- €) für Schweißdraht, 65.000 Tugrik (37,- €) für Benzin und weitere 50.000 Tugrik (29,- €)für Bohrer und andere Werkzeuge die der Schreiner für seine Arbeit jetzt doch nicht hat. Wir bringen nun alles in den Vorgarten vom Schreiner. Tsaagaan, der Schreiner, Der Fahrer, Ulzii und unser Taagii stehen nun um die Teile und halten Palaver. Nach einer Stunde stehen sie noch immer da und unterhalten sich. „Wie sieht es eigentlich damit aus mal mit der Arbeit anzufangen? Ich meine, wir bezahlen hier fünf Mann und keiner tut etwas“, sage ich säuerlich. Sie sehen mich alle an als wäre ich ein Marsmensch. Dann beginnen sie wie in Zeitlupentempo mit der Axt die Rinde von den zwei teuren dünnen Stämmen zu schlagen. Alle fünf Minuten übergibt der Arbeiter die Axt einen anderen. Somit holt man sich sicherlich keinen Herzinfarkt und auch keinen Muskelkater. Auch wenn wir enorm viel Reiseerfahrung besitzen, auch wenn wir uns hier in der Mongolei befinden, ist das zum Haare raufen. Tanja und ich können diesen Anblick nicht mehr ertragen und gehen zurück zu unserem Blockhaus. „Da machen fünf Mann den Job den ich auch alleine machen könnte“, meine ich etwas geknickt. „Nun, du musst die Geschichten aufschreiben. Du kannst nicht alles machen“, beruhigt mich Tanja. „Stimmt. Aber in solchen Fällen könnte ich das Schreiben verfluchen“, antwort ich und trinke erstmal eine Tasse Tee.

Die Live-Berichterstattung wird unterstützt durch die Firmen:
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Gesat GmbH

Satellitentelefon Explorer 300 und das Duragbook der Fa. Gesat sind die Stützsäulen der Übertragung aus der Steppe.